Abwärtssog ThyssenKrupp verursacht eigenen Kursschwund

Um seinen gigantischen Schuldenberg weiter abzubauen, will ThyssenKrupp knapp 10 Prozent seines Grundkapitals verkaufen. Anleger zeigen sich wenig begeistert, der Aktienkurs bricht ein. Auch die Entlassung eines Bereichsvorstands wegen des Schienenkartells wirkt sich negativ aus.
ThyssenKrupp-Mitarbeiter in Bochum: Der Industriekonzern hat Schulden in Höhe von 6,5 Milliarden Euro angehäuft

ThyssenKrupp-Mitarbeiter in Bochum: Der Industriekonzern hat Schulden in Höhe von 6,5 Milliarden Euro angehäuft

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Essen - Insgesamt sollen 49,5 Millionen Aktien und damit 9,6 Prozent des Grundkapitals über ein beschleunigtes Bookbuildingverfahren bei institutionellen Investoren platziert werden, teilte ThyssenKrupp mit. Damit solle auch die Eigenkapitalbasis des Dax-Konzerns gestärkt werden.

Die Börse zeigte sich wenig begeistert von diesem Schritt. Kurz nach Börsenöffnung brachen die Aktien des Industriekonzerns  um 5,6 Prozent auf 32,80 Euro ein.

Der Schuldenberg des Industrie- und Stahlkonzerns ist drückend, zumal ThyssenKrupp zugleich in den kommenden Jahren Milliarden in seinen Technologiebereich und in Zukunftsmärkte von Schwellenländern investieren möchte. In den ersten sechs Monaten des noch bis zum 30. September laufenden Geschäftsjahres 2010/2011 war die Verschuldung um rund 2,7 Milliarden Euro auf knapp 6,5 Milliarden Euro kräftig angewachsen. Vor allem Anlaufverluste bei Stahlwerksprojekten in Brasilien und den USA gelten als ein gewichtiger Grund dafür.

ThyssenKrupp entlässt Bereichsvorstand Sehlbach

Auch an anderer Stelle läuft es nicht rund im Konzern. Das Kartellamt hat vor einer Woche Ermittlungen gegen zehn deutsche Stahlunternehmen bestätigt, den sogenannten "Schienenfreunden. Über Jahre hinweg sollen Mitarbeiter von ThyssenKrupp, Voestalpine und anderen Stahlfirmen die Preise auf dem deutschen Schienenmarkt abgesprochen haben.

ThyssenKrupp zieht deshalb nun offenbar personelle Konsequenzen. Auf Druck von Konzernchef Heinrich Hiesinger müsse Bereichsvorstand Uwe Sehlbach gehen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Zuletzt war Sehlbach im Geschäftsbereich Materials Services für Eisenbahntechnik verantwortlich. Dem Manager sei keine Verstrickung in das Kartell nachzuweisen, aber er habe die politische Verantwortung für den Fall übernehmen müssen, hieß es.

Die Preisabsprachen haben vor allem die Deutsche Bahn geschädigt. Der Schaden liegt laut Unterlagen von Kartellbeteiligten, die der Zeitung vorliegen, bei bis zu einer Milliarde Euro. Aufgeflogen war das Kartell durch eine anonyme Anzeige und einer Selbstanzeige von Voestalpine. Der österreichische Konzern hofft, als Kronzeuge von einem Bußgeld verschont zu werden

ThyssenKrupp hofft ebenfalls auf Milde: "Wir kooperieren vollumfänglich mit dem Bundeskartellamt und der Staatsanwaltschaft", sagte Thomas Kremer, im Konzern für Compliance verantwortlich. Die Ergebnisse einer internen Ermittlung würden zeitnah dem Bundeskartellamt vorgelegt.

mg/dpa-afx
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