Börse Italien-Krise zieht den Dax nach unten

Von wegen bella Italia: Die Angst um die horrende Verschuldung Italiens drückt den Aktienindex Dax tief in die roten Zahlen. In diesem Umfeld spielen nicht einmal die Personalien der Deutschen Bank eine Rolle. 
Kolosseum in Rom: Die Staatsfinanzen bröckeln, das Land muss Rekord-Risikoaufschläge zahlen

Kolosseum in Rom: Die Staatsfinanzen bröckeln, das Land muss Rekord-Risikoaufschläge zahlen

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Frankfurt am Main - Die Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien hat am Montag die Finanzmärkte europaweit in einen Abwärtsstrudel gezogen. Der Dax  rutschte um 2,3 Prozent auf 7230 Punkte ab. Der Standardwertendex der Mailänder Börse schloss 4 Prozent im Minus, in Athen verlor der Leitindex ATG 2,6 Prozent. Der Europaindex EuroStoxx 50  sackte um 2,9 Prozent ab, der Stoxx50 - mit Werten aus der Schweiz und Großbritannien - um 1,2 Prozent. Der VDax, der die Nervosität der Anleger am deutschen Aktienmarkt misst, schoss um 16 Prozent in die Höhe.

Der Euro-Kurs  fiel erstmals seit dem 23. Mai unter die Marke von 1,40 Dollar. Zum Schweizer Franken gab die Gemeinschaftswährung auf ein Rekordtief von 1,1669 Franken nach.

In Brüssel hatten Spitzenvertreter von Europäischer Union (EU) und Europäischer Zentralbank (EZB) am Montag auf einem Sondertreffen die Lage in Italien beraten. Das drittgrößte Euro-Land ist doppelt so hoch verschuldet wie es die EU erlaubt. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sagte nach dem Treffen, dass auch die Umsetzung des Spar- und Reformprogramms Griechenlands Thema der Gespräche gewesen sei. Zudem habe es einen Meinungsaustausch über die "jüngste Entwicklung im Eurogebiet" gegeben.

Nach Ansicht von Antonio Vigni, Vorstandsmitglied der italienischen Banca Monte Paschi sind die Kurseinbrüche am Freitag und Montag Folge eines Angriffs von Spekulanten. Damit würden nicht die Fundamentaldaten der betroffenen Länder oder deren Finanzinstituten reflektiert, sagte der Banker.

Am Aktienmarkt gerieten vor allem Finanztitel in den Abwärtssog. Die Titel der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) brachen um 8,6 Prozent auf 2,70 Euro ein. Titel der Deutschen Bank  verloren 3,4 Prozent, die der Allianz (Kurswerte anzeigen) und der Munich Re (Kurswerte anzeigen) 4,1 beziehungsweise 3,6 Prozent. Der europäische Bankenindex verlor 2,9 Prozent. In Italien traf es vor allem die Titel von Unicredit (Kurswerte anzeigen) mit einem Abschlag von 6,3 Prozent und Intesa Sanpaolo (Kurswerte anzeigen), die um 7,7 Prozent absackten.

An den Rentenmärkten zogen die Renditen der italienischen Staatsanleihen weiter an. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) für fünfjährige italienische Anleihen verteuerten sich so stark wie noch nie. Zugleich zog der Bund-Future, dem die als sichere Anlagen geltenden Bundesanleihen zugrunde liegen, um 153 Ticks auf 128,99 Zähler an. Auch die Rohstoffmärkte wurden von der Nervosität erfasst: Der Preis für die US-Ölsorte WTI sackte zeitweise um 2 Prozent auf 94,32 Dollar pro Barrel ab.

Als einziger Dax-Wert hielt sich Metro -Titel  mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent auf 40,23 Euro in der Pluszone. Einige Händler begründeten die Aufwärtsbewegung der Metro-Papiere mit einer Erholung, nachdem die Titel seit Anfang Juli 4,8 Prozent verloren haben.

Die Ölpreise rutschten am Montag deutlich ab. Händler nannten als Ursachen für die Preisrückgänge an den Ölmärkten die Sorge der Investoren vor einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise in der Eurozone, Meldungen über einen Rückgang der chinesischen Ölimporte und unerwartet schwache Konjunkturdaten aus den USA. Im Mittagshandel verbilligte sich ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent mit Auslieferung im August um 1,32 US-Dollar auf 117,01 Dollar. Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 1,22 Dollar je Fass auf 94,98 Dollar.

kst/wed/dpa-afx/rtr
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