Dienstag, 10. Dezember 2019

Wieder Gewinne BP-Investoren zeigen sich unzufrieden

BP-Chef Bob Dudley: Rossneft-Partnerschaft will nicht gedeihen und die Anleger sind unzufrieden mit der Kursentwicklung

Der britische Ölriese BP hat sich nach dem Desaster im Golf von Mexiko wieder berappelt - allerdings langsamer, als Analysten erwartet hatten. Der Gewinn im zweiten Quartal enttäuscht die Anleger an der Börse. Manche Investoren fordern gar eine Aufspaltung des Konzerns.

London - Der britische Energieriese BP hat im zweiten Quartal 2011 seine Anleger enttäuscht. Der ausgewiesene Gewinn zu vergleichbaren Preisen von 5,3 Milliarden US-Dollar (3,66 Milliarden Euro) blieb unter den Erwartungen der Börse. Analysten hatten mit sechs Milliarden gerechnet. Die BP-Aktien fielen in London um zwei Prozent. Um Einmalkosten bereinigt, lag der Gewinn bei 5,6 Milliarden Dollar.

Im vergangenen Jahr stand bei BP zum gleichen Zeitpunkt noch ein Verlust von 16,9 Milliarden Dollar in den Büchern. Im April 2010 war die Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko explodiert und gesunken. Das Unglück kostete elf Menschen das Leben und riss ein Milliardenloch in die BP-Kassen. Bisher wurden nach Angaben des Konzerns 8,6 Milliarden Dollar an Entschädigungszahlungen geleistet. Die Küsten seien inzwischen im wesentlichen gesäubert, genauso wie der Großteil der betroffenen Schiffe und Plattformen.

Die neue BP-Führung unter Vorstandschef Bob Dudley beschloss daraufhin, sich von Unternehmensteilen im Wert von 30 Milliarden US-Dollar zu trennen. Verkäufe im Wert von 25 Milliarden Dollar würden bis Ende 2011 realisiert. Firmenanteile etwa in den USA, Argentinien, Ägypten, Venezuela, Vietnam und Kolumbien wurden losgeschlagen. Bis Ende 2012 sollen zwei große Raffinerien in den USA verkauft sein.

Produktion rutschte um 11 Prozent ab

Die BP-Produktion im zweiten Quartal fiel deswegen und wegen des teilweisen Stillstandes im Golf von Mexiko um 11 Prozent auf 3,43 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag. Der Effekt sei durch hohe Ölpreise und Geschäfte in Gegenden mit hoher Gewinnmarge teilweise wieder ausgeglichen worden, sagte Dudley am Dienstag.

"Wir erwarten, dass der Schwung unseres Erholungsprozesses sich erst in den Jahren 2012 und 2013 auswirkt", sagte Dudley. Neue Projekte in gewinnträchtigen Regionen gingen ans Netz. Aber auch die Arbeiten im Golf von Mexiko sollen fortgesetzt werden.

Dudley steht allerdings seit Monaten unter Druck, weil ein geplanter Milliardendeal mit dem russischen Staatskonzern Rosneft zur Öl- und Gasförderungen im russischen Polarmeer auf Eis liegt. Das Investorenkonsortium AAR, mit dem zusammen BP russische Festland-Förderung unter dem Dach des Unternehmens TNK-BP betreibt, blockiert das gewinnträchtige Geschäft.

Welche Strategie hat BP?

Viele Anleger sind mit der Aktienkursentwicklung von BP unzufrieden. Trotz der Anstrengungen der Briten, die Ölkatastrophe ad acta zu legen, hat sich der Kurs im abgelaufenen Dreivierteljahr kaum verbessert. Einige Analysten, Banker und Investoren denken mittlerweile laut darüber nach, ob es für BP nicht das Beste wäre, den Konzern aufzuspalten, um die Bewertung wieder zu verbessern.

Die US-Rivalen ConocoPhillips Börsen-Chart zeigen, Marathon Oil und Murphy Oil trennen beispielsweise Raffinerie und Verkauf voneinander. BP plant dies bisher nicht.

"Andere Firmen haben ihre Strategien in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten klar überarbeitet. ExxonMobil baut weiter sein Shale-Gas-Geschäft in den USA auf, und Shell konzentriert sich auf Mega-Gas-Projekte. Aber was macht BP?", kritisierte Dougie Youngson von Arbuthnot. Von Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen und Royal Dutch Shell Börsen-Chart zeigen werden für das Quartal Gewinnsprünge von rund 50 Prozent erwartet. Beide Firmen legen am Donnerstag ihre Zahlen vor.

rei/dpa/reuters

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