Anleihenkäufe EZB stützt Spanien und Italien

Die Risikoaufschläge für spanische und italienische Staatsanleihen sind wegen der Intervention der Europäischen Zentralbank deutlich gefallen. Die Rendite von zehnjährigen spanischen Papieren sank sogar unter die Marke von 5 Prozent. EZB-Chef Jean-Claude Trichet kündigte weitere Käufe an.
EZB-Chef Trichet: "Wir werden unser Engagement auf dem Sekundärmarkt fortzusetzen"

EZB-Chef Trichet: "Wir werden unser Engagement auf dem Sekundärmarkt fortzusetzen"

Foto: Boris Roessler/ dpa

Frankfurt am Main - Die Rendite von zehnjährigen spanischen Papieren sank um 0,17 Prozentpunkte auf 4,955 Prozent. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen ging um 0,15 Prozentpunkte auf 5,113 Prozent zurück.

Am vergangenen Freitag hatten die Renditen von beiden Ländern noch über der Marke von 6 Prozent gelegen. Zum Vergleich: Die Rendite von zehnjährigen deutschen Anleihen lag bei 2,317 Prozent.

Die Europäische Zentralbank hatte am Sonntagabend angekündigt, Staatsanleihen von Regierungen der Euro-Zone zu kaufen, ohne dabei die Länder zu nennen. Händler berichteten, dass das Institut dann am Montag vor allem fünfjährige Papiere von Spanien und Italien aufkaufe. Daraufhin waren die Risikoaufschläge für beide Länder regelrecht eingebrochen.

Trichet: "EZB wird nicht am Primärmarkt aktiv"

Heute bestätigte EZB-Chef Jean-Claude Trichet den Eingriff und signalisierte den Märkten ein weiteres aktives Engagement an den Anleihemärkten. "Die EZB ist am Sekundärmarkt für Schuldtitel aktiv", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank dem französischen Rundfunksender Europe 1. Die Notenbank plane, dieses Engagement auch fortzusetzen - trotz Kritik. Ökonomen bemängeln, dass mit dem Programm die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik unzulässig verwischt wird.

Zugleich schloss Trichet aus, dass die Notenbank in Bedrängnis geratenen Staaten wie Italien und Spanien Schuldtitel direkt abkauft. "Das sollten wir nicht tun und das können wir auch nicht tun", sagte der EZB-Chef. Die Bank darf den Bestimmungen zufolge nicht am sogenannten Primärmarkt aktiv werden, da damit eine unuzlässige Schuldenfinanzierung der Staaten verbunden wäre.

Trichet forderte in dem Rundfunkinterview zugleich, dass die europäischen Gipfelbeschlüsse vom 21. Juli "so rasch wie möglich" umgesetzt werden müssten. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten sich darauf verständigt, die Kompetenzen des noch bis Mitte 2013 laufenden Rettungsschirms EFSF auszuweiten. Unter anderem soll er ermächtigt werden, am Markt Anleihen von Krisenländern aufzukaufen. Damit wäre die EZB von der Aufgabe entlastet, Anleihen aufzukaufen.

mg/dpa-afx/rtr
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