Börsenvorschau Die Wall Street blickt in den Abgrund

Die Zeit wird immer knapper im Kampf gegen die US-Schuldenkrise. Bereits für die Nacht zum Montag erwarten Investoren eine Lösung, damit die USA nicht zahlungsunfähig werden. Scheitern die Gespräche zwischen Demokraten und Republikanern erneut, liegen die Nerven endgültig blank.
Greifbare Unsicherheit: In den kommenden Tagen entscheidet sich, ob die Ratingagenturen die Bewertung für die USA herabstufen

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New York - Vom Ausspannen im Urlaub können viele US-Anleger in der kommenden Woche voraussichtlich nur träumen. Der erbitterte US-Schuldenstreit sowie die Ungewissheit über Konjunktur und Konzernbilanzen dürften an der Wall Street weiter für Aufregung sorgen. Wenn sich der Juli dem Ende neigt, werden die US-Börsen nach einer rasanten Berg- und Talfahrt wohl die schlechtesten drei Monate seit einem Jahr beenden und erschöpfte Händler noch immer kritisch in die Zukunft blicken.

"Ich brauche wirklich Ferien", sagte ein Fondsmanager auf dem Weg in den Karibik-Urlaub. "Nach all den Ereignissen der vergangenen drei Monate bin ich ziemlich fertig." Doch wie seine Kollegen dürfte er selbst am Strand mehr sein Handy als ein Cocktailglas in der Hand halten, denn mit Ruhe ist vorerst nicht zu rechnen.

Immerhin hat zwar Europas Einigung auf neue Griechenland-Hilfen den Anlegern in Übersee eine gewisse Atempause gebracht - aber auch mehr Freiraum, sich über die heimische Schuldenkrise Gedanken zu machen. Und hier standen mit dem abrupten Abbruch der Verhandlungen am Freitag die Zeichen zunächst keineswegs auf Versöhnung.

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Sollte auch am Sonntag keine Lösung gefunden werden, wird die drohende US-Pleite in der kommenden Woche am Aktienmarkt zunehmend für Nervosität sorgen. Optimisten sehen es aber genau umgekehrt: Eine Schuldeneinigung in welcher Form auch immer werde erleichterte Anleger wahrscheinlich in Kaufstimmung bringen, sagte Glenn Starmann von Dahlman Rose in New York. "Nach ziemlich guten Bilanzen und einer Art Lösung der Griechenland-Krise hat das das Zeug für eine Marktrally."

Doch die auf Hochtouren laufende Berichtssaison kann ihrerseits noch böse Überraschungen bereithalten. Obwohl die Ergebnisse bisher generell gut waren, haben Größen wie der Baumaschinenhersteller Caterpillar  ihre Ziele verfehlt und dem Markt einen gehörigen Schrecken eingejagt. Auch große Verbrauchermarken wie der Hausgeräteproduzent Whirlpool und der Getränkekonzern Pepsi  drückten mit ihren Warnungen auf die Stimmung, dass das Geschäft in den Industriestaaten lahmt.

"Der Markt ist noch in großem Maße skeptisch", resümierte MF-Global-Analyst Nick Kalivas. Morgan-Stanley-Aktienstratege Adam Parker sagte voraus, dass Unternehmen auf dem Parkett auch weiterhin stärker für verfehlte Ziele bestraft als für übertroffene Prognosen belohnt werden.

US-Krise löst Griechenland als Angstmacher in Deutschland ab

In der kommenden Woche stehen neben anderen Schwergewichten Zahlen des Chipherstellers Texas Instruments  Instrument am Montag sowie des als Konjunkturbarometer gehandelten Lieferdienstes UPS  und des Onlinehandelsriesen Amazon  am Dienstag an. Auch der Konjunkturkalender ist prall gefüllt, so unter anderem mit einem ersten Einblick in das Verbrauchervertrauen am Dienstag sowie frühen Schätzungen zur US-Wirtschaftsleistung vom zweiten Quartal am Freitag.

In Deutschland könnte das jüngste Rettungspaket für Griechenland Experten zufolge auch noch in der neuen Woche für positive Stimmung am Aktienmarkt sorgen. "Das bringt zunächst Entspannung", sagte Wertpapierstratege Matthias Thiel von der Bank MM Warburg. Viele Anleger seien erleichtert, dass überhaupt eine konstruktive Einigung erzielt worden sei.

Der Schwung dürfte aber nicht ausreichen, um die Börse die ganze Woche zu beflügeln - dafür gebe es zu viele andere Probleme, die bislang von der Griechenland-Krise verdrängten worden seien. "Vor allem der US-Schuldenstreit dürfte wieder in den Fokus geraten", erläuterte Thiel.

Nachfolgedebatte um Ackermann geht weiter

Zudem haben einige unerwartet schlecht ausgefallene Konjunkturindikatoren Zweifel am deutschen Wirtschaftsboom geweckt. Der Dax  wird nach Einschätzung der Landesbank Berlin deshalb in den nächsten Wochen zwischen 7000 und 7600 Punkten pendeln. Bis Freitagmittag hat der deutsche Leitindex auf Wochensicht 1,3 Prozent gewonnen.

Die Saison der Quartalsberichte erlebt in der neuen Woche ihren ersten Höhepunkt. Herausragen dürfte die Bilanz der Deutschen Bank  am Dienstag, wo die Anleger neben der Geschäftsentwicklung vor allem die Aufsichtsratsitzung im Blick haben dürften. Dort könnten die Weichen für die Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann gestellt werden.

Auch die Schweizer UBS  berichtet am Dienstag über ihr zweites Quartal. Am Donnerstag folgt die Credit Suisse .

Am Mittwoch präsentieren aus der ersten deutschen Börsenliga Merck  und SAP  ihr Zahlenwerk. Großkampftag für die Börsianer ist am Donnerstag, wenn aus dem Dax die Ergebnisse von BASF , Bayer , Deutscher Börse , Infineon , Lufthansa , MAN , Siemens  und Volkswagen  auf die Anleger prasseln. Auch aus dem Ausland präsentieren an dem Tag zahlreiche Unternehmen ihre Bilanzen, darunter Astrazeneca , Sanofi-Aventis  Aventis, DuPont und Alcatel-Lucent  Lucent. Am Freitag folgen im Dax noch Linde  und HeidelbergCement .

nis/rtr
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