Dienstag, 20. August 2019

Dax-Geflüster Neue Mobilität elektrisiert Anleger noch nicht

Fahrspaß aus der Steckdose: Bewegt das Thema neue Mobilität auch die Börsen?

Für Politiker ist Mobilität, vor allem saubere Mobilität, ein prägendes Thema des Jahrzehnts. Lässt sich das auch an der Börse nutzen? Anleger sollten bei der Suche nach neuen, innovativen Überfliegern auf jeden Fall behutsam vorgehen - und auch alteingesessene Unternehmen nicht vergessen.

Hamburg - Der Flugzeugbauer Airbus kann zufrieden sein. Der neue Airbus 320 Neo, der dank vergleichsweise spritsparender Triebwerke 15 Prozent weniger Kerosin verbrennen soll, scheint zum Verkaufsschlager zu avancieren. Die indische Fluggesellschaft Indigo hat jüngst 150 dieser Jets bestellt. Genau das ist es, was viele Investoren suchen - technologische Entwicklungssprünge, die die Absatzzahlen eines Unternehmens in neue Höhen hebeln können.

Kein Wunder also, wenn die Analysten des Bankhauses Lampe die Einführung des Neo-Programms bereits im Januar lobten. Dabei sei der Flieger "längst nicht das Ende der Fahnenstange", sagt Thomas Bayreuther, Fondsmanager des Fonds Absolute Future Mobility. "Mit Wasserstoff betankt, das wäre es." Außerdem gäbe es andere Unternehmen, die auf dem Weg zu einer neuen Mobilität als erste profitieren würden.

Solche, die zum Beispiel Batterien herstellen oder auch deren Zulieferer. "Ohne sie wird das Thema E-mobility nicht zu machen sein. Nehmen Sie Polypore, das ist ein Zulieferer von den Membranen, die zwischen positivem und negativem Teil der Batterie sitzen. Das macht kaum einer, womit das Unternehmen in einem Oligopol aktiv ist", sagt Bayreuther. Stellt man in Rechnung, dass die Regierung in Sachen E-Mobilität aufs Tempo drückt - sollte man schon jetzt in solche Unternehmen investieren und gelassen auf den künftigen Boom warten?

Warnung vor Überschwang

Genau darin könnte auch die Gefahr liegen. "In diesem Bereich ist es leicht, Geschichten zu kaufen", warnt Gerd Häcker, der das Portfoliomanagement bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen verantwortet. "Aber genau das ist ein Fehler." Eine "Story" bedeute noch keine regelmäßigen Gewinne: "Warten Sie lieber ab. Ein solides Geschäft, das zählt".

Huber lobt Unternehmen wie Siemens Börsen-Chart zeigen. Das Unternehmen sei "auf allen Märkten aktiv, die Mobilität ausmachen." Denn Mobilität ist mehr als nur Autos. Mobilität umfasst den öffentlichen Nahverkehr, umfasst Lieferfahrzeuge. Sie beinhaltet Flugzeugbauer wie Airbus und Firmen, die Lokomotiven bauen, Baukonzerne, die für Infrastruktur sorgen, Flughafenbetreiber wie Fraport Börsen-Chart zeigen.

Und auch Energieversorger. Denn was nützt die scheinbar saubere Energie aus dem Akku, wenn diese aus einem Kohlekraftwerk stammt. Alles Themen, die sich mit alteingesessenen Unternehmen an der Börse umsetzen lassen, wie das Beispiel Energie zeigt.

"Wenn zum Beispiel der Energieversorger Statkraft an die Börse ginge, das wäre toll", sagt Häcker. "So bleiben Unternehmen wie die Verbund AG. Die erzeugen 90 Prozent ihrer Energie aus Wasserkraft. Sie haben die Kraftwerke, den Zugang zu den Seen - und damit sind diese besetzt".

Neben solchen Faktoren müssen aber auch die Bewertungen des Unternehmens an der Börse stimmen. Und die stimmen nur dann, wenn es auch in Zukunft Geld verdienen kann. Genau das ist nicht einfach vorherzusagen.

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