Dax im Sturzflug Konjunktur-Dämmerung vertreibt Anleger

Angst greift um sich an der Börse: Der Dax fällt im späten Handel wie ein Stein, und auch die US-Börsen bauen nach schwachen Konjunkturdaten ihre Verluste aus. Binnen fünf Handelstagen hat der Dax rund 8 Prozent an Wert verloren. Investoren flüchten in die Krisenwährung Gold.
Händler an der Börse: Investoren auf der Flucht

Händler an der Börse: Investoren auf der Flucht

Foto: Justin Lane/ dpa

Frankfurt am Main - Anleger ziehen die Reißleine: Der Dax (Kurswerte anzeigen) baut im späten Handel seine Verluste deutlich aus und beendet den Xetra-Handel mit einem Minus von 2,3 Prozent bei 6796 Zählern. Das ist der tiefste Stand seit viereinhalb Monaten. Es war der fünfte Verlusttag in Folge.

Noch größer waren die Verluste bei Nebenwerten: Der MDax  erlitt Abschläge von 3,7 Prozent auf 9957 Punkte. Der TecDax  gab 3,5 Prozent auf 787 Punkte ab.

An der New Yorker Börse starteten Dow Jones (Kurswerte anzeigen) und Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) jeweils mit leichten Abschlägen in den Handel, die sie bis 17.30 Uhr auf jeweils 0,8 Prozent ausbauten.

Grund für die neue Verkaufswelle waren erneut enttäuschende US-Konjunkturdaten - die Ausgaben der privaten Haushalte in den USA waren im Juni entgegen den Erwartungen gesunken. Damit wachsen die Sorgen, die USA könnten in eine Rezession zurückfallen.

Die Sorgen um die weltweite Konjunktur sowie die Schuldenkrise in Euroland - die Risikoprämien für Italien und Spanien erreichten am Dienstag ein neues Rekordhoch - werden den Markt auch weiterhin im Griff haben, sagte ein Börsianer. Dass der Kompromiss zur Anhebung der US-Schuldengrenze vom US-Abgeordnetenhaus gebilligt wurde und die USA die Insolvenz damit abgewendet haben, geriet angesichts der Konjunktursorgen in den Hintergrund.

Ausgaben der US-Haushalte gesunken

Auch am Dienstag gab es neue negative Nachrichten für Anleger. In den USA haben sich die Ausgaben und Einnahmen der privaten Haushalte im Juni schwächer entwickelt als erwartet. Die Ausgaben der privaten Haushalte sanken den Angaben zufolge um 0,2 Prozent, während Volkswirte mit einem leichten Zuwachs um 0,1 Prozent gerechnet hatten.

Flucht in Gold und Rohstoffe: Bank von Südkorea kauft 25 Tonnen Gold

Viele Anleger flüchten weiterhin in die Krisenwährung Gold (Kurswerte anzeigen) . Im frühen Nachmittagshandel sprang der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) in der Spitze auf 1641 US-Dollar, so hoch wie nie zuvor. Im Tagesverlauf konnte der Goldpreis um mehr als 20 Dollar zulegen. Auch auf Euro-Basis erreichte der Goldpreis ein neues Rekordhoch bei 1154,56 Euro.

Die Investoren wollen derzeit auf Nummer sicher gehen, hieß es weiter. Der Ansturm auf vermeintliche sichere Anlagen hatte zuvor bereits den Schweizer Franken auf ein neues Rekordhoch zum Euro steigen lassen.

Der Kauf von 25 Tonnen Gold durch die südkoreanische Zentralbank stützte den Preis zusätzlich. Die Koreaner begründeten ihre Einkaufstour mit der Diversifizierung ihrer Währungsreserven, die weniger aus Währungen bestehen soll.

Fresenius trotzt dem Trend - Franken auf dem Weg zur Euro-Parität

Fresenius nach Zahlen gefragt, FMC investiert in den USA

Spitzenwert im Dax waren die Titel von Fresenius (Kurswerte anzeigen), die als einziger Gewinner um 0,36 Prozent auf 72,75 Euro zulegten. Dank guter Geschäfte seiner Generika-und Infusionssparte Kabi hatte der Medizinkonzern von Januar bis Juni mehr als im Vorjahr verdient und seine Ergebnisprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr nach oben geschraubt.

Dagegen büßten die Anteilsscheine der Fresenius-Dialysetochter Fresenius Medical Care (Kurswerte anzeigen) 2,09 Prozent auf 51,64 Euro ein. Hier standen US-Zukäufe stärker im Fokus als die erwartungsgemäßen Zahlen.

Ein überraschend deutlicher Gewinnsprung und ein höherer Ausblick begrenzten bei der Deutschen Post (Kurswerte anzeigen) das Minus: Die Aktien verloren lediglich 0,37 Prozent auf 11,970 Euro.

Die Aktien von BMW (Kurswerte anzeigen) gaben ihre Gewinne erst im späten Handel ab und schlossen 2,57 Prozent tiefer bei 65,97 Euro. Die Zahlen des Münchener Autobauers für das zweite Quartal fanden Lob am Markt.

Autobranche: Kurseinbruch bei Leoni

Generell wurden die Aktien der konjunktursensiblen Auto- und Stahlbranche gemieden: Die Papiere der BMW-Konkurrenten Daimler und Volkswagen  (VW) verloren noch stärker als die der Münchener, und im MDax büßten die Titel des Autozulieferers Leoni (Kurswerte anzeigen) 9,33 Prozent auf 35,365 Euro ein. Auch dessen Rivalen Continental und ElringKlinger erlitten deutliche Kursverluste.

Im Stahlsektor sackten ThyssenKrupp um 5,22 Prozent auf 28,535 Euro ab. Am Dax-Ende verloren Metro 7,52 Prozent auf 34,970 Euro. Die Probleme bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn drückten beim Handelskonzern den Gewinn.

Rohstoffe und Dollar bremsen Wacker Chemie

Höhere Rohstoffkosten und ein schwacher US-Dollar bremsten den Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern Wacker Chemie (Kurswerte anzeigen) aus, dessen Quartalszahlen den Markt enttäuschten. Die Titel sackten als MDax-Schlusslicht um 10,49 Prozent auf 116,45 Euro ab.

Für die Aktien von Gildemeister (Kurswerte anzeigen) ging es um 7,78 Prozent auf 11,800 Euro nach unten. Börsianer begrüßten zwar das unerwartet starke Auftragsplus, monierten zugleich aber, die restlichen Zahlen hätten wenig beeindruckt.

An der TecDax-Spitze ging es für Pfeiffer Vacuum  als einzigem Gewinner um 0,13 Prozent auf 75,10 Euro hoch. Der Spezialpumpen-Hersteller kommt bei der Integration der 2010 übernommenen Adixen gut voran und erfüllte mit seinen Quartalszahlen die Martkterwartungen.

Euro gibt zum Dollar nach - Franken auf dem Weg zur Euro-Parität

Der EuroStoxx 50 sank um 1,66 Prozent auf 2.544,89 Punkte. In Paris und London schlossen die nationalen Indizes ebenfalls schwach. Der New Yorker Dow Jones Industrial zeigte sich zum europäischen Handelsschluss knapp ein Prozent im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere deutlich auf 2,21 (Vortag: 2,37) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,66 Prozent auf 126,99 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,40 Prozent auf 131,70 Punkte.

Der Kurs des Euro sank leicht auf 1,4235 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,4170 (Montag: 1,4415) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7057 (0,6937) Euro gekostet.

Auch gegenüber dem Schweizer Franken hat der Euro erheblich verloren. Im Vormittagshandel fiel der Euro-Kurs zeitweise bis auf 1,0989 Franken. Der Währung der Schweiz stand damit so hoch wie noch nie. Der Franken nimmt damit weiter Kurs auf die Parität zur europäischen Gemeinschaftswährung.

Die Ölpreise sind am Dienstag ebenfalls wegen der schwachen Konjunkturdaten ebenfalls gefallen. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Auslieferung im September verbilligte sich im asiatischen Handel um 39 Cent auf 116,42 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur September-Lieferung fiel um 26 Cent auf 94,63 Dollar.

Euro-Schuldenkrise: Risikoprämien für Italien und Spanien auf Rekordhoch

mg/dpa-afx/rtr
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