Börse Dax legt trotz Schuldenstreits zu

Anleger halten das traurige Schauspiel, das sich derzeit in Washington abspielt, offenbar für Theaterdonner. Sie wetten auf eine Einigung in letzter Minute. Der Dax schließt mit Gewinnen, und auch an der Wall Street herrscht trotz der dramatischen Lage im Schuldenstreit Gelassenheit vor.
Börse in Frankfurt: Die Aktie von BMW erreichte am Montag ein Rekordhoch

Börse in Frankfurt: Die Aktie von BMW erreichte am Montag ein Rekordhoch

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax  ist am Montag mit leichten Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Ein Händler zeigte sich beeindruckt davon, wie gut sich der Markt angesichts des eskalierenden Schuldenstreits in den USA halte. Der deutsche Leitindex schloss 0,25 Prozent höher bei 7344 Punkten und baute seine jüngste Gewinnserie damit auf mittlerweile fünf Handelstage in Folge aus.

Der MDax  konnte 0,25 Prozent auf 10.914 Punkte zulegen, und der TecDax ging mit einem Plus von 0,13 Prozent bei 849 Punkten über die Ziellinie.

"Es gibt zwei Dinge, auf die die Menschen derzeit warten: Das eine ist der Sommer und das andere ist eine Lösung des US-Schuldenstreits", kommentierten die Experten von Close Brothers Seydler die Marktlage. Den USA laufe die Zeit davon. Eine mögliche Zahlungsunfähigkeit sei ein unvorstellbares Szenario für die Märkte, daher bleibe die Nervosität hoch.

Offenbar hoffen Anleger weiterhin auf eine Einigung im US-Schuldenstreit in letzter Minute, sprich auf einen Kompromissvorschlag noch heute Abend. Bis Montagabend (Ortszeit) muss das Abgeordnetenhaus mit seinen Beratungen beginnen, damit bis zum 2. August ein Gesetz über die Anhebung der Schuldenobergrenze im Kongress verabschiedet werden kann.

An der Wall Street notierten die Indizes nur etwas schwächer: Der US-Leitindex Dow Jones  notierte nach knapp 2 Stunden Handel um 0,3 Prozent schwächer, während der Nasdaq Composite  um .

Gerüchte treiben BMW an die Dax-Spitze - auch Leoni gefragt

Zu den größten Gewinnern im Dax zählte am Montag die Aktie von BMW. Die Aktien stiegen um mehr als 2 Prozent auf ein Rekordhoch von 73,55 Euro.

Die Quandt-Familie hat unterdessen Marktgerüchte über eine Anteilsaufstockung beim Münchener Autobauer dementiert. Derartige Marktspekulationen seien "absoluter Quatsch", sagte ein Sprecher am Montag. "Die Beteiligungsposition der Familie ist unverändert", fügte er hinzu.

Die Analysten von JP Morgan hatten für BMW das Kursziel erhöht und verwiesen auf eine erhöhte Absatzschätzung. Positiv habe laut Händlern aber auch ein angehobener Ausblick des Autozulieferers Leoni  gewirkt, den Börsianer mit einer höheren Produktion von Großkunden wie BMW oder Daimler begründeten. Die Leoni-Titel katapultierte dies mit einem Plus von 5,47 Prozent auf 42,215 Euro an die MDax-Spitze.

Finanzwerte mit Verlusten - Gewinnmitnahmen bei Commerzbank

Besonders deutlich belastete diese Unsicherheit die Finanztitel zum Wochenstart. Die Aktien der Commerzbank , die in der Vorwoche stark zugelegt hatten, gaben rund 4 Prozent ab und auch für die Papiere der Deutschen Bank ging es einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen nach unten. Ferner gaben die Titel der Aareal Bank  im MDax um 3,47 Prozent nach.

Ein Kursplus ernteten auch die Anteilsscheine von Bayer, die sich angesichts positiver Studiendaten zum Schlaganfallmittel Xarelto um 1,27 Prozent auf 57,35 Euro verteuerten.

Nebenwerte: Dialog nach Zahlen gefragt

Im TecDax gehörten die Papiere von Dialog Semiconductor mit plus 4,23 Prozent auf 14,645 Euro zu den Favoriten. Der Schaltkreishersteller hatte zuvor Quartalszahlen vorgelegt. Ein Analyst sprach von "hervorragenden Zahlen", die seine Erwartungen sowohl bei Umsatz als auch operativem Gewinn deutlich übertroffen hätten. Nordex profitierten mit plus 1,22 Prozent von einem Großauftrag aus Schottland.

Rex steigt, Euro schwächer

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,58 (Freitag: 2,68) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,51 Prozent auf 124,80 Punkte. Der Bund Future kletterte um 0,41 Prozent auf 128,21 Punkte.

Der Kurs des Euro fiel: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4380 (Freitag: 1,4391) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6954 (0,6949) Euro.

Gold gefragt, Ölpreise sinken: Sorgen um US-Pleite

Die Ölpreise sind am Montag mit der wachsenden Sorge der Investoren vor einer Zahlungsunfähigkeit der USA gesunken. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September verbilligte sich im asiatischen Handel um 95 Cent auf 117,72 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur September-Lieferung sank um 1,00 Dollar auf 98,87 Dollar.

An den Rohstoffmärkten wachse die Sorge vor einer Staatspleite in den USA und Kursturbulenzen an den internationalen Finanzmärkten, hieß es von Händlern. Der Goldpreis erreichte unterdessen sein fünftes Rekordhoch innerhalb von 10 Handelstagen.

la/dpa-afx/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.