Börse China und Portugal bremsen Dax

Die Abstufung portugiesischer Staatsanleihen durch Moody´s hat den Aktienmarkt am Mittwoch gebremst. Zudem belastet die erneute Erhöhung der Leitzinsen in China. Der Dax kann seine Verluste im späten Handel jedoch minimieren.
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New York / Frankfurt am Main - Sorgen um ein erneutes Aufflammen der europäischen Schuldenkrise haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch letztlich nur wenig belastet. Der Dax  schloss mit 0,1 Prozent im Minus bei 7.431 Punkten. Für den MDax ging es um 0,1 Prozent auf 11.073 Punkte nach unten, der TecDax  verlor 0,3 Prozent auf 899 Punkte.

Die Ratingagentur Moody's hatte am Vorabend die langfristigen portugiesischen Staatsanleihen auf "Ramsch"-Niveau abgestuft und damit erneut für Unsicherheit unter den Anlegern gesorgt.

Außerdem trübte sich in den USA die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor stärker als erwartet ein. Dass nun mit einem leicht rückläufigen Wachstum gerechnet wird, ist nach Einschätzung der NordLB-Experten allerdings "kein Beinbruch".

Eine weitere Leitzinserhöhung in China trübte außerdem die Stimmung: Die chinesische Notenbank hat ihre Geldpolitik abermals gestrafft. Die Zinserhöhung kommt allerdings nicht überraschend. Es ist die dritte in diesem Jahr und die fünfte Erhöhung im aktuellen Straffungszyklus seit Oktober 2010. Börsianer sorgen sich jedoch wie immer vor einer bremsenden Wirkung auf das Wirtschaftswachstum.

US-Einkaufmanagerindex trübt sich stärker als erwartet ein

In den USA hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor stärker als erwartet eingetrübt. Der entsprechende Index sei im Mai von 54,6 Punkten im Vormonat auf 53,3 Punkte gesunken, teilte das Institute for Supply Management am Mittwoch in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem geringeren Rückgang auf 53,7 Punkte gerechnet.

Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Indexstände von über 50 Punkten signalisieren eine wirtschaftliche Belebung, während Werte darunter auf einen Rückgang hinweisen. Ungeachtet dessen notierte der Dow Jones  zum Xetra Schluss in Deutschland mit 0,3 Prozent im Plus.

Finanzwerte leiden unter Moody´s Aussagen

Am Mittwoch gerieten die Finanzwerte nach den Moody's-Aussagen europaweit unter Druck. Die Aktien der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) büßten ebenso ein wie die Titel der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen). Analyst Christoph Schmidt vom Vermögensverwalter N.M.F. AG verwies darauf, dass die Zinsen für Kreditausfall-Versicherungen der europäischen Problemländer um 20 bis 70 Basispunkte gestiegen seien. "Sollte das Thema richtig aufkochen, dann droht wieder Unheil für die ganze Bankenwelt", warnte der Experte. Gerade die künftigen Geschäftsergebnisse der Commerzbank seien "sehr eng" an das Schicksal der europäischen Peripheriestaaten geknüpft.

Nebenwerte: Klöco und Rheinmetall im MDax gefragt

Zu den Favoriten im MDax  gehörten indes die Titel von Rheinmetall (Kurswerte anzeigen) , die sich um 1,2 Prozent auf 64,00 Euro verteuerten. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde in Kreisen der schwarz-gelben Koalition bestätigt, dass der umstrittene Verkauf von 200 "Leopard"-Kampfpanzern an Saudi-Arabien bereits unter Dach und Fach sei. Offenbar habe die Bundesregierung die Zustimmung Israels und der USA eingeholt, hieß es.

Beim Stahlhändler Klöckner & Co. (Kurswerte anzeigen) (KlöCo) sorgten Gerüchte um ein Interesse des US-Konkurrenten Reliance Steel für Kursgewinne von 2,84 Prozent auf 21,700 Euro, was den Spitzenplatz im Index der mittelgroße Werte bedeutete.

Bund will Privatisierungserlöse verdoppeln

Die Aktien der Deutschen Post (Kurswerte anzeigen) verloren 0,19 Prozent auf 13,23 Euro, auch für die Titel der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen)ging es nach unten, und zwar um 0,52 Prozent auf 10,58 Euro. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge die Privatisierungserlöse des Bundes im nächsten Jahr verdoppeln. In einer internen Liste des Ministeriums zum Haushalt fänden sich unter anderem die Privatisierungskandidaten Deutsche Post und Deutsche Telekom. Ein Händler sieht in dem Artikel eine kleine Belastung für die Aktien.

Portugal-Rating belastet Euro-Kurs

Der Kurs des Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich am Mittwoch etwas von seinen Vortagesverlusten erholt. Die Europäische Gemeinschaftswährung wurde im frühen Handel mit 1,4446 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,6920 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,4461 (Montag: 1,4500) Dollar festgesetzt.

Ölpreis legt zu

Die Ölpreise sind am Mittwoch im asiatischen Handel gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zu Auslieferung im August kostete 114,01 Dollar. Das waren 40 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kletterte um 81 Cent auf 97,70 Dollar.

In den USA gebe es zunehmend Signale für eine steigende Nachfrage nach Rohöl, sagten Händler. Die Lagerbestände könnten diese Woche zum fünften Mal in Folge gefallen sein. Die Daten werden am Donnerstag veröffentlicht. Auch die im Mai in den USA gestiegenen Auftragseingänge in der Industrie stützten die Ölpreise. Die USA sind der weltweit größte Ölverbraucher.

mg/dpa-afx
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