Dax-Geflüster Neue Mobilität elektrisiert Anleger noch nicht

Für Politiker ist Mobilität, vor allem saubere Mobilität, ein prägendes Thema des Jahrzehnts. Lässt sich das auch an der Börse nutzen? Anleger sollten bei der Suche nach neuen, innovativen Überfliegern auf jeden Fall behutsam vorgehen - und auch alteingesessene Unternehmen nicht vergessen.
Von Arne Gottschalck
Fahrspaß aus der Steckdose: Bewegt das Thema neue Mobilität auch die Börsen?

Fahrspaß aus der Steckdose: Bewegt das Thema neue Mobilität auch die Börsen?

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance / dpa

Hamburg - Der Flugzeugbauer Airbus kann zufrieden sein. Der neue Airbus 320 Neo, der dank vergleichsweise spritsparender Triebwerke 15 Prozent weniger Kerosin verbrennen soll, scheint zum Verkaufsschlager zu avancieren. Die indische Fluggesellschaft Indigo hat jüngst 150 dieser Jets bestellt. Genau das ist es, was viele Investoren suchen - technologische Entwicklungssprünge, die die Absatzzahlen eines Unternehmens in neue Höhen hebeln können.

Kein Wunder also, wenn die Analysten des Bankhauses Lampe die Einführung des Neo-Programms bereits im Januar lobten. Dabei sei der Flieger "längst nicht das Ende der Fahnenstange", sagt Thomas Bayreuther, Fondsmanager des Fonds Absolute Future Mobility. "Mit Wasserstoff betankt, das wäre es." Außerdem gäbe es andere Unternehmen, die auf dem Weg zu einer neuen Mobilität als erste profitieren würden.

Solche, die zum Beispiel Batterien herstellen oder auch deren Zulieferer. "Ohne sie wird das Thema E-mobility nicht zu machen sein. Nehmen Sie Polypore, das ist ein Zulieferer von den Membranen, die zwischen positivem und negativem Teil der Batterie sitzen. Das macht kaum einer, womit das Unternehmen in einem Oligopol aktiv ist", sagt Bayreuther. Stellt man in Rechnung, dass die Regierung in Sachen E-Mobilität aufs Tempo drückt - sollte man schon jetzt in solche Unternehmen investieren und gelassen auf den künftigen Boom warten?

Warnung vor Überschwang

Genau darin könnte auch die Gefahr liegen. "In diesem Bereich ist es leicht, Geschichten zu kaufen", warnt Gerd Häcker, der das Portfoliomanagement bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen verantwortet. "Aber genau das ist ein Fehler." Eine "Story" bedeute noch keine regelmäßigen Gewinne: "Warten Sie lieber ab. Ein solides Geschäft, das zählt".

Huber lobt Unternehmen wie Siemens . Das Unternehmen sei "auf allen Märkten aktiv, die Mobilität ausmachen." Denn Mobilität ist mehr als nur Autos. Mobilität umfasst den öffentlichen Nahverkehr, umfasst Lieferfahrzeuge. Sie beinhaltet Flugzeugbauer wie Airbus und Firmen, die Lokomotiven bauen, Baukonzerne, die für Infrastruktur sorgen, Flughafenbetreiber wie Fraport .

Und auch Energieversorger. Denn was nützt die scheinbar saubere Energie aus dem Akku, wenn diese aus einem Kohlekraftwerk stammt. Alles Themen, die sich mit alteingesessenen Unternehmen an der Börse umsetzen lassen, wie das Beispiel Energie zeigt.

"Wenn zum Beispiel der Energieversorger Statkraft an die Börse ginge, das wäre toll", sagt Häcker. "So bleiben Unternehmen wie die Verbund AG. Die erzeugen 90 Prozent ihrer Energie aus Wasserkraft. Sie haben die Kraftwerke, den Zugang zu den Seen - und damit sind diese besetzt".

Neben solchen Faktoren müssen aber auch die Bewertungen des Unternehmens an der Börse stimmen. Und die stimmen nur dann, wenn es auch in Zukunft Geld verdienen kann. Genau das ist nicht einfach vorherzusagen.

Keine automatische Geldmaschine

Zwar stellt zum Beispiel eine Umstellung des innerstädtischen Busverkehrs auf Elektrizität eine große Chance für die Unternehmen dar. "Nicht der Individualverkehr ist der große Hebel" sagt Bayreuther. "Eher die großen Flotten. Lieferwagen zum Beispiel. Oder der Öffentliche Nahverkehr, Busse zum Beispiel. Flottenbetreiber wie zum Beispiel UPS  oder die Gemeinden rechnen ja mit spitzem Bleistift."

Doch können die Unternehmen damit automatisch auch Geld verdienen? Häcker zweifelt.

"'Die Kommunen haben kein Geld", so Häcker. Zumindest nicht in Europa, wo die Folgen der Finanzkrise die Kassen leerten. Seine Mahnung: "Es ist meistens ein Fehler, sofort auf eine Geschichte aufzuspringen, das habe ich in 30 Jahren immer wieder gesehen. Warten Sie lieber - die Unternehmen müssen ja auch Geld verdienen."

Die Unternehmen selbst haben inzwischen begriffen, wie wichtig das Thema ist - oder zumindest dessen Signalwirkung. Siemens  hat eine eigene Mobilitätsdivision geschaffen. Schäffler bündelt seine Aktivitäten zum Thema Elektromobilität seit kurzem in einer eigenen Abteilung, dem Systemhaus eMobilität.

Und BASF  verkündet, einen dreistelligen Millionenbetrag in "Forschung, Entwicklung und Produktionsausbau von Batteriematerialen" stecken zu wollen. Investoren müssen dennoch genau hinsehen.

Geely änderte bereits den Kurs

Denn schnell kann es geschehen, dass ein Unternehmen den Kurs ändert und damit auch die Kompassnadel E-mobility aus den Augen verliert. "Das chinesische Unternehmen Geely war ein ganz großer Spieler auf diesem Markt", so Bayreuther. "Aber seit es Volvo  gekauft hat, nicht mehr".

Kein Wunder, wenn Häcker versucht, das Thema soweit wie möglich zu fassen. "Die Saft-Groupe  in Frankreich zum Beispiel beliefert auch die Hersteller von Schienenfahrzeugen mit Batterien." Ein internationales Geschäft und daher auf eventuelle Konjunkturverlangsamungen in hiesigen Breiten vorbereitet.

Das sehen auch andere Finanzexperten ähnlich: "In Emerging Markets sehen wir eine große Divergenz in Sachen Transportinfrastruktur", sagt Patrick Pastollnigg, Fondsmanager des Raiffeisen-Infrastruktur-Aktien: "Während Länder mit hoher Sparquote und Investitionsaufkommen wie China bereits in den letzten Jahren enorme Anstrengungen zum Aufbau einer modernen Transportinfrastruktur unternommen haben, zum Beispiel Highways, Schnellzugverbindungen oder Flughäfen, hinken andere Länder mit traditionell geringeren Investitionsquoten hinterher, zum Beispiel Lateinamerika".

Für Häcker ist die Schlussfolgerung aus dieser Analyse offensichtlich. "Strabag  ist in meinen Augen zu sehr auf Europa konzentriert. Bauer AG gefällt mir da besser, das ist ein grundsolider Mischkonzern, der in 70 Ländern aktiv ist. Das federt konjunkturelle Probleme in bestimmten Regionen besser ab."

Genau das richtige also für eine konjunkturelle Abkühlung - und trotzdem beim Trendthema dabei. Nun muss das Thema nur noch nachhaltig anspringen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.