Börse Abwärts in gebremstem Tempo

Europa-Angst an der Börse: Deutschlands führendes Aktienbarometer Dax schien heute unter die Räder zu kommen, zeitweise rangierte es 3 Prozent im Minus. Am Abend blieb ein Verlust von 0,8 Prozent - und verunsicherte Anleger auch in Übersee.
Miese Stimmung an den Börsen: Die Angst vor der Schuldenkrise lässt die Kurse absacken

Miese Stimmung an den Börsen: Die Angst vor der Schuldenkrise lässt die Kurse absacken

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die Schuldenkrise in Europa hat die Finanzmärkte am Dienstag durchgerüttelt. Vor allem in den ersten Handelsstunden fürchteten Anleger, dass sich ein Übergreifen auf andere Sorgenkinder der EU kaum noch vermeiden lässt. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank sprach von einer regelrechten "Panik am Markt".

Im Tagesverlauf machten sich aber Hoffnungen auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Krise breit, nachdem sich ein EU-Sondergipfel zu dem Thema für Freitag abzeichnete. Der Dax (Kurswerte anzeigen) rutschte bei hohen Umsätzen zeitweise um mehr als 3 Prozent ab unter die Marke von 7000 Punkten. Der deutsche Leitindex schloss 0,8 Prozent schwächer bei 7174,14 Punkten; bereits am Vortag hatte er über 2 Prozent verloren. Für den MDax (Kurswerte anzeigen) ging es um 0,63 Prozent auf 10.744,98 Punkte nach unten, der TecDax  büßte 0,80 Prozent auf 870,64 Punkte ein.

Der italienische Leitindex rauschte in der Spitze um 4,8 Prozent die Tiefe und notierte damit so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr. Zum Handelsschluss hatte er seine Verluste aber wettgemacht und beendete den Tag 1,2 Prozent fester. An den US-Börsen wagten sich die Anleger nur zaghaft aus der Deckung, Dow Jones  und S&P 500 notierten leicht im Plus.

Der Euro fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 1,3838 Dollar, kämpfte sich bis zum Börsenschluss in Europa aber wieder auf Sichtweite zur Marke von 1,40 Dollar heran. Dazu trug auch ein unerwartet hohes US-Außenhandelsdefizit im Mai bei, was die Gewinne des Dollar abschmelzen ließ.

Am Rentenmarkt kletterte die Rendite der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen mit 6 Prozent auf den höchsten Stand seit 14 Jahren. Auch hier beruhigten sich die Kurse wieder, nachdem eine Auktion von italienischen Staatsanleihen mit zwölfmonatiger Laufzeit nach Einschätzung von Börsianern erfolgreich verlaufen war. Allerdings war die Rendite der Papiere mit 3,67 Prozent so hoch wie seit September 2008 nicht mehr.

Italiens neuer Status als europäisches Krisenland hatten den Ausverkauf an den Märkten zuletzt beschleunigt. Das Mittelmeerland drückt ein Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts. Sollte Italien nun in den Teufelskreislauf steigender Zins- und Schuldlasten geraten, wären die Folgen weitaus gravierender als beim kleineren Griechenland. Experten gehen davon aus, dass der Euro-Rettungsschirm mit einer faktischen Staatspleite dieser Größe überfordert wäre. Nach Einschätzung von Händlern hoffen die Märkte jedoch, dass die EU die Krise doch noch in den Griff bekommt.

Auf einer Marathonsitzung hatten die Finanzminister der Euro-Gruppe in der Nacht zum Dienstag beschlossen, die Finanzhilfen für das ebenfalls schwer angeschlagene Griechenland länger und zu niedrigeren Zinsen als bisher geplant zu gewähren. Das zweite Rettungspaket für das Land wurde noch nicht beschlossen, soll aber bald stehen. Eine Staatspleite Griechenlands wird von EU-Regierungsmitgliedern erstmals nicht mehr ausgeschlossen.

Ölpreise geben weiter nach

Eine Achterbahnfahrt erlebten vor allem die Finanztitel: Der europäische Bankenindex verlor zunächst mehr als 2 Prozent, drehte dann aber ins Plus und schloss 0,1 Prozent im Minus. Die Titel der italienischen Großbank Unicredit (Kurswerte anzeigen) fielen in Mailand in der Spitze um 8 Prozent auf 1,06 Euro, schlossen dann aber 5,9 Prozent höher. In Frankfurt kamen die Akten der Deutschen Bank  und der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) zeitweise mit Abschlägen von mehr als 5 Prozent unter die Räder, bevor sie auf Erholungskurs gingen. Die Commerzbank-Titel wiesen zum Handelsende ein Minus von 0,3 Prozent auf und die der Deutschen Bank einen Abschlag von einem Prozent.

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählten heute dagegen die Anteilsscheine von MAN  mit einem Aufschlag von bis zu 2,9 Prozent. Händlern zufolge gab es Spekulationen, dass Volkswagen (Kurswerte anzeigen) weitere Aktien an dem Lkw-Bauer zukauft. Analysten zufolge dürfte VW langfristig eine Dreiviertel-Mehrheit anpeilen, um bei MAN in allen Belangen regieren zu können. Die Wolfsburger hatten Anfang Juli 56 Prozent an MAN erworben.

Die Anhebung der Gewinn- und Absatzprognose von BMW (Kurswerte anzeigen) schob die zudem die Aktien des Autoherstellers um 0,7 Prozent ins Plus. Die Zahlen zeigten, dass BMW sich in seinem Bereich gut behaupte, sagte Arndt Ellinghorst, Analyst bei der Credit Suisse.

Die Ölpreise haben belastet durch die weltwirtschaftliche Unsicherheit deutlich schwächer tendiert. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im August kostete im Mittagshandel 115,77 US-Dollar. Das waren 1,47 Dollar weniger als am Montag. Der Preis für ein Barrel der der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 1,00 Dollar auf 94,15 Dollar. "Jede Art von Ansteckung - einschließlich Spaniens und Italiens oder jeder größeren Volkswirtschaft, könnte die Ölpreise noch tiefer in den Keller schicken", erklärte ein Analyst.

kst/dpa-afx/dpa/rtr/dapd
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