Börse Bernanke gibt Aktien neuen Schub

Der Dax baut seine Gewinne in späten Handel aus, und auch die US-Börsen legen zu. Der Grund: Fed-Chef Ben Bernanke rechnet nur mit einer zaghaften Erholung der US-Wirtschaft - und Investoren folgern daraus, dass Geld billig bleiben wird. Die Euro-Schuldenkrise gerät in den Hintergrund.
Händler in Frankfurt:

Händler in Frankfurt:

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Angesichts verringerter Sorgen um die Weltwirtschaft hat der Dax  nach den Turbulenzen der Vortage am Mittwoch wieder Boden gutgemacht. Der deutsche Leitindex legte insbesondere im späten Handel kräftig zu und ging mit plus 1,3 Prozent bei 7267 Punkten aus dem Handel. Am Dienstag war er zeitweise noch unter die Marke von 7.000 Punkten gerutscht.

Für den MDax  ging es am Mittwoch um 1,73 Prozent auf 10.930,68 Punkte nach oben, der TecDax  stieg um 0,30 Prozent auf 873,24 Punkte.

Börsianer begründeten die Kursgewinne im späten Handel mit Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Dieser hatte sich vor dem US-Repräsentantenhaus für eine erneute Stützung der amerikanischen Wirtschaft bereit gezeigt. "Die derzeitige wirtschaftliche Schwäche könnte länger dauern als erwartet und Deflations-Risiken wieder zurückkommen", sagte er. Die Notenbank sei bereit, in einem solchen Fall erneut zu reagieren.

Die Aktienmärkte reagierten auf diese skeptischen Töne Bernankes mit Kurssteigerungen. "Geld bleibt billig", lautete die Schlussfolgerung eines Händlers.

In China hatte sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal zudem weniger als erwartet verlangsamt. "Das lindert die Sorgen um eine harte Landung der Weltwirtschaft", sagte Händlerin Anita Paluch von ETX Capital.

Die Abstufung des Ratings für Irland auf Ramschniveau belastete einem Börsianer zufolge kaum, wie der recht stabile Euro (Kurswerte anzeigen) zeige. Ähnlich sah dies Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) habe klargemacht, dass sie die Ratings für Länder, die sich unter dem Rettungsschirm befinden, nicht mehr ernst nehme. Dadurch spiele die Abstufung Irlands am Markt auch kaum eine Rolle.

BMW und Daimler gefragt

Zu den größten Gewinnern im Dax gehörten am Nachmittag die Autowerte. Aktien von BMW (Kurswerte anzeigen)baute seine Kursgewinne auf mehr als 4 Prozent aus, und auch die Titel von Daimler zeigten sich sehr fest.

Die französische Bank Exane BNP hatte die negative Einstufung für die Aktien des Unternehmens BMW, das am Vortag seine Prognose angehoben hatte, aufgegeben und beurteilt die Titel nun mit dem Votum "Neutral".

Goldpreis knapp unter 1600 US-Dollar je Unze

Der Goldpreis hat am Mittwoch vor dem Hintergrund der jüngsten Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise ein neues Rekordhoch auf Dollar-Basis erreicht. Im späten Vormittagshandel sprang der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) zeitweise auf 1.578,50 US-Dollar und damit so hoch wie noch nie. Im weiteren Handelsverlauf ist der Preis wieder etwas zurückgefallen, auf 1.574,99 Dollar. Das sind immer noch 9,74 Dollar mehr als am Vortag.

Zuletzt hatte der Goldpreis Anfang Mai ein Rekordhoch auf Dollar-Basis erreicht. Stark verunsicherte Anleger drängt es an den internationalen Finanzmärkten immer stärker in den vermeintlich "sicheren Hafen" Gold. Sie hatten bereits am Vortag für einen neuen Rekord beim Goldpreis auf Euro-Basis gesorgt

Deutsche Bank schließt im Minus

Uneinheitlich entwickelten sich die Bankenwerte, die zu Wochenbeginn noch deutlich unter Druck geraten waren. Die Aktien der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) sanken um 0,50 Prozent auf 37,912 Euro, die zuletzt sehr schwankungsfreudigen Commerzbank-Anteilsscheine  dagegen stiegen um 1,67 Prozent auf 2,75 Euro.

Im MDax legten Gerresheimer (Kurswerte anzeigen) deutlich zu. Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff sprach von einem "starken zweiten Quartal" des Herstellers von Spezialverpackungen und Medizintechnik. Gerresheimer hatte im zweiten Quartal trotz Sonderlasten Umsatz und Gewinn gesteigert.

Euro hält sich über 1,40 Dollar

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich am Mittwoch bei der Marke von 1,40 Dollar gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,4010 Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Ein Dollar war zuletzt 0,7138 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagmittag auf 1,3975 (Montag: 1,4056) Dollar festgesetzt.

Nach kräftigen Kursverlusten seit Wochenbeginn konnte sich der Euro zuletzt stabilisieren. Die drohende Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien und Spanien stellt jedoch ein großes Risiko für die Gemeinschaftswährung dar. Verschärft wurde die Lage durch die Abstufung Irlands. Die Aktion kam nur eine Woche nach einer entsprechenden Herabstufung Portugals.

Die Ölpreise haben am Mittwoch einen Teil ihrer deutlichen Vortagsgewinne abgegeben. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im August kostete am Morgen 117,36 Dollar. Das waren 39 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 27 Cent auf 97,16 Dollar.

mg/dpa-afx/rtr
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