Börse Gipfel-Deal treibt den Dax an

Die sich abzeichnende Einigung beim Euro-Gipfel in Brüssel hat die Anleger am Aktienmarkt durchatmen lassen. Der Dax schließt im Plus. Die Commerzbank legt um knapp 10 Prozent zu.
Lösung im Dunkeln: Am Finanzmarkt sorgt die Nachricht von einer deutsch-französischen Einigung für Erleichterung - doch der Inhalt der Einigung blieb zunächst geheim

Lösung im Dunkeln: Am Finanzmarkt sorgt die Nachricht von einer deutsch-französischen Einigung für Erleichterung - doch der Inhalt der Einigung blieb zunächst geheim

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Frankfurt am Main - Der Dax  drehte am Donnerstagnachmittag nach Veröffentlichung eines Entwurfs für das Schlusskommunique ins Plus und schloss ein Prozent fester bei 7290,14 Zählern. Der EuroStoxx50 gewann 2,2 Prozent auf 2764 Punkte.

An den US-Börsen legten die Indizes ebenfalls zu. Dort sorgte neben den Nachrichten aus Brüssel auch die Quartalsbilanz von Morgan Stanley und der überraschend positiv ausgefallene Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia für gute Stimmung.

Umschuldung Griechenlands ist kein Tabu mehr

EU-Vertretern zufolge ist eine Umschuldung Griechenlands kein Tabu mehr. Auch die EZB soll ihren Widerstand dagegen aufgegeben haben.

Die Instrumente des Euro-Rettungsfonds EFSF sollen einem Entwurf zufolge erheblich erweitert werden - dagegen sperrte sich bisher die Bundesregierung. Zudem ist eine Verlängerung der Laufzeiten für EFSF-Kredite von 7,5 Jahren auf mindestens 15 Jahre geplant. Der Zins für die staatlichen Hilfskredite soll von zuletzt 4,5 auf 3,5 Prozent sinken.

Commerzbank und Deutsche Bank sehr fest

"Für die Banken in den Peripherieländern ist das ein gutes Ergebnis, denn sie können sich nun weiter für 3,5 Prozent verschulden", sagte ein Händler in Frankfurt.

Deshalb seien die Aktien griechischer Banken auch so durch die Decke gegangen - der Bankenindex des Landes schloss 7,7 Prozent im Plus. Im Dax gewannen Commerzbank  mit einem Aufschlag von 9,6 Prozent auf 2,75 Euro am deutlichsten, gefolgt von der Deutschen Bank  Bank, die um 3,1 Prozent stiegen. Der europäische Bankenindex kletterte um 4,1 Prozent nach oben.

Allerdings gäbe es für die deutschen Banken gar nicht so viel Positives in dem Entwurf zu entdecken, sagte der Börsianer. "Es wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen, wie die Märkte das wirklich bewerten, im Moment wird einfach nur die Einigung gefeiert. Auch, wie das alles finanziert wird, muss noch geklärt werden." Der Privatsektor will sich einem Dokument des Internationalen Bankenverbandes (IIF) zufolge mit 17 Milliarden Euro an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland beteiligen.

Intel belastet Technologiewerte

Nach der Senkung der Prognose im PC-Bereich durch Intel machten die Anleger um Infineon und zunächst auch um SAP einen Bogen. "Wer keine PCs kauft, kauft auch keine Chips oder Software", kommentierte ein Händler. Infineon verloren 1,2 Prozent auf 7,12 Euro, SAP bis zu 1,8 Prozent, drehten dann aber ins Plus und beendeten den Handel 0,8 Prozent fester. In New York notierten die Papiere von Intel  1,4 Prozent niedriger.

Scania belastet Volkswagen

Scania verdarb den Auto-Aktionären mit der Verfehlung der Prognosen die Laune. Die Aktien der VW-Tochter brachen in Stockholm um 4,5 Prozent ein und zogen auch die Titel der Mutter ins Minus, die mit einem Abschlag von 3,5 Prozent auf 145,10 Euro als schwächster Dax-Wert schlossen. MAN, die VW in eine Allianz mit Scania einbringen wollen, verloren 1,5 Prozent.

Auch Daimler gerieten in den Sog und gaben 0,4 Prozent ab. In Stockholm sorgte aber nicht nur Scania für lange Gesichter: Ericsson verfehlte mit seinem Ergebnis ebenfalls die Prognosen der Analysten. Die Quittung der Anleger war ein Kurseinbruch von 9,7 Prozent für den Netzwerkausrüster.

Nokia nach Quartalszahlen sehr fest

Nach der Vorlage eines Quartalsgewinns über den Erwartungen schossen Nokia um bis zu 7,8 Prozent in die Höhe. Nach einem sehr volatilen Handel schlossen die Titel 2,5 Prozent im Plus bei 4,18 Euro, nachdem sie vor der Veröffentlichung der Ergebnisse bis zu 4,9 Prozent verloren hatten. "Es gibt einen Hoffnungsschimmer in einem insgesamt sehr düsteren Bild", sagte Angus Campbell, Chefhändler bei Capital Spreads.

Der Kurs der Nokia-Aktien hat sich seit Februar halbiert, nachdem das Unternehmen seine Zusammenarbeit mit Microsoft angekündigt hatte. Der europäische Technologie-Index gab 0,8 Prozent nach.

ak/rtr/dpa-afx/reuters
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