Börse Schuldenkrise schlägt Anleger in die Flucht

Die Unsicherheit wegen der Schuldenkrisen in Europa und den USA schlägt Anleger in die Flucht. Der Dax schließt tief im Minus und hat binnen sechs Handelstagen 4 Prozent verloren. Vor allem Finanztitel geben nach.
Nervosität am Aktienmarkt: Die Börse zittert vor dem EU-Krisengipfel

Nervosität am Aktienmarkt: Die Börse zittert vor dem EU-Krisengipfel

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Die ungelöste Schuldenkrise in Europa und in den USA hat den deutschen Aktienmarkt zum Wochenstart erneut auf Talfahrt geschickt. Nachdem der Leitindex Dax  bereits in der Vorwoche knapp zweieinhalb Prozent eingebüßt hatte, verlor er am Montag weitere 1,6 Prozent auf 7107 Punkte. Sein Tagestief hatte er rund eine halbe Stunde zuvor bei 7089 Punkten erreicht.

Der MDax  der mittelgroßen Werte sank um 2 Prozent auf 10.575 Punkte. Der TecDax  gab um 2,5 Prozent auf 819 Punkte nach. "Es ist zurzeit sehr viel Unsicherheit und Nervosität im Markt", sagte Marktstratege Christian Stocker von der Unicredit.

Wall Street: Finanztitel gleichfalls unter Druck

Auch an der Wall Street waren Investoren auf der Hut. In New York verlor der Dow-Jones (Kurswerte anzeigen) bis zum Xetra-Schluss in Deutschland 1,2 Prozent auf 12.332 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500  gab ebenfalls 1,2 Prozent auf 1301 Zähler ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  fiel um 0,6 Prozent auf 2773 Stellen.

Händler verwiesen zur Begründung der Kursschwäche auf die Unsicherheit in der Staatsschuldenkrise auf beiden Seiten des Atlantik. Unsicherheit macht sich vor dem für Donnerstag geplanten EU-Gipfel zu einem zweiten Hilfspaket für Griechenland ebenso breit wie wegen der schwierigen Verhandlungen um die Anhebung der gesetzlichen Schuldengrenze in den USA.

Die erste Welle von Quartalsbilanzen der Unternehmen gerät dagegen in den Hintergrund.

"Viel Unsicherheit im Markt"

"Es ist zurzeit sehr viel Unsicherheit und Nervosität im Markt", sagte Marktstratege Christian Stocker von der Unicredit. Zum einen sorge die ungelöste Schuldenkrise für Druck samt der damit zusammenhängenden Diskussionen über eine Zusatzsteuer für Finanzunternehmen zur Hilfe Griechenlands. Zum anderen sei bei den Unternehmen allgemein inzwischen eine abnehmende Ergebnisdynamik spürbar.

"Auch wenn speziell für Deutschland das zweite Quartal noch gut gelaufen sein dürfte, wird jetzt verstärkt auf die Ausblicke geschaut." Siemens hatte bereits gesagt, dass der Rückenwind der Krisenerholung nun wohl vorbei sei und nun sprach auch Philips von einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld und enttäuschte zudem mit einem Umsatzrückgang im abgelaufenen Quartal.

Bankentitel sehr schwach

Dass die Aktien der Bankbranche so schwach aus dem Tag gingen, führte der Marktstratege der Unicredit somit weniger auf den Stresstest der Banken zurück als auf die Schuldenkrise und die daher diskutierte Zusatzsteuer. Die Titel der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) büßten als Dax-Schlusslicht 4,64 Prozent auf 2,384 Euro ein, während die der Deutschen Bank  um 3,54 Prozent auf 35,870 Euro nachgaben.

Den Stresstest hatten alle geprüften deutschen Banken bestanden, allerdings hagelte es auch hier Kritik, da der Test nur wenig über die aktuellen Risiken für die Eurozone und insbesondere die Lage der Banken aussagt.

Siemens leidet unter Philips-Zahlen

Die Anteilsscheine von Siemens (Kurswerte anzeigen) gaben um 1,46 Prozent auf 91,69 Euro nach. Sie litten einerseits unter den Quartalszahlen des niederländischen Konkurrenten Philips. Andererseits verwiesen Börsianer auf einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD), dem zufolge die Bundesregierung Schienenkorridore nicht mehr vollständig mit dem Sicherheits- und Leitsystem ETCS ausrüsten will.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) habe die Einnahmen, die Anbietern wie Siemens und Alstom dadurch entgehen würden, auf 4,5 Milliarden Euro beziffert, schreibt das Blatt. Die Aktien des Verkehrstechnikunternehmens Vossloh verloren in der Folge 2,59 Prozent auf 83,77 Euro.

Bericht belastet Daimler und Telekom

Ein weiterer Bericht in der "FTD" zum Mautsystem Toll Collect belastete Händlern zufolge die Papiere der beiden Betreiber Daimler und Deutsche Telekom . Dem Autobauer und dem Telekkomkonzern drohe ein Vergleich im Streit um Schadensersatzforderungen des Bundes. Ein Telekom-Sprecher wies den Bericht zwar zurück und sagte, er entbehre jeder Grundlage, die Aktie büßte dennoch knapp zwei Prozent ein. Nach Angaben beider Unternehmen gibt es grundsätzlich keinen neuen Stand im Schiedsgerichtsverfahren. Die Daimler-Papier sanken dessen ungeachtet um etwas mehr als drei Prozent.

Schuldenkrise: Euro fällt deutlich

Der Euro (Kurswerte anzeigen) gab gegenüber Freitag kräftig nach, die Europäische Zentralbank stellte am Nachmittag einen Referenzkurs von 1,4045 Dollar fest. Damit haben die Ergebnisse des europäischen Bankenstresstests die Einheitswährung nur kurzzeitig stützen können. Der Euro hatte am Freitag noch 1,4146 Dollar gekostet.

Ein Rekordtief erreichte der Euro zum Schweizer Franken (Kurswerte anzeigen). Er sank zeitweise bis auf 1,1405 Franken. Dies war der tiefste Stand seit der Einführung der Gemeinschaftswährung. Zuletzt erholte sich der Euro jedoch etwas und wurde mit 1,1490 Franken notiert.

Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 2,40 (Freitag: 2,46) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,17 Prozent auf 125,62 Punkte. Der Bund Future gewann 0,33 Prozent auf 129,42 Punkte.

Rekordrenditen für italienische und spanische Staatsanleihen

Die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen sind am Montag auf neue Rekorde gestiegen. Die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen legten 0,24 Prozentpunkte zu und erreichten 6,02 Prozent. Für spanische Anleihen verlangten Anleger eine Rendite von 6,35 Prozent. Niemals seit der Euro-Einführung waren die Zinsen und damit die Risikoaufschläge im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen auf dem Zweitmarkt so hoch. Irlands Finanzminister Michael Noonan hält Hilfskredite für beide Länder dann für nötig, wenn der Zins über 7 Prozent steigt.

Ölpreise: Brent bei 116 US-Dollar

Die Ölpreise sind am Montag leicht gefallen. Die Investoren befürchteten eine weitere Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise, hieß es von Händlern. Ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September kostete im asiatischen Handel 116,98 US-Dollar. Das waren 28 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung fiel um neun Cent auf 97,15 Dollar.

ak/dapd/dpa-afx/rtr

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