Geldanlage Was Fernseher und Solarwerte eint

Die deutsche Solarindustrie ist weltweit führend. Bislang konnten Anleger auf die sonnigen Aussichten der Branche vertrauen, doch nun ziehen dunkle Wolken auf. Der Branche droht das Schicksal deutscher Fernseher-Spezialisten. Daraus sollten Investoren die richtigen Schlüsse ziehen.
Photovoltaik-Kraftwerk in Cottbus: Die deutschen Solarmodul-Hersteller werden von China zerrieben

Photovoltaik-Kraftwerk in Cottbus: Die deutschen Solarmodul-Hersteller werden von China zerrieben

Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ dpa

Solarmodule in der modernen Dünnschicht-Technik seien leicht vereinfacht nichts anderes als ein umgedrehter Fernsehapparat, meinte kürzlich ein führender Unternehmer in der Solarindustrie. Beim Fernsehapparat komme hinten Elektrizität herein und vorne das Bild heraus. Beim Dünnschicht-Solarmodul sei es genau umgekehrt: Sonne falle auf eine Glasscheibe und hinten käme Elektrizität heraus.

Selbst für Nichttechniker ist dieser Ansatz durchaus plausibel, auch wenn die Dinge im Detail noch einiges komplizierter sein sollten. Dies lässt den Blick des Investors sofort auf das Schicksal der Fernsehindustrie in den letzten 40 Jahren seit der Erfindung des Farbfernsehens schweifen. Es gab damals sehr viele große und kleine Hersteller von Fernsehgeräten. Fernsehen war damals das Medium der Zukunft und die Erfindung des Farbfernsehers brachte den Herstellern zusätzlichen Umsatzschub.

Selbst Nokia hat zeitweise Fernsehgeräte hergestellt. Andere Namen waren Telefunken und Nordmende. Im Laufe der Zeit und unter andauernden und teilweise sehr schmerzhaften Restrukturierungen wanderte die ganze Branche aus Europa nach Asien ab. Heute gibt es, soweit wir sehen können in Deutschland, noch zwei kleinere unabhängige Hersteller von Fernsehgeräten. Die anderen sind meist große asiatische Konzerne.

Offensichtliche Parallelen zur deutschen Fernseherproduktion

Nach unserer Meinung könnte Ähnliches auch der Solarindustrie bevorstehen. Zu offensichtlich sind die technischen und kaufmännischen Parallelen. Vornehm ausgedrückt heißt dies Konsolidierung der Industrie, etwas weniger vornehm, dafür aber wahrscheinlich realistischer heißt es, dass die Großen die Kleinen fressen.

Die deutsche Industrie ist hier weltweit führend. Auf Grund der Förderpolitik der Bundesregierung hat Deutschland die höchste installierte Solarkapazität weltweit. Dies bedeutet aber auch, dass der Markt in der nicht allzu fernen Zukunft gesättigt sein dürfte.

Da die Herstellung von Solarmodulen technisch relativ einfach ist, sind vor allem China in kurzer Zeit sehr große Fabriken von Solarmodulen entstanden. Uns wird von einem großen Werk berichtet, dass bis vor zwei Jahren Karosserieteile für Autos aus Aluminium herstellte und dann ohne größere Schwierigkeiten die Produktion auf die wesentlich lukrativeren Solarmodule umstellen konnte.

Teurer deutscher Strom fördert chinesische Arbeitsplätze

Zum raschen Entstehen zusätzlicher großer Kapazitäten in der Fertigung von Solaranlagen kommt der allmähliche Rückgang der Solarförderung in Deutschland. Es kann nach unserer Meinung durchaus der Zeitpunkt kommen, an dem die Stromverbraucher fragen, ob sie wirklich jedes Jahr über 4 Milliarden Euro für das erneuerbare Energiegesetz bezahlen müssen, die überwiegend der deutschen Solarindustrie zugute kommen soll. Dies ist die Theorie. In der Praxis kaufen längst die deutschen Solarunternehmen wesentliche Bestandteile ihres Angebotes in China ein.

Mit dem unserer Meinung nach überteuerten deutschen Strom werden also letztlich hauptsächlich chinesische Arbeitsplätze gefördert. Falls diese Zusammenhänge den ausgenommenen deutschen Stromverbrauchern klar werden, ist mit größerem Widerstand zu rechnen. Zum gleichen Ergebnis kommt der Zwang zum Abbau der Staatsschulden durch Überprüfung, sprich Kürzung, sämtlicher Subventionen.

Solarmodul-Hersteller meiden, Panelmaschinen-Hersteller kaufen

Wer daneben die Erfahrungen aus der früheren Konsolidierung der Fernsehindustrie hält, ist nach unserer Meinung nach gut beraten, sich aus den Aktien der Hersteller von Solarmodulen zu verabschieden. Es gibt langfristig interessantere Branchen, die ohne Staatsgeld auskommen.

Keine Regel ohne Ausnahme: die weltweit technisch führenden Hersteller von Maschinen zur Solarproduktion wie Manz Automation  sowie Meyer-Burger haben auf Grund ihrer technischen Kompetenz und hoher Markteintrittsbarrieren auch als Zulieferer chinesischer und indischer Solarfabriken eine langfristig, nach unserer Meinung, hervorragende Position.

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