Kurssturz Historischer Minustag für Frankreichs Banken

Schwarzer Börsentag in Paris: Die Aktienkurse der bedeutendsten Geldhäuser Frankreichs sind heute teils dramatisch ins Rutschen geraten. Die Société Générale etwa büßte zeitweise mehr als ein Fünftel ihres Börsenwerts ein. Die ersten große Wellen der Staatsschuldenkrise erreichen damit Frankreich.  
Paris: Bedrückender Tag für Frankreichs Banker

Paris: Bedrückender Tag für Frankreichs Banker

Foto: © Charles Platiau / Reuters/ REUTERS

Paris - Drastische Kursstürze im Bankensektor haben den französischen Aktienindex CAC 40  am Mittwoch in den Keller gerissen. Der Wert der Aktien der Großbank Société Générale fiel um zeitweise mehr als 20 Prozent. Einer der Gründe waren nach Einschätzung von Analysten Gerüchte über eine möglicherweise bevorstehende Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen. Sie wurden am späten Nachmittag offiziell dementiert. Zu Börsenschluss lag der CAC40 dennoch mit 5,45 Prozent im Minus, obwohl sich der Kurs von Société Générale auf minus 14,7 Prozent erholte.

Zum Börsenschluss wiesen allerdings auch andere Banken Frankreichs gewaltige Minusstände auf. Der Aktienkurs der Credit Agricole  sackte um 11,81 Prozent ab, die BNP-Paribas-Notierung  um 9,47 Prozent und die von Natixis um 9,11 Prozent. Darüber hinaus verloren die Titel des Versicherers Axa  10,64 Prozent ihres vorherigen Wertes.

"Diese Gerüchte sind völlig haltlos und die drei Ratingagenturen Standard & Poor's, Fitch und Moody's haben bestätigt, dass es kein Risiko einer Herabstufung gab", sagte am Mittwochnachmittag ein Sprecher von Finanzminister François Baroin. Kurz darauf teilten auch die Ratingagenturen Fitch und Moody's mit, dass sich der Ausblick für Frankreich nicht geändert habe. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union (EU) führt derzeit die Rating-Bestnote "AAA", Frankreich hat allerdings die höchste Verschuldung aller sechs Euro-Zonen-Länder, die mit "AAA" bewertet werden.

In der französischen Haushaltskrise hatte die Regierung am Mittag nach einem Krisentreffen zugesichert, in Kürze einen neuen Sparplan präsentieren zu wollen. Präsident Nicolas Sarkozy habe die Minister für Finanzen, Wirtschaft und Budget aufgefordert, entsprechende Vorschläge auszuarbeiten, damit das Defizit im Haushalt für 2012 gesenkt werden könne, hieß es in einer Erklärung seines Amtes. Die Maßnahmen sollen am 24. August vorgestellt werden. Sarkozy hatte vor dem Hintergrund der jüngsten Finanzkrise an den weltweiten Börsen seinen Urlaub unterbrochen, um das Arbeitstreffen in Paris zu leiten.

Als weitere mögliche Gründe für die Verluste im französischen Bankensektor wurden das Griechenland-Engagement der großen Institute sowie neue Belastungen genannt. Die Kosten für Versicherungen gegen einen Kreditausfall französischer Staatsanleihen seien gestiegen und dies habe die Kurse der Finanzinstitute unter Druck gesetzt, sagten Händler.

Die französischen Banken zählen zu den am stärksten engagierten Instituten im von der Schuldenkrise geplagten Griechenland. Société Générale hatte im zweiten Quartal unter anderem wegen hoher Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen einen überraschend hohen Gewinneinbruch verbucht. Die Bank korrigierte den Wert der von ihr gehaltenen griechischen Anleihen um 395 Millionen Euro nach unten. BNP Paribas musste ebenfalls hohe Abschreibungen (534 Mio Euro) vornehmen. Société Générale ist zudem gleich doppelt von der Griechenland-Krise betroffen. Neben dem hohen Bestand an Staatsanleihen gehört ihr die griechische Bank Geniki.

kst/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.