Börse Finanztitel legen deutlich zu

Hoffnungen auf Fortschritte beim EU-Schuldengipfel stützen die Aktien von Finanzkonzernen. Commerzbank und Deutsche Bank führen den Dax an. Dennoch bleibt die Nervosität hoch. Im MDax haussieren Aktien von Praktiker nach dem Rücktritt des Vorstandschefs.
Börse in Frankfurt: Die Nervosität bleibt hoch

Börse in Frankfurt: Die Nervosität bleibt hoch

Foto: MICHAEL PROBST/ ASSOCIATED PRESS

Frankfurt am Main - Vor allem die Finanzwerte haben am Mittwoch dem Dax  zu einem mäßigen Plus verholfen. Nach zwei verlustreichen Tagen zogen Titel wie Deutsche Bank , Commerzbank  und Allianz  kräftig an.

Zunächst hatte der Aktienmarkt von guten Apple-Zahlen profitiert, später dämpfte die Sorge vor der Schuldenkrise aber die anfängliche Euphorie.

Der Dax  beendete den Handelstag mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 7221 Punkte. Der MDax (Kurswerte anzeigen) 1,3 Prozent auf 10.771 Zähler. Der TecDax  schloss mit einem Zuwachs um 0,2 Prozent auf 840 Punkte.

Nervosität an der Wall Street

Die Wall Street startete verhalten. Gesucht waren Technologie- und Finanzwerte, unterdurchschnittlich entwickelten sich Auto- und Pharmatitel. Schwache Zahlen vom US-Immobilienmarkt dämpften das Sentiment.

Gegen 17.35 Uhr (MESZ) stand der Dow Jones  mit einem Minus von 8 Punkten bei 13.579 Zählern. Der Nasdaq Composite  verlor 0,2 Prozent auf 2.821 Punkte.

Commerzbank starten Erholungsversuch

An die Spitze des Dax setzten sich Commerzbank  , die 6,3 Prozent auf 2,51 Euro gewannen. Deutsche Bank folgten mit einem Plus von 3,4 Prozent auf 37,68 Euro. Münchner Rück legten 2,4 Prozent zu auf 104,10 Euro.

Anleger hoffen darauf, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs am Donnerstag Fortschritte bei der Griechenland-Hilfe erzielen und die Belastungen der Banken sich in Grenzen halten.

Keinen Einfluss hatte, dass der Finanzstabilitätsrat (FSB) nun beschlossen hat, dass weltweit 28 systemrelevante Banken künftig mehr Kapital vorweisen müssen als andere Institute. Der Beschluss war bereits erwartet worden.

Gewinnmitnahmen bei Infineon

Infineon fanden sich mit einem Minus von 3,2 Prozent auf 7,21 Euro am unteren Ende des Index wieder. BASF verloren 1,2 Prozent auf 66,20 Euro. K+S gaben 1,1 Prozent ab auf 55,14 Euro.

Ein Händler verwies auf schlechte Nachrichten des taiwanischen Herstellers Nanya, der über fallende Preise für DRAM-Speicherchips berichtete. Dies drücke die Stimmung in der Branche, sagte der Händler. Zudem seien die Kursrückgänge bei den Autowerten belastend für die Aktie des Infineon-Konzerns, der sein Geschäft mittlerweile auf die Autoindustrie fokussiert hat.

Praktiker-Aktie profitiert von Abgang des Chefs

Im MDax sprangen die Aktien von Praktiker (Kurswerte anzeigen) nach der bekannt gewordenen Amtsniederlegung von Vorstandschef Wolfgang Werner an der Index-Spitze um 6 Prozent. "Das hilft der Stimmung für die Aktie nach der deutlichen Gewinnwarnung zum Monatsanfang", kommentierte ein Börsianer. Seitdem hatten die Titel in der Spitze mehr als die Hälfte ihres Werts eingebüßt.

Die Aktien von Phoenix Solar fielen um 7 Prozent an das TecDax-Ende. Ein Börsianer führte dies auf Aussagen von Unternehmenschef Andreas Hänel zurück. Dieser hatte bei einer Presseveranstaltung gesagt, dass Phoenix Solar "auf der Ebit-Seite mit Herausforderungen zu kämpfen" habe. Nichtsdestotrotz werde hart daran gearbeitet, im Gesamtjahr einen Gewinn zu erzielen. Einige Anleger interpretierten dies als eine Art Gewinnwarnung, sagte der Börsianer.

Euro legt vor Sondergipfel zu

Der Euro erholte sich leicht. Die Gemeinschaftswährung notierte gegen 17.40 Uhr bei 1,4200 Dollar. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs bei 1,4207 Dollar fest.

Am Rentenmarkt fiel die Rendite der zuletzt arg gebeutelten zehnjährigen Anleihe Spaniens erstmals in dieser Woche wieder unter die psychologisch wichtige 6-Prozent-Marke. Auch Italien und Portugal konnten sich über geringere Risikoaufschläge für die Refinanzierung am Kapitalmarkt freuen. "Der Markt geht davon aus, dass sich Sarkozy und Merkel bei den Vorbesprechungen für den Gipfel annähern", fasste MM-Warburg-Händler Volker Weber zusammen.

Ölpreise gestiegen

Die Ölpreise stiegen den zweiten Tag in Folge. Ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Auslieferung im September kostete gegen Mittag 118,04 Dollar. Das waren 98 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung stieg um 91 Cent auf 98,41 Dollar. Laut dem am Nachmittag veröffentlichten Bericht des US-Energieministeriums fielen die - im historischen Vergleich immer noch großen - Rohöllagerbestände im Juli um 3,7 Prozent.

mg/ak/dpa-afx/rtr