Gefahrenzulage Italien zahlt höchste Zinsen seit 14 Jahren

6 Prozent Zinsen muss Italien für Staatsanleihen zahlen, damit sie am Kapitalmarkt Abnehmer finden. Deutsche Staatsanleihen liegen bei 2,5 Prozent. Der Unterschied zeigt, wie hoch die Gefahrenzulage für Italien mittlerweile ist - doch drei andere Staaten der Europäischen Union sind noch viel schlechter dran.
Touristen auf dem Petersplatz in Rom: Italiens Zentralbank betet wohl um einen glimpflichen Ausgang der aktuellen Schuldenkrise

Touristen auf dem Petersplatz in Rom: Italiens Zentralbank betet wohl um einen glimpflichen Ausgang der aktuellen Schuldenkrise

Foto: DPA

Frankfurt/Rom - Die Finanzmärkte verlangen deutlich steigende Gefahrenzulagen für italienische Staatsanleihen. Am Dienstag kletterte die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Roms erstmals seit 1997 - also noch vor der Euro-Einführung - zeitweise über die Marke von 6 Prozent. An der Höhe der Rendite bemisst sich die Gefahrenzulage, die der Kapitalmarkt für das jeweilige Land verlangt.

Auch in Spanien - nach Italien die viertgrößte Euro-Wirtschaft - legten die Renditen zeitweise stark zu. In Deutschland hingegen liegt die zehnjährige Rendite mit 2,5 Prozent wesentlich niedriger. Dies ist Ausdruck des hohen Zutrauens der Investoren in die Bonität Deutschlands. Italien und Spanien - die dritt- und viertgrößte Euro-Wirtschaft - sind in den vergangenen Tagen an den Finanzmärkten stark in Bedrängnis geraten.

Zum Vergleich: In den bereits geretteten Euro-Ländern Griechenland, Irland und Portugal liegen die zehnjährigen Zinsen aktuell bei 16 Prozent, 12,7 Prozent und 12,2 Prozent - also deutlich höher als in Italien und Spanien.

Händler zählen auf EZB-Ankäufe

Bis zum Mittag entspannte sich die Lage an den Rentenmärkten Italiens und Spaniens wieder etwas. Händler spekulierten über Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Im Mai 2010 hatte die Notenbank im Zuge der Griechenland-Rettung damit begonnen, Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Seit mittlerweile 15 Wochen hatte die EZB aber nach eigenen Angaben keine Anleihen mehr erworben. Im Mittagshandel lag die Rendite in Italien wieder deutlich unter der 6-Prozent-Marke, in Spanien knapp darüber.

Unterstützung für die Kurse ging Händlern zufolge auch von Aussagen der italienischen Opposition aus, sich für die Verabschiedung eines Sparpakets noch in der laufenden Woche einzusetzen.

Analysten spielen Zusammenbruch der Euro-Zone durch

"Bestrebungen, einen Rettungsplan für Griechenland nun schneller auf die Beine zu stellen, als bisher geplant, überzeugen die Finanzmärkte nicht", erklärten die Analysten der Commerzbank. "Thema Nummer eins ist immer noch die von den Rentenmärkten ausgehende Ansteckungsgefahr für die Devisenmärkte", erklärte Marcus Hettinger, Währungsstratege bei der Credit Suisse in Zürich.

Derweil sprechen einige Analysten - aus der Schweiz und Japan - inzwischen offen die Folgen eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone an. Dabei geht die Credit Suisse davon aus, dass die Schuldenkrise bewältigt wird, indem die Kernländer der Euro-Zone den Rand-Ländern helfen. "Wenn sie es nicht tun, sind die Kosten mindestens doppelt so hoch als wenn sie es tun. Die indirekten Kosten sind um einiges höher", schrieben die Analysten.

Italien refinanziert sich - zu höheren Zinsen

In diesem schwierigen Umfeld refinanzierte sich Italien am Dienstag: In einer Auktion einjähriger Geldmarktpapiere nahm der italienische Staat 6,75 Milliarden Euro auf - allerdings zu deutlich höheren Zinsen als vor einem Monat. Die zu zahlende Rendite stieg von 2,147 Prozent bei einer Auktion im Juni auf 3,67 Prozent. Die Nachfrage war rückläufig: Die Papiere waren 1,55-fach überzeichnet gewesen, nach einer 1,71-fachen Überzeichnung im Juni. Marktbeobachter sprachen angesichts der widrigen Umstände dennoch von einer recht gut verlaufenen Auktion.

wed/dpa/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.