Börse Dax nimmt Kurs auf 6000 Punkte

Nach einem verlustreichen Start legt der Dax bis zum Mittag deutlich zu. Im Fokus stehen die Titel von ThyssenKrupp, der Stahlkonzern enttäuscht mit seinem Quartalsbericht die Erwartungen der Analysten. Die Stagnation des Wirtschaftswachstums in Frankreich belastet den Euro.
Börse in Frankfurt: Dax ist auf Erholungskurs

Börse in Frankfurt: Dax ist auf Erholungskurs

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax (Kurswerte anzeigen) gab am Morgen einen Teil seiner Erholung vom Vortag wieder ab, drehte dann aber ins Plus und stand am Mittag bei 2,81 Prozent höher bei 5960 Punkten. Am Vortag hatte das wichtigste deutsche Aktienbarometer das erste Plus nach elf Minustagen in Folge verbucht, in denen er bis zu 25 Prozent an Wert verloren hatte.

Der MDax (Kurswerte anzeigen) stieg zuletzt um 3,63 Prozent auf 9.237 Punkte. Der TecDax (Kurswerte anzeigen), der schon wieder 16 Prozent über seinem Dienstag-Tief steht, legte 3,67 Prozent auf 745 Punkte zu.

"Das Verbot von Leerverkäufen in einigen Ländern treibt den Dax an und im Zuge der steigenden Kurse kaufen auch die Investoren eifrig, die zuvor auf weiter fallende Kurse gesetzt haben", sagte Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital. Auch die Technik sei nun wieder positiv, nachdem am Vortag das vorhergehende Tief letztendlich gehalten wurde. Zuvor hatten Börsianer auf die sehr gute Kursentwicklung der Wall Street vom Vorabend verwiesen, die Aktienkäufern wieder Mut gäben. Negative Nachrichten wie die schlechte Industrieproduktion in Europa und das schwache Wachstum in Griechenland würden indes ignoriert. Am Nachmittag könnten nach US-Daten bewegen.

ThyssenKrupp verfehlt die Erwartungen

Die Zahlen von ThyssenKrupp (Kurswerte anzeigen) ragen aus dem Reigen neuer Zahlen hervor. Das Dax-Mitglied konnte nach einem Kurssprung von 8,07 Prozent am Vortag die erhöhten Erwartungen offenbar zunächst nicht ganz erfüllen und die Aktie stand mit minus 3,12 Prozent bei 22,50 Euro. Die Zahlen könnten aber am Markt auf den zweiten Blick trotz eines enttäuschenden Gewinns positiv gewertet werden, sagte ein Händler. Der bestätigte Ausblick des Stahl- und Industriegüterkonzerns lasse die Bilanz im Endeffekt nicht schlecht aussehen, sagte ein Börsianer. Die Gewinne sollten schneller wachsen als die Umsätze und das könnte aus seiner Sicht den Kurs stützen.

An der Dax-Spitze standen Finanzwerte und allen voran die Aktien der Allianz (Kurswerte anzeigen) mit plus 4,89 Prozent auf 76,20 Euro gefolgt von Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) mit einem Aufschlag von 4,17 Prozent auf 30,33 Euro. Der Bankensektor bleibt wegen der Unsicherheit um die Schuldenkrisen im Fokus, sagten Händler, und vor allem der Handel in Aktien französischer Banken bleibe nervös. Der Sektor habe aber nach den jüngsten Verlusten Erholungspotenzial. Der europaweite Branchenindex Stoxx Europe 600 Banken verbesserte sich indes in etwa mit dem sehr festen Gesamtmarkt.

HHLA legen deutlich zu

Die Papiere von HHLA (Kurswerte anzeigen) sprangen nach Zahlen als ein Favorit im MDax um 5,58 Prozent hoch auf 26,18 Euro. Der Hamburger Hafenbetreiber schraubte nach dem Frachtboom der vergangenen Monate die Erwartungen für das laufende Jahr hoch.

Praktiker-Papiere (Kurswerte anzeigen) stabilisierten sich mit plus 6,45 Prozent auf 2,31 Euro. Die Aktien der Baumarktkette waren in den vergangenen Wochen besonders stark gerutscht.

Aktien von IVG Immobilien (Kurswerte anzeigen) sackten dagegen am MDax-Ende nach Zahlen um 7,38 Prozent auf 3,42 Euro ab. Das Immobilienunternehmen ist vor allem aufgrund von Abschreibungen auf sein Vorzeigeprojekt am Frankfurter Flughafen im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Ein Händler wertete die Bilanz als "negative Überraschung".

Sky Deutschland (Kurswerte anzeigen) verloren 3,38 Prozent auf 2,51 Euro. Der Bezahlfernsehsender legte auch im zweiten Quartal bei den Abozahlen zu und übertraf damit die Erwartungen etlicher Experten. Händler reagierten zunächst positiv auf die Zahlen und hoben am Morgen auch den den geringeren Verlust hervor.

Im TecDax sorgten Bilanzenvorlagen ebenfalls für Furore: SMA Solar (Kurswerte anzeigen) sprangen mit plus 15,88 Prozent auf 71,60 Euro unangefochten an die Indexspitze. Händler sprachen mit dem Blick auf die Zahlen des Solartechnik-Herstellers von einer positiven Überraschung. Umsatz und Ergebnis hätten klar über den Schätzungen gelegen und "damit hat niemand am Markt gerechnet", kommentierte ein Händler.

Carl Zeiss Meditec (Kurswerte anzeigen)berichtete ebenfalls über sein Geschäft. Der Medizintechnikanbieter hält sich wegen der Finanz- und Schuldenkrise mit einem Ausblick für das kommende Geschäftsjahr zurück. Die Aktie gewann 4,43 Prozent auf 14,73 Euro.

Stagnation in Frankreich belastet den Euro

Der Kurs des Euro  ist am Freitag zu Handelsbeginn unter die Marke von 1,42 Dollar gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,4191 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,7046 Euro wert. Im asiatischen Handel hatte der Euro zeitweise noch 1,4241 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,4143 (Mittwoch: 1,4367) Dollar festgesetzt.

Die schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen zum französischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) lasteten auf dem Euro, sagten Händler. So hatte die französische Wirtschaft im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal stagniert. Volkswirte hatten zuvor einen Anstieg um 0,3 Prozent erwartet. Angesichts der möglichen konjunkturellen Abkühlung rechnen immer mehr Volkswirte damit, dass die EZB ihren Leitzins nicht weiter anheben dürfte. Die sinkenden Zinserwartungen drückten so auf den Euro. Zudem zeige die in Frankreich gesunkene Inflationsrate einen nachlassenden Preisdruck. Die Jahresinflationsrate war im Juli von 2,3 Prozent im Vormonat auf 2,1 Prozent gefallen.

Die Ölpreise sind am Freitag im asiatischen Handel gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur September-Lieferung sank im Vergleich zum Handelsschluss am Vortag um 49 Cent auf 107,53 Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) sank um 1,00 Dollar auf 84,72 Dollar.

Die weiterhin anhaltende Unsicherheit an den Finanzmärkten laste auf den Ölpreisen, sagten Händler. Die Furcht vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur drücke auf die Preise. Zudem sei es nach der Erholung am Vortag zu Gewinnmitnahmen gekommen.

mg/dpa-afx