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Am Pleiteabgrund: Wie die USA die Weltwirtschaft bedrohen

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Börse Anleger bringen Geld in Sicherheit

Konzerne verdienen prächtig, doch Investoren verlieren angesichts des zähen Politpokers in Washington um die Schuldenobergrenze die Geduld. Der US-Leitindex Dow Jones rutscht den vierten Tag in Folge ab und baut seine Verluste am Abend aus. Der Dax schließt tief im Minus. Gold ist gefragt.

New York / Frankfurt am Main - Die Nervosität der Investoren steigt: An den weltweiten Aktienmärkten hat sich die Talfahrt am Nachmittag beschleunigt. Der Dax  gab bis zum Xetra-Schluss 1,3 Prozent auf 7252 Punkte nach.

An der Wall Street fiel der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) zum Handelsschluss in Deutschland um 0,8 Prozent und baute seine Verluste am Abend weiter aus: Bis 18 Uhr notierte der US-Leitindex 1,1 Prozent schwächer bei 12.385 Punkten, nachdem er schon die drei vorangegangenen Handelstage im Minus geschlossen hatte.

Die Märkte seien unter anderem wegen der festgefahrenen Verhandlungen im US-Schuldenstreit sehr nervös, sagte ein Aktienhändler. Zudem sei der deutsche Aktienmarkt anfällig für Gewinnmitnahmen, nachdem sich der Dax in den vergangenen Tagen relativ robust gezeigt habe.

Schwache US-Konjunkturdaten belasten zusätzlich

Überraschend schlecht ausgefallene US-Konjunkturdaten hatten den Verkaufsdruck am Nachmittag erhöht. Der US-Auftragseingang für langlebige Güter sank im Juni um 2,1 Prozent - Analysten hatten mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. "Die Auftragseingänge sind zwar in der Regel schwankungsanfällig, der unerwartete Rückgang könnte aber die Furcht schüren, dass die Konjunktur nicht schnell aus dem Tal herausfinden wird", sagte ein Börsianer.

Mittlerweile befürchtet zudem eine wachsende Zahl von Experten, dass die USA ihre Top-Bonität verlieren werden, selbst wenn sich die Politiker doch noch auf eine Anhebung der Schuldengrenze einigen sollten. "Daher bleibt der Markt nervös und die Unsicherheit um die USA überschattet die guten Zahlen der laufenden Berichtssaison."

Dow sackt ab - trotz guter Zahlen der US-Konzerne

Der Dow Jones  setzte am Mittwoch seine Talfahrt fort, nachdem er bereits an den drei vorangegangenen Handelstagen ein Minus eingefahren hatte. An der Nasdaq, wo sich am Vortag die Kurse nach starken Unternehmenszahlen aus dem Technologiesektor noch vergleichsweise freundlich entwickelt hatten, büßte der Nasdaq 100 ebenfalls deutlich ein.

Gute Nachrichten von Konzernen wie Boeing (Kurswerte anzeigen) konnten die Stimmung nicht aufhellen. Im Wettstreit mit dem Rivalen Airbus hat der Flugzeugbauer Boeing ein überraschend starkes zweites Quartal hingelegt und seine Gewinnprognose für das laufende Jahr erhöht.

Gutes zu vermelden gab es auch vom Chemiekonzern Dow Chemical . Der Konkurrent von BASF  war auch im zweiten Quartal klar auf Wachstumskurs geblieben und hatte beim Umsatz ebenfalls die Analystenerwartungen übertroffen.

Die Aktien von Amazon (Kurswerte anzeigen) schnellten gar um 5,65 Prozent auf 226,17 Dollar nach oben, nachdem der Online-Händler am Vorabend nach Börsenschluss ein Umsatzplus von 51 Prozent vermeldet hatte.

Gold erreicht neues Rekordhoch von 1625 Dollar je Unze

Der Goldpreis ist am Mittwoch wegen der Sorge der Anleger vor einer Eskalation der Schuldenkrise in den USA auf ein neues Rekordhoch gesprungen. In der Spitze stieg der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) bis auf 1.625,24 Dollar. Im weiteren Handel ist der Goldpreis wieder leicht zurückgefallen auf zuletzt 1.622,55 Dollar.

Prognose erhöht: SAP stemmt sich gegen Abwärtstrend im Dax

Die Aktien von SAP (Kurswerte anzeigen) stemmten sich gegen den Abwärtstrend im Dax. Sie stiegen an der Dax-Spitze um 1,21 Prozent auf 44,015 Euro. Der Softwarekonzern hatte bereits am Vorabend mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal und einem leicht angehobenen Ausblick positiv überrascht. Laut UBS-Analyst Michael Briest schafft dies Vertrauen für das zweite Halbjahr.

Ferner hob Daimler (Kurswerte anzeigen) nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal seine Prognose an. Allerdings sei das am Markt erwartet worden, so dass der positive Effekt nur begrenzt sei, hieß es von Händlerseite. Aktien von Daimler gaben daher um 1,51 Prozent auf 51,03 Euro nach. Begründet wurde dies aber auch mit einem insgesamt schwachen Autosektor, nachdem Peugeot  die Gewinnprognose für das zweite Halbjahr seiner Autosparte reduziert hatte.

Negative Reaktionen ernteten auch die Papiere von Merck KGaA (Kurswerte anzeigen), nachdem der vor einer umfassenden Neuordnung seiner Pharmasparte stehende Dax-Konzern rote Zahlen vermeldet und seine Gewinnschätzung deutlich gestutzt hatte. Die Aktien sackten am Dax-Ende um 4,81 Prozent auf 73,76 Euro ab.

Finanztitel unter Druck, Commerzbank bricht ein

Unter Druck kam auch der Bankensektor, nachdem Goldman Sachs den europäischen Bankensektor abgestuft hatte. Commerzbank (Kurswerte anzeigen) fielen um 4,05 Prozent auf 2,559 Euro und Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) gaben um 1,62 Prozent nach.

Aus dem MDax präsentierten Unternehmen wie Praktiker  , Krones  , Vossloh  und Puma  ihre jüngsten Zahlen. Praktiker war im saisonal besonders wichtigen zweiten Quartal tief in die Verlustzone gerutscht, worauf die jüngst schon abgestraften Papiere am Indexende um weitere 16,75 Prozent auf 2,40 Euro einbrachen.

Das Minus von 8 Prozent bei Krones  wurde am Markt derweil mit Gewinnmitnahmen begründet. Aus dem TecDax gab es nach einer angehobenen Prognose dagegen kräftige Gewinne bei den 6,17 Prozent festeren Kontron-Titeln.

Euro trotz US-Schuldenkrise schwächer

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,48 (Vortag: 2,53) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 125,13 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,76 Prozent auf 129,31 Punkte.

Der Kurs des Euro zum Dollar  fiel: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4446 (Dienstag: 1,4471) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6922 (0,6910) Euro.

Am Pleiteabgrund: Wie die USA die Weltwirtschaft bedroht

mg/dpa-afx
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