Börse Kurse auf Talfahrt

Die Angst vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien lässt die Kurse auf dem deutschen Aktienmarkt einbrechen. Zeitweise lag der Dax unter 7000 Punkten. Panik kommt auf.
Miese Stimmung an den Börsen: Die Angst vor der Schuldenkrise lässt die Kurse absacken

Miese Stimmung an den Börsen: Die Angst vor der Schuldenkrise lässt die Kurse absacken

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax (Kurswerte anzeigen) hat seine Talfahrt angesichts der Sorgen um die Schuldenkrise auch am Dienstag fortgesetzt. Bis zum Mittag verlor der deutsche Leitindex 1,96 Prozent auf 7.088,40 Punkte, nachdem er zwischenzeitlich sogar mit deutlich mehr als zwei Prozent im Minus gelegen hatte. Bereits am Vortag hatte der Dax den stärksten Tagesverlust seit Mitte März erlitten. Der MDax (Kurswerte anzeigen)mittelgroßer Werte büßte indes am Dienstag 2,30 Prozent auf 10.564,22 Punkte ein, für den TecDax (Kurswerte anzeigen) ging es um 1,68 Prozent abwärts auf 862,95 Punkte.

Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank sprach von einer regelrechten "Panik am Markt". Mit Blick auf die Schuldenkrise sagte er: "Die Europapolitik liefert keine Perspektive, sie führt nicht." Insofern verlören immer mehr Anleger den Glauben daran, dass Griechenland seine Probleme "im Korsett der Eurozone" lösen könne. Und je länger dieser Fall ungelöst sei, desto mehr würden andere Länder in Mitleidenschaft gezogen, wie nun Italien. Dieses hoch verschuldete Euroland war insbesondere am Vortag in den Fokus der Märkte gerückt.

Für zusätzliche Moll-Stimmung sorgte Börsianern zufolge der Auftakt der US-Berichtssaison am Vorabend. Hier habe der Aluminiumhersteller Alcoa mit seinen Zahlen enttäuscht.

Finanz- und Autotitel verlieren ebenso wie Bayer

Die ohnehin schon gebeutelten Finanzwerte gaben weiter nach, wenn auch in etwas gedrosseltem Tempo. So fielen die Aktien der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen)um 2,17 Prozent auf 37,66 Euro und die der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) um 1,59 Prozent auf 2,665 Euro. Damit haben die Commerzbank-Titel alleine seit Anfang vergangener Woche rund 19 Prozent an Wert eingebüßt.

Wie kritisch einige Analysten die Lage in der Eurozone beurteilen, zeigte eine Studie von Macquarie. Darin schrieben die Experten der australischen Investmentbank, dass das nun in den Fokus gerückte Italien die drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum sei. Sollten die Probleme hier nicht in den Griff bekommen werden, könnte dies "katastrophale ökonomische und fiskalische Probleme für die Europa" nach sich ziehen.

Ebenso wie am Montag konnten Automobilaktien nicht von positiven Branchennachrichten profitieren. So fielen die Vorzugsaktien von Volkswagen (Kurswerte anzeigen)(VW) um 2,47 Prozent auf 140,20 Euro. Dabei fährt Europas größter Autobauer weiterhin auf vollen Touren. Erstmals gelang es der Kernmarke Volkswagen, in einem ersten Halbjahr mehr als 2,5 Millionen Autos zu verkaufen. Einem "Handelsblatt"-Interview zufolge erwartet der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zudem zusätzliches Wachstum in Asien, Indien und Südamerika.

Die Aktienkurse von Bayer (Kurswerte anzeigen)sanken um 2,01 Prozent auf 65,96 Euro. Der Chemie- und Pharmakonzern bereite ein Gebot für den britischen Pharmakonzern Shire Pharmaceuticals vor, hieß es in einem Bericht der Internetseite "This is Money". Genannt wird ein möglicher Betrag von 15,7 Milliarden Pfund beziehungsweise 28 Pfund je Aktie. Ein Bayer-Sprecher wollte die Marktgerüchte nicht kommentieren.

Im MDax sackten die Titel von Tui (Kurswerte anzeigen)am Indexende um 5,76 Prozent auf 6,735 Euro ab.Börsianer begründeten dies mit der Gewinnwarnung von Thomas Cook , Wettbewerber von Tui Travel . Bei Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter zehren die Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten weiter am Gewinn. Die Belastungen fielen deutlich höher aus als zuvor geschätzt, teilte das Unternehmen mit, das in Deutschland vor allem mit der Marke Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor präsent ist.

Die Titel von Fraport (Kurswerte anzeigen) konnten sich dem negativen Trend ebenfalls nicht entziehen und sanken um 3,38 Prozent auf 55,12 Euro. Die Verkehrszahlen des Flughafenbetreibers ordnete ein Börsianer als im Rahmen der Erwartungen ein. Im Juni habe sich die Entwicklung der vergangenen Monate fortgesetzt, was der Unternehmenschef auch so avisiert habe.

Eurokurs sinkt auf 1,39 Dollar

Die grassierende Schuldenkrisen-Angst belastet auch den Euro stark. Der Euro-Kurs rutschte auf 1,3875 Dollar und lag damit mehr als einen US-Cent niedriger als am Vorabend in New York.

Ölpreise geben weiter nach

Selbst die Stimmung der Ölhändler ist wegen der Schuldenkrise und dem gestiegenen Dollarkurs trübe. Der Preis für ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI sank um 1,7 Prozent auf 93,57 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 115,05 Dollar 1,9 Prozent weniger. "Jede Art von Ansteckung - einschließlich Spaniens und Italiens oder jeder größeren Volkswirtschaft, könnte die Ölpreise noch tiefer in den Keller schicken", erklärte ein Analyst.

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