Enttäuschende Bilanz Aktien von Wacker Chemie stürzen ab

Die Aktien von Wacker Chemie sind am Dienstag um bis zu 10 Prozent eingebrochen. Höhere Rohstoffkosten und ein schwacher Dollar hatten den Chemiekonzern im zweiten Quartal ausgebremst. Analysten hatten von Vorstandschef Rudolf Staudigl ein besseres Ergebnis erwartet.
Wacker-Chemie-Chef Staudigl: "Beim Erreichen der Jahresziele weiter gut auf Kurs"

Wacker-Chemie-Chef Staudigl: "Beim Erreichen der Jahresziele weiter gut auf Kurs"

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Aktien von Wacker Chemie  stürzten am Vormittag um 10 Prozent auf 117,35 Euro ab. Damit landeten sie abgeschlagen am MDax-Ende und zeigten sich zudem so schwach wie seit Anfang September 2010 nicht mehr. Der Index der mittelgroßen Werte gab zur selben Zeit um 1,51 Prozent auf 10.182,41 Punkte nach.

Höhere Rohstoffkosten und ein schwacher Dollar hatten den Halbleiterzulieferer und Chemiekonzern im zweiten Quartal ausgebremst. Dank höherer Absatzmengen hatte der Konzern zwar den Umsatz im Jahresvergleich um gut 10 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn hatte sich mit 143 Millionen Euro aber nur etwa halb so stark erhöht. Trotz des Dämpfers sieht sich Konzernchef Rudolf Staudigl beim Erreichen der Jahresziele aber weiter "gut auf Kurs".

Ein Händler monierte, die Zahlen sähen auf den ersten Blick schlechter als erwartet aus. Zudem habe das Unternehmen zwar den Ausblick bestätigt, aber auch gewarnt, dass die Wachstumsdynamik sich in den kommenden Monaten abschwächen werde.

"Markterwartungen waren zu hoch"

Equinet-Analyst Stefan Freudenreich räumte ein, dass die Quartalsergebnisse wegen der gestiegenen Rohstoffkosten und negativer Währungseffekte die Konsensschätzungen verfehlt hätten. Er werde nach der Analystenkonferenz am Nachmittag seine Schätzungen prüfen, bleibe aber bei seiner langfristig positiven Einschätzung des Unternehmens. Daher beließ er sein Votum für die Aktie auf "Accumulate" mit einem Kursziel von 178 Euro.

"Auf den ersten Blick eine Enttäuschung", kommentierte Analyst Peter Spengler von der DZ Bank. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den Sparten Polysilicon und Siltronic habe seine und noch deutlicher die Konsensschätzungen verpasst. Die Markterwartungen seien jedoch zu hoch gewesen, merkte der Experte kritisch an. Sie hätten die Warnungen von Wacker Chemie zu den hohen Vorlaufkosten für die beschleunigte Inbetriebnahme der neuen Polysiliciumproduktion in Nünchritz und die deshalb stagnierende Ebitda-Entwicklung im zweiten bis vierten Quartal 2011 nicht hinreichend berücksichtigt. Spengler beließ die Aktie auf "Kaufen" mit einem Wert von 160 Euro.

Dagegen stufte die WestLB die Papiere von "Add" auf "Neutral" ab und strich das bisherige Kursziel von 157 Euro. Angesichts des Ausblicks fehle ein Kurstreiber und insbesondere die Aussichten für Siltronic blieben ernüchternd, schrieb Analyst Peter Wirtz. Der Bereich Polysilicon sollte sich zwar weiterhin gut entwickeln. Wegen höherer Anlaufkosten erscheine es aber schwierig, hier eine Ebitda-Marge von 50 Prozent aufrecht zu erhalten. Von der Analystenkonferenz erhofft sich Wirtz Aufschluss darüber, ob das Management sein Jahresziel aufrecht erhält, das Ebitda um 10 Prozent zu steigern.

mg/dpa-afx