Börse Obama versöhnt Anleger zum Wochenschluss

US-Präsident Barack Obama hat die Märkte zum Wochenschluss beruhigt. Republikaner und Demokraten lägen mit ihren Vorschlägen zur Lösung der Schuldenkrise nicht weit auseinander. Der Dax macht daraufhin seine Verluste zum Teil wett, der Dow dreht kurzzeitig ins Plus.
Spannung an der Wall Street: Die Finanzmärkte setzen darauf, dass die US-Politiker die Staatspleite abwenden

Spannung an der Wall Street: Die Finanzmärkte setzen darauf, dass die US-Politiker die Staatspleite abwenden

Foto: MARIO TAMA/ AFP

Frankfurt am Main - Mit zuversichtlichen Äußerungen zu einer baldigen Einigung im US-Schuldenstreit hat US-Präsident Barack Obama am Freitag für einen versöhnlichen Handelsausklang gesorgt. Obama hatte unter anderem betont, die Positionen der beiden zerstrittenen Kongress-Parteien der Demokraten und Republikaner seien nicht allzu weit voneinander entfernt.

Er sei zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde. Ohne Einigung droht den USA am 2. August die Zahlungsunfähigkeit. Der Dax  machte als Reaktion auf die Obama-Rede seine Verluste größtenteils wett und beendete den Xetra-Handel 0,4 Prozent im Minus bei 7159 Punkten. Der EuroStoxx 50  verringerte sein Minus auf 0,7 Prozent. An der Wall Street drehte der Standardwerteindex Dow Jones  sogar kurzzeitig ins Plus.

Einen deutlicheren Kursanstieg verhinderten aber schwache US-Konjunkturdaten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im zweiten Quartal statt der erwarteten 1,8 Prozent lediglich um 1,3 Prozent. Gleichzeitig wurde der Wert für das Vorquartal auf 0,4 von 1,9 Prozent gesenkt.

"Die US-Daten sind ernüchternd ausgefallen", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Die USA habe die Krise offenbar noch nicht überwunden. Sein Kollege Ralf Umlauf verwies zusätzlich auf das magere Plus von 0,1 Prozent bei den Konsumausgaben. Außerdem sei die deutliche Korrektur der BIP-Zahlen für das erste Quartal Besorgnis erregend. "Sie führt die USA an den Rand der Stagnation", fügte er hinzu.

Sorgen um Spanien

Verstärkt wurde die Nervosität der Anleger durch die Ankündigung der Ratingagentur Moody's, die Bonitätseinstufung Spaniens auf den Prüfstand zu stellen. Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero kündigte daraufhin zusätzliche Sparmaßnahmen sowie Neuwahlen an. Auf der Suche nach "sicheren Anlagehäfen" nahmen einige Investoren Kurs auf Bundesanleihen. Gold  kletterte zeitweise auf ein neues Rekordhoch von 1632 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) an.

Ins Rampenlicht rückte unter anderem Metro . Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters räumte der Handelskonzern ein, Finanzchef Olaf Koch habe die Umsatzprognose für 2011 vor Analysten auf null bis 4 von bisher gut 4 Prozent gekappt. Die Aktie rauschte daraufhin bei hohen Umsätzen um bis zu 3,6 Prozent in die Tiefe und schloss 0,3 Prozent schwächer bei 38,53 Euro. "Das war eine böse Überraschung", sagte ein Händler.

Koch hatte am Dienstag in einer Presseerklärung die Gewinnprognose für 2011 bekräftigt, das Umsatzziel aber nicht erwähnt. Ebenfalls Federn lassen mussten die Aktien der Deutschen Börse . Die Umsatzrückgänge des Frankfurter Börsenbetreibers drückten die Aktie 1,6 Prozent ins Minus. Das Gesamtbild sehe ziemlich traurig aus, sagte ein Börsianer. Wenn die Fusion mit Nyse Euronext nicht bevorstünde, würde der Kurs heute wohl noch deutlicher abrutschen, fügte er hinzu.

Im Februar war der Zusammenschluss mit der US-Börse vereinbart worden. Das Vorhaben wird derzeit von mehreren Regulierungsbehörden geprüft. Die Aktien der Nyse Euronext, die am kommenden Dienstag seine Quartalsergebnisse vorlegen will, gaben in Paris 2,4 Prozent nach.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählte Linde  mit einem Kursplus von 3,3 Prozent auf 125 Euro. Die Ergebnisse im zweiten Quartal hätten die Erwartungen übertroffen, lobte Peter Spengler, Analyst der DZ Bank, in einem Marktkommentar. Von April bis Juni stieg das operative Ergebnis um 5,7 Prozent auf 798 Millionen Euro - Analysten hatten im Schnitt mit 782 Millionen gerechnet. Linde-Rivale Air Liquide  notierte 1,2 Prozent fester.

Rei/nis/dpa/rtr
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