Börse Längste Verlustserie seit 33 Jahren droht

Investoren werfen immer mehr Aktien auf den Markt und flüchten in vermeintlich sichere Anlagen. Der Dax schließt erneut tief im Minus. An der Wall Street starten die Indizes am Abend einen Erholungsversuch: Misslingt der Rebound, wäre es die längste Verlustserie an der Wall Street seit 1978. 
Nervöse Märkte: In New York reichen geringe Kursverluste aus, um den Dax erneut in die Tiefe zu schicken

Nervöse Märkte: In New York reichen geringe Kursverluste aus, um den Dax erneut in die Tiefe zu schicken

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Frankfurt am Main - Hauptsache raus: Der Dax  hat am Mittwoch nach durchwachsenen Konjunkturdaten aus den USA seinen Abwärtstrend beschleunigt und seine Verluste zeitweise auf bis auf 3,5 Prozent ausgebaut. Kurz vor Handelsschluss auf Xetra konnte der Dax jedoch seine Verluste ein wenig begrenzen und schloss bei 6640 Punkten, ein Minus von 2,3 Prozent.

Seit Beginn des Kursrutsches vor einer Woche hat der deutsche Leitindex damit insgesamt knapp 10 Prozent an Wert eingebüßt. Der MDax verlor am Mittwoch 2,3 Prozent und der TecDax fiel um 3,2 Prozent auf 762 Punkte.

Der Dax  ist damit nur noch rund 150 Zähler von seinem Jahrestief von 6483 Zählern entfernt, auf das er Mitte März nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima gestürzt war.

Börsianer führten verschiedene Belastungsfaktoren an: Die Angst vor einer Abkühlung der globalen Wirtschaft, die mögliche Abstufung der US-Bonität, ein möglicher Rückfall der USA in die Rezession sowie die neu aufgeflammte Schuldenkrise in Euroland, die derzeit die Risikoprämien für Staatsanleihen in Italien und Spanien in die Höhe treibt.

Auch charttechnisch ist der deutsche Leitindex Dax angeschlagen. Während der Dow Jones seit Jahresbeginn 2011 immer noch ein Plus von knapp 2 Prozent aufzuweisen hat, hat der Dax seit Jahresbeginn bereits an Wert verloren.

Wall Street im späten Handel etwas fester

Besorgnis erregend: Die Investorenflucht hat sich verschärft, obwohl die ersten Daten vom US-Arbeitsmarkt etwas besser ausfielen als erwartet. Einer Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge stieg die Zahl der Jobs in der Privatwirtschaft um 114.000. Analysten hatten nur mit einem Plus von 100.000 gerechnet.

An der Wall Street notierte der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) zum Handelsschluss in Deutschland mit 0,6 Prozent im Minus. Sollten die US-Indizes am Mittwoch erneut in der Verlustzone schließen, wäre es der neunte Verlusttag für den Dow in Folge. Es wäre gleichzeitig die längste Verlustserie für den Dow Jones seit 33 Jahren.

Doch von diesem Negativrekord war die Wall Street zwei Stunden vor Handelsschluss noch ein Stück entfernt. Bis 20 Uhr MESZ drehten sowohl Dow Jones als auch Nasdaq Composite  leicht ins Plus.

Geschäftsklima der US-Dienstleister verschlechtert - Flucht in Gold

Für verstärkten Verkaufsdruck sorgten am Mittwoch Nachmittag noch weitere Konjunkturdaten: In den USA ist der Index für die Geschäftsaktivität im nicht verarbeitenden Gewerbe auf 52,7 Punkte gefallen. Damit wurde das niedrigste Niveau seit Januar 2010 erreicht. Die Dienstleister machen rund 80 Prozent der US-Wirtschaft aus.

Das ebenfalls als Krisenwährung geltende Gold (Kurswerte anzeigen) setzte mit 1672,65 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) am Mittwoch eine neue Bestmarke.

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Angesteckt: Wie die Euro-Krise sich ausbreitet

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Dax: Metro und Volkswagen brechen ein

Besonders stark unter Druck gerieten im Dax die Aktien des deutschen Handelsriesen Metro (Kurswerte anzeigen), die mit einem Minus von rund 5 Prozent auf ein Zweieinhalbjahrestief fielen.

Gewinnmitnahmen drückten außerdem die Aktie von Volkswagen (Kurswerte anzeigen) erneut um rund 4 Prozent ins Minus. Aktien der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) setzten ihre Talfahrt ebenfalls fort.

Italien: Berlusconi spricht lieber nach Börsenschluss

Die Euro-Sorgenkinder Italien und Spanien rückten am Mittwoch erneut in den Fokus. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wollte sich am Nachmittag vor dem Parlament zur wirtschaftlichen Situation äußern - vorsichtshalber aber erst nach Schließung der Börsen.

Über die Lage Italiens und die des Euroraums insgesamt berieten am Mittwoch auch der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, und Italiens Finanzminister Giulio Tremonti. "Wir hatten eine lange Diskussion, bei der es um alle Probleme in der Eurozone ging", sagte Juncker in Luxemburg.

Zuletzt hatte der Anstieg der Risikoaufschläge für italienische und spanische Staatsanleihendie Anleger an den Devisenmärkten beunruhigt und den Euro auf Talfahrt geschickt.

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Angesteckt: Wie die Euro-Krise sich ausbreitet

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Nach Einschätzung von Experten der Commerzbank belastet das "GAU-Szenario eines Überspringens der Schuldenkrise auf Italien weiterhin den Handel mit der europäischen Währung".

Dax: Gewinnmitnahmen bei Autotiteln

Im Dax büßten die Aktien von Volkswagen (Kurswerte anzeigen) mehr als 4 Prozent ein. Daimler (Kurswerte anzeigen) verloren 2,14 auf 46,40 Euro, BMW (Kurswerte anzeigen) sanken um 1,70 auf 64,85 Euro und Porsche (Kurswerte anzeigen) verloren außerhalb der Index-Familie knapp 4 Prozent.

Die deutschen Autowerte litten neben dem schwachen Marktumfeld auch unter den rückläufigen US-Absatzzahlen für Juli. Alle Autobauer hatten teils deutlich geringere Absatzsteigerungen bekanntgegeben als im Juni.

Pimco-Chef: Euro-Schuldenkrise geht weiter

Der Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco, Mohamed El-Erian, hält die bisherigen Bemühungen, den Euro zu retten, für unzureichend. "Sehr wahrscheinlich werden die Steuerzahler erneut gebeten werden zu helfen", sagte er dem Magazin "Stern". Außer Griechenland würden womöglich auch Portugal und Irland zusätzliches Geld benötigen. Die Europäer müssten sich entscheiden, ob sie die angeschlagenen Euroländer "wie Ostdeutschland" unterstützen wollten, sagte El-Erian.

Gewinneinbruch bei französischer Großbank

Die französische Großbank Societe Generale verbuchte im zweiten Quartal unter anderem wegen hoher Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen einen überraschend hohen Gewinneinbruch. Die Bank korrigierte den Wert der von ihr gehaltenen griechischen Anleihen um 395 Millionen Euro nach unten. Die französischen Banken zählen zu den am stärksten in Griechenland engagierten Instituten. Am Vortag hatte bereits BNP Paribas  hohe Abschreibungen (534 Mio Euro) vornehmen müssen.

MDax: Fuchs Petroclub brechen ein

Trübe Geschäftsaussichten sorgten auch bei Fuchs Petrolub für massive Verkäufe. Die Papiere des Schmierstoff-Herstellers brachen im MDax um bis zu 16 Prozent ein. Dies ist der einer der größten Tagesverluste der Firmengeschichte. Dabei wechselten bis zum Abend fast sieben Mal so viele Fuchs-Titel den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Die Aktie beendete den Handel 10 Prozent im Minus bei 32,93 Euro.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,22 (Vortag: 2,21) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,02 Prozent auf 126,96 Punkte. Der Bund Future gewann minimale 0,05 Prozent auf 131,89 Punkte.

Der Kurs des Euro (Kurswerte anzeigen) stieg auf 1,4311 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,4300 (Dienstag: 1,4170) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,6993 (0,7057) Euro gekostet.

Die Ölpreise sind am Mittwoch mit der Sorge vor einem Abflauen der US-Wirtschaft weiter gesunken. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Auslieferung im September verbilligte sich im asiatischen Handel um 35 Cent auf 116,11 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur September-Lieferung fiel um 36 Cent auf 93,43 Dollar. Beim US-Öl sei es bereits der vierte Handelstag mit sinkenden Preisen, sagten Händlern.

mg/nis/la/dpa-afx/rtr
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