Quartalsverlust Merck stutzt sein Gewinnziel

Nach einem Verlust im zweiten Quartal verstimmt der Pharmakonzern Merck Anleger mit einer Gewinnwarnung. Hohe Wertberichtigungen im Zuge der Übernahme des US-Laborausrüsters Millipore belasten. "Wenn man einen Konzern neu ausrichtet, können auch weitere Belastungen nicht ausgeschlossen werden", sagt Finanzvorstand Matthias Zachert.
Skeptischer Blick: Der Pharmakonzern Merck hat unerwartete Kosten und muss seine Jahresprognose kassieren

Skeptischer Blick: Der Pharmakonzern Merck hat unerwartete Kosten und muss seine Jahresprognose kassieren

Foto: DPA/ Merck

Frankfurt am Main - Bittere Pille für Merck: Der Pharma- und Chemiekonzern stürzt tief in die roten Zahlen und muss seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr kräftig zurechtstutzen.

Hohe Wertberichtigungen und Integrationskosten im Zuge der Übernahme des US-Laborausrüsters Millipore schmälerten das Ergebnis im zweiten Quartal. Dazu kamen Rückstellungen wegen des Entwicklungsstopps beim einstigen Pharma-Hoffnungsträger Cladribin gegen Multiple Sklerose, wie das Darmstädter Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

An der Börse wurde Merck  deshalb abgestraft: Mit einem Kurseinbruch von 5,4 Prozent auf 73,30 Euro war die Merck-Aktie das Schlusslicht im Dax  .

Für das Gesamtjahr erwartet Konzernchef Karl-Ludwig Kley jetzt nur noch ein operatives Ergebnis von rund einer Milliarde Euro nach 1,11 Milliarden vor Jahresfrist. Noch im April hatte er einen kräftigen Anstieg von 35 bis 45 Prozent in Aussicht gestellt. Beim Konzernumsatz rechnet er für das laufende Jahr mit einer Steigerung auf zehn bis 10,4 Milliarden Euro nach 9,29 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Kley: "Reihe von Einmaleffekten"

"Eine Reihe von Einmaleffekten beeinträchtigt zwar unser Ergebnis im zweiten Quartal, sie gibt uns aber eine gesunde Basis, auf der die neu zusammengesetzte Geschäftsleitung aufbauen kann", erklärte Kley. Nach herben Rückschlägen im Pharmageschäft soll seit Januar der vom US-Konzern Merck & Co kommende Manager Stefan Oschmann das Arzneimittelgeschäft wieder auf Kurs bringen.

Vor allem in der Medikamentenentwicklung will Merck wieder mehr Schlagkraft gewinnen. Kley plant nun weitere Umbaumaßnahmen. Bei der Qualität der Pharma-Pipeline und bei der Effizienz bestehe Nachholbedarf, erklärte der Merck-Chef. "Wir werden deshalb unsere Prozesse verschlanken und die Kostenstruktur überprüfen." Einzelheiten nannte er nicht.

Weitere Belastungen können folgen

Kley bestätigte zudem Spekulationen, dass mit Baden-Württembergs früherem Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) über eine Position bei Merck gesprochen werde. Insgesamt brachte Merck Einmalbelastungen von 368 Millionen Euro in der Quartalsbilanz unter. Allein 161 Millionen Euro schrieb Merck im Zusammenhang mit Überkapazitäten in seiner Biotech-Produktion in der Schweiz ab. Dazu kam eine Rückstellung von 20 Millionen Euro für den Entwicklungsstopp der Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin.

Der Abbruch eines anderen Entwicklungsprojekts schlug mit 35 Millionen Euro zu Buche. Mehr kann nach den Worten des neuen Finanzchefs Matthias Zachert noch folgen. "Wenn man einen Konzern neu ausrichtet, können auch weitere Belastungen nicht ausgeschlossen werden", sagte Zachert, der vom Chemiekonzern Lanxess zu Merck stieß.

Rote Zahlen auch im operativen Geschäft

Merck wies für das zweite Quartal einen operativen Verlust von 11,4 Millionen Euro aus nach einem operativen Gewinn von 326,2 Millionen Euro im Vorjahr. Nach Steuern blieb ein Minus von 84 Millionen Euro hängen nach einem Überschuss von 187 Millionen Euro vor Jahresfrist. Konzerchef Kley zeigte sich mit der Entwicklung dennoch alles in allem zufrieden. "Das Geschäft lief insgesamt ordentlich", sagte der Manager.

Der Umsatz stieg im Zeitraum April bis Juni binnen Jahresfrist um 16 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Bei Analysten kam das Zahlenwerk allerdings nicht gut an. "Die Zahlen und der gesenkte Ausblick sind auf den ersten Blick desaströs", kommentierte Martin Possienke vom Brokerhaus Equinet. Vielleicht habe das neue Management für Luft nach oben sorgen wollen. Die Ergebnisse enttäuschten auf der ganzen Linie, schrieb auch Thorsten Strauß von der NordLB. Hohe Belastungen durch Einmaleffekte könnten nur bedingt als Erklärung angeführt werden.

Marge im Geschäft mit Flüssigkristallen verfehlt

Negativ überraschte vor allem das Flüssigkristallgeschäft, dessen operative Marge im Quartal auf 34,3 Prozent von 52,7 Prozent vor einem Jahr einbrach. Merck ist Weltmarktführer bei den Kristallen die in Smartphones, Tablet-Computern und Flachbild-Fernsehern zum Einsatz kommen. Der Konzern bekam hier unter anderem eine flaue Nachfrage nach TV-Geräten zu spüren und erwartet auch im dritten Quartal einen eher schwächeren Markt.

Mit einer leichten Marktbelebung rechnet Merck dann im vierten Quartal. In der Pharmasparte lief es beim Krebsmittel Erbitux nicht rund, wofür insbesondere das Japan-Geschäft verantwortlich war. Die Umsätze mit dem Präparat sanken im Quartal um drei Prozent.

rei/reuters
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