Sitzung der US-Notenbank Fed-Chef Bernanke soll die Märkte retten

Die Wall Street taumelt - und Anleger rufen mal wieder nach der Fed als Feuerwehrmann. Das Problem nur: Die US-Notenbank hat kaum noch Löschwasser. Da die Zinsen bereits extrem niedrig sind, fordern einige Volkswirte ein drittes Anleihekaufprogramm - die Fed soll den Brand mit einer weiteren Geldschwemme löschen.
Fed-Chef Bernanke, US-Finanzminister Geithner (links): Kaum noch Optionen, um Wirtschaft und Märkte zu stützen

Fed-Chef Bernanke, US-Finanzminister Geithner (links): Kaum noch Optionen, um Wirtschaft und Märkte zu stützen

Foto: Manuel Balce Ceneta/ AP

Washington - Angesichts der Marktturbulenzen und der US-Schuldenkrise rechnen Experten mit einer deutlicheren Sprache der US-Notenbank Federal Reserve nach der Zinssitzung am heutigen Dienstagabend. Der Offenmarktausschuss (FOMC) dürfte einen genaueren Zeitrahmen bekannt geben, wie lange die Niedrigst-Zinsen beibehalten werden.

Am Wochenende hatten Fed-Vorsitzender Ben Bernanke und Finanzminister Timothy Geithner bei Krisengesprächen der G-7-Staaten teilgenommen. In einer Erklärung der sieben führenden Industrienationen hieß es im Anschluss an die Telefonkonferenz, die G-7 stehe bereit, "alle notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung der Finanzstabilität und des Wachstums" zu ergreifen.

Auf Worte müssten nun Taten folgen, sagen viele Volkswirte. Angesichts der derzeitigen Krise obliege es nun der Fed, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen, erklärte Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody's Analytics.

Viele Optionen hat die Fed nicht: Sie könnte den stets viel beachteten Wortlaut der FOMC-Erklärung ändern und deutlich machen, wie lange die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau beibehalten werden. Bislang hieß es nur, die seit drei Jahren bei null bis 0,25 Prozent liegenden Leitzinsen blieben für "einen längeren Zeitraum" unverändert.

Fed hat bereits Anleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar gekauft

Ein genauer Zeitrahmen könnte auch bezüglich der Rekordbestände an US-Staatsanleihen genannt werden, sagen Analysten. Nach dem Ende des Milliardenprogramms der Fed hieß es, die Bestände würden erst bei einer Konjunkturerholung wieder abgebaut. Die Fed hatte den Markt mit Geld überschwemmt und Anleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar (mehr als 400 Milliarden Euro) gekauft. Ende Juni wurde das umstrittene Fed-Programm, bereits das zweite dieser Art, wie geplant beendet.

Einige Volkswirte fordern ein drittes Anleihekaufprogramm, doch das dürfte am Widerstand einiger FOMC-Mitglieder scheitern, die bereits die zweite Geldschwemme wegen der damit einhergehenden Inflationsgefahren kritisierten. Experten halten daher eine dritte Geldschwemme, ein "Quantitative Easing 3", für wenig wahrscheinlich.

Viele Fed-Mitglieder gegen "Quantitative Easing 3"

Um ein drittes Anleihekaufprogramm einzuleiten, müsste eine große Hürde überwunden werden, sagte David Jones, Chefvolkswirt bei der Beratungsfirma DMJ Advisors in Denver. "Fed-Vertreter, die gegen die zweite Runde waren, werden anführen, dass die Fed alles getan habe, um die Konjunktur zu stützten, und dass alles Darüberhinausgehende eine höhere Inflation zur Folge haben würde."

In seiner Rede vor dem Kongressausschuss Mitte Juli hatte Bernanke erklärt, die Fed würde nur weitere konjunkturelle Anreize erwägen, wenn die Wirtschaft sich weiter abschwäche und das Risiko einer Deflation wiederkehre.

Die Zinssitzung am (heutigen) Dienstagabend gehört nicht zu den vier der acht FOMC-Sitzungen pro Jahr, nach denen neuerdings Pressekonferenzen abgehalten werden - ein Novum in der Geschichte der Fed, das erst dieses Jahr von Bernanke eingeführt wurde.

la/apd

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