Staatsanleihen Italien zahlt horrende Zinsen

Neuerliche Eskalation auf dem italienischen Finanzmarkt: Die Risikoaufschläge für Italiens Staatsanleihen sind am Montag auf Rekordstände gestiegen. Die italienische Börsenaufsicht hat jetzt die Regeln für Leerverkäufe verschärft.
Regierungssitz in Rom: Italien ist der nächste Wackelkandidat der EU

Regierungssitz in Rom: Italien ist der nächste Wackelkandidat der EU

Foto: ALBERTO PIZZOLI/ AFP

Frankfurt am Main/Mailand - In Italien, der drittgrößten Euro-Wirtschaft, stieg die Rendite im Vormittagshandel um 0,16 Punkte auf 5,42 Prozent. Der Risikoaufschlag zur zehnjährigen Bundesanleihe betrug damit rund 2,63 Punkte und lag so hoch wie noch nie seit der Einführung des Euro. Auch in der viertgrößten Euro-Wirtschaft Spanien stieg der Risikoaufschlag mit 3,03 Punkten auf ein neues Rekordhoch. Die Rendite stieg wie in Italien um 0,16 Punkte auf 5,82 Prozent.

Die Lage an den Rentenmärkten Italiens und Spaniens hat sich seit der Herabstufung des Euro-Lands Portugal Anfang vergangener Woche stark eingetrübt. An den Finanzmärkten herrscht die Angst davor, dass sich die Schuldenkrise auch auf größere Euro-Länder ausbreiten könnte.

Am Freitag war der italienische Finanzmarkt unter Druck geraten. Anleger sind wegen der hohen Schulden des Landes, wegen der schwächelnden Wirtschaft und der zerstrittenen Regierung nervös. Sie wollten italienische Staatsanleihen nur noch kaufen, wenn sie dafür die höchste Gefahrenzulage seit Schaffung des Euro kassieren konnten. Die Zinsen auf den Schuldenpapieren näherten sich dabei einem Niveau an, dass einige Volkswirte für eine kritische Schwelle halten.

Die italienische Börsenaufsicht Consob hat deshalb die Regularien für Leerverkäufe von Aktien an der Börse verschärft. Damit soll die Volatilität des Aktienmarktes eingedämmt werden. Seit heute müssen Anleger die Consob unter anderem über Netto-Short-Positionen in italienischen Aktien informieren, wenn sie 0,2 Prozent oder mehr des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft entsprechen. Weiterhin müssen dann Veränderungen in den Short-Positionen ab einer bestimmten Größenordnung gemeldet werden. Ähnliche Regeln existieren laut Consob bereits in Deutschland und in anderen europäischen Staaten.

In Brüssel tagen heute die Euro-Finanzminister zur Schuldenkrise. Zuvor werden sich Spitzenvertreter von EU und Europäischer Zentralbank (EZB) treffen.

mg/dpa-afx/rtr
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