Kurssturz Vossloh überrascht mit hoher Gewinnwarnung

Nach einer Gewinnwarnung sind die Aktien des Verkehrstechnikkonzerns Vossloh am Freitag zeitweise um mehr als 13 Prozent eingebrochen. Verzögerungen bei Eisenbahnprojekten in China sorgen für einen Rückgang bei Umsatz und Gewinn. Anleger sind überrascht über das Ausmaß der Warnung.
Transrapid in Shanghai: Vossloh liefert Teile für Hochgeschwindigkeitsstrecken nach China

Transrapid in Shanghai: Vossloh liefert Teile für Hochgeschwindigkeitsstrecken nach China

Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Vossloh-Aktien verloren bis zum Mittag 13,05 Prozent und notierten bei 82,92 Euro. Das war der größte Kursverlust seit November 2008. Der MDax der mittelgroßen Werte arbeitete sich zeitgleich um 0,60 Prozent auf 11.254,49 Punkte vor.

Der Verkehrstechnikkonzern hatte am Donnerstag nach Xetra-Schluss wegen Problemen im Auslandsgeschäft seine Prognosen für das laufenden Geschäftsjahr deutlich gesenkt. Das Unternehmen aus dem sauerländischen Werdohl erwartet nun nur noch einen Umsatz von 1,25 Milliarden Euro. Bislang hatte der Vorstand einen Rekordwert von rund 1,4 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hält das Unternehmen nur noch zwischen 120 und 130 Millionen Euro für möglich, bislang lag die Prognose bei mehr als 160 Millionen Euro.

Auch für 2012 strich der Vossloh-Konzern seine Ziele. "Die Prognose für 2012 ist hinfällig", sagte ein Firmensprecher. Einen neuen Ausblick werde der Konzern zum Jahresende geben. Klar sei aber, dass Umsatz und Ergebnis wieder deutlich wachsen würden.

Vossloh  machte für die Prognosesenkung vor allem verzögerte Auslieferungen in China verantwortlich, wohin der Konzern Teile für Hochgeschwindigkeitsstrecken liefert. Durch einen Wechsel an der Spitze des chinesischen Eisenbahnministeriums zu Beginn des Jahres verzögerten sich eine Reihe von Projekten. Vossloh reduzierte daher seine Umsatzerwartung für China in diesem Jahr auf "deutlich" unter 100 Millionen Euro.

Gewinnwarnung war befürchtet worden

Zahlreiche Händler erklärten, dass am Markt zwar eine Gewinnwarnung bereits befürchtet worden sei. Mit einem solchen Ausmaß habe aber niemand gerechnet. "Die Tatsache, dass die Warnung deutlich höher als erwartet und an mehreren Fronten gleichzeitig kommt, dürfte die Geduld der Anleger erst einmal testen", kommentierte ein Börsianer.

Analyst Sven Weier von der UBS schrieb in einem Kommentar, der abgeschwächte Ausblick für 2011 überrasche nicht, das Ausmaß der Reduktion sowie der Optimismus des Verkehrstechnologiekonzerns für 2012 allerdings schon. Da die Schwäche des China-Geschäfts strukturell bedingt sei, dürften die Unternehmensziele für 2012 zu hoch sein. Die fundamental gerechtfertigten Kursverluste dürften aber ausbleiben. Der Marktglauben, dass der Eigentümer von Knorr Bremse, Heinz Hermann Thiele, seine Vossloh-Beteiligung ausbauen werde, sollte den Kurs stützen. Der Experte bewertet die Papiere mit "Neutral" und einem Kursziel von 95,00 Euro.

Kurseinbruch als Einstiegsmöglichkeit warnehmen

Ingo-Martin Schachel von der Commerzbank kündigte an, seine Schätzungen für 2011 und 2012 anzupassen. Zudem betonte der Experte, dass sich nicht alle der negativen Faktoren im weiteren Jahresverlauf auflösen würden und somit einige Unsicherheit bestehen bleibe. Für den WestLB-Experten Michael Gorny bietet der Kurseinbruch in Folge der Gewinnwarnung eine gute Einstiegsmöglichkeit. Er hob seine Bewertung für die Aktie von "Neutral" auf "Add" an und nannte ein Kursziel von 98 Euro.

Analyst Dominik Podewils von der Berenberg Bank nahm sein Kursziel um 15 Euro auf nun 90 Euro zurück. Er begründete dies unter anderem damit, dass die Geschäftsaussichten derzeit kaum vorhersehbar seien. Ähnlich wie Analysten anderer Häuser sieht aber auch er die absehbare negative Kursreaktion als mögliche Einstiegsgelegenheit.

mg/dpa-afx
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