Aktien, Euro, Öl Politikfrust drückt Dax

Ein positiver Auftakt an der Wall Street verbessert auch in Frankfurt die Stimmung. Folge: Am Nachmittag drehen die Kurse mehrheitlich ins Plus, der Leitindex Dax notiert ebenfalls im grünen Bereich. Zuvor hatten die deutsch-französischen Vorschläge zur Stabilisierung der Euro-Zone für Druck gesorgt.
Starkes Zugpferd: Ein positiver Trend an der Wall Street hat nach wie vor erheblichen Einfluss auf die Kurse in Frankfurt

Starkes Zugpferd: Ein positiver Trend an der Wall Street hat nach wie vor erheblichen Einfluss auf die Kurse in Frankfurt

Foto: STAN HONDA/ AFP

Frankfurt am Main - Die deutsch-französischen Vorschläge zur Stabilisierung der Euro-Zone haben die Anleger am Mittwoch nicht aufheitern können. Der Dax  drehte zwar mit Eröffnung der US-Börsen kurzzeitig ins Plus, schloss aber bei minus 0,8 Prozent auf 5949 Punkten. Der MDax (Kurswerte anzeigen) gab 0,7 Prozent ab auf 9084 Zähler, der TecDax  verlor 2,8 Prozent auf 722 Punkte.

Die New Yorker Wall Street öffnete im Plus, drehte dann aber bald ins Minus. Stützend wirkten zunächst gute Geschäftsergebnisse prominenter US-Einzelhandelshäuser. Geradezu ansteckend wirkte aber die Unzufriedenheit an den europäischen Märkten über das deutsch-französische Gipfeltreffen vom Dienstag. Gegen 19.20 Uhr deutscher Zeit notierte der Dow-Jones-Index  der Standardwerte 0,3 Prozent tiefer auf 11.376 Punkten.

Der Markt suche derzeit sein Gleichgewicht, kommentierte der Experte Thilo Müller von MB Fund Advisory die unstete Entwicklung des Dax. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank verwies zwar auf zuletzt "eher ermutigende" US-Konjunkturdaten und das fehlende Zinsrisiko in den USA, wo die Notenbank nach eigener Ankündigung zwei Jahre lang die Zinsen nicht anheben will. Die deutsch-französischen Vorschläge für eine europäische Wirtschaftsregierung aber seien lediglich eine langfristige Vision, Anleger vermissten dagegen konkrete Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte. Andere, durchaus konkrete Vorschläge wurden an der Börse allerdings rundheraus abgelehnt, weil sie die Profite des Wertpapierhandels beschneiden würden.

Um die Euro-Zone zu stärken, fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy eine in den Verfassungen festgeschriebene Schuldenbremse sowie eine Steuer auf Börsengeschäfte - eine sogenannte Finanztransaktionssteuer. Vor allem letztere sorgte für Aufruhr und schickte die Aktien von Börsenbetreibern und Banken auf Talfahrt. Die Papiere der Deutschen Börse (Kurswerte anzeigen) rutschten in der Spitze um mehr als 8 Prozent auf 39,71 Euro ab; schließlich gingen sie mit einem Minus in Höhe von 4,97 Prozent zu einem Preis von 41,10 Euro aus dem Markt. Die Titel des New Yorker Fusionspartners Nyse Euronext fielen um 4,7 Prozent. Auch die Papiere der Londoner Börse LSE (Kurswerte anzeigen) verbilligten um 2,8 Prozent.

Auch die Finanzwerte gerieten wieder unter Druck: Papiere der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) gaben um 2,20 Prozent nach, Commerzbank -Aktien  büßten 5,19 Prozent ein. "Dieser Strafzuschlag wird den Finanzsektor wohl zusätzlich belasten", erklärte sich Aktienhändler Jonathan Sudaria vom Brokerhaus Capital Spreads die Kursbewegung.

Die Technologiewerte wurden neben den Zahlen des PC-Herstellers Dell auch von der Konjunkturabhängigkeit ihrer Geschäfte belastet. Die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon (Kurswerte anzeigen) verloren 3,85 Prozent auf 5,822 Euro. Die Papiere des Softwareherstellers SAP (Kurswerte anzeigen) gaben um 2,15 Prozent nach. Kursgewinne von 1,74 Prozent gab es indes an der MDax-Spitze bei den Hochtief -Titeln. Der Vorsteuergewinn des Baukonzerns brach zwar im Zeitraum von April bis Juni ein. Damit übertraf das Unternehmen jedoch die Schätzungen der Analysten, die im Schnitt mit einem Verlust gerechnet hatten.

Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 2,04 (Vortag: 2,06) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 128,25 Punkte. Der Bund Future rückte um 0,79 Prozent vor auf 134,16 Punkte.

Auch der Kurs des Euro (Kurswerte anzeigen) ging im Schlepptau der Aktienmärkte auf Berg- und Talfahrt. Zuletzt gab die Gemeinschaftswährung wieder etwas nach und notierte bei 1,4431 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs noch auf 1,4477 (Dienstag: 1,4360) US-Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 0,6908 (0,6964) Euro.

Die überraschend stark gefüllten Öl-Lager in den USA haben den Anstieg des Rohölpreises am Mittwochnachmittag etwas gedrosselt. Die US-Sorte WTI notierte noch rund 2 Prozent im Plus bei 88,30 Dollar pro Barrel, nachdem der Preis zuvor bis auf 89 Dollar gestiegen war. Nordsee-Öl der Sorte Brent  kostete mit 111,33 Dollar ebenfalls 2 Prozent mehr. Die Rohöl-Lagerbestände waren dem US-Energieministerium (EIA) zufolge in der Vorwoche deutlich gestiegen, während Analysten mit einem Rückgang gerechnet hatten.

kst/mg/dpa-afx/rtr

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