Börsenausblick Dax und Dow im Bann der Schulden

An der Börse steht erneut eine turbulente Woche bevor. Die Sorgen um Griechenland bleiben trotz neuer Hilfen aus Brüssel bestehen. Hinzu kommen die schwache US-Konjunktur sowie die dortige Staatsverschuldung. In Frankfurt und New York könnten die Kurse unter Druck geraten.  
Aktienhändler in den USA: Die Sorgen um die US-Konjunktur und die Schulden der Vereinigten Staaten werden größer

Aktienhändler in den USA: Die Sorgen um die US-Konjunktur und die Schulden der Vereinigten Staaten werden größer

Foto: MARK LENNIHAN/ AP

Frankfurt am Main - Nach der vorläufigen Entschärfung des griechischen Schuldenkrise und der vor der Tür stehenden US-Berichtssaison könne die freundliche Börsentendenz zwar zunächst anhalten, sagte Anne-Kristin Yasuda, Analystin bei der Landesbank Berlin. "Alles in allem dürfte sich jedoch in nächster Zeit angesichts der schwelenden Verschuldungskrise und anhaltenden Konjunktursorgen eine wieder unruhigere Kursentwicklung einstellen."

In der abgelaufenen Woche hat der Dax  mehr als 4 Prozent gewonnen und schloss am Freitag bei 7419 Zählern. In der ersten Juli-Woche dürfte sich die Ferienzeit bemerkbar machen - die Börsenumsätze dürften dünn ausfallen. Hinzu kommt, dass am Montag in den USA wegen des Unabhängigkeitsfeiertages die Börsen geschlossen bleiben.

Ungeachtet dessen erwarten Experten, dass kommende Woche auch an der Wall Street Druck auf die Kurse entstehen könnte. "Wir hatten wirklich gute Gewinne zum Ende des Quartals, deswegen würde es mich nicht verwundern, wenn es nun zu Gewinnmitnahmen kommt", sagte Chefökonom Peter Cardillo von Avalon Partners. Im Mittelpunkt werden die Arbeitsmarktzahlen von Juni stehen, die am Freitag veröffentlicht werden. Am Donnerstag geben Daten vom privaten Arbeitsvermittler ADP bereits Aufschluss über die Richtung, die der gebeutelte Arbeitsmarkt in den USA zu Beginn des Sommers eingeschlagen hat. Zusätzlich werden Auftragszahlen und Industriedaten in der Woche veröffentlicht.

Da viele Amerikaner den Feiertag am Montag nutzen, um länger in den Urlaub zu gehen, wird das Handelsvolumen an den Börsen wohl gering sein. Das könnte Ausschläge an den Aktienmärkten noch verschärfen. Schon in der abgelaufenen Woche waren die Umsätze niedrig.

US-Schuldenprobleme rücken in den Vordergrund

Die Aussicht auf eine baldige Lösung in der Griechenland-Krise hatte den Dow Jones  auf Wochensicht um 5,4 Prozent angehoben, den S&P-Index um 5,6 Prozent, die Nasdaq  um 6,2 Prozent. Es waren die höchsten Aufschläge seit Juli 2009. Da die Schuldenkrise in Europa zunächst im Griff zu sein scheint, fokussieren sich die Anleger wieder auf die Haushaltsprobleme in den USA. Derzeit kann die Regierung zwar trotz Erreichens der gesetzlich erlaubten Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar mit Hilfe von Sondermaßnahmen Rechnungen noch bezahlen. Doch am 2. August ist auch damit Schluss.

"Die große Sache am Horizont sind nur wieder die Schuldenprobleme der USA", fasste Analyst Rick Meckler von LibertyView Capital Management das Geschehen zusammen. Ende der kommenden Woche rückt dann auch die beginnende Berichtssaison auf die Tagesordnung. Traditionsgemäß gibt der Aluminiumkonzern Alcoa  als erstes großes US-Unternehmen Einblick ins abgelaufene Quartal. Er wird am 11. Juli seine Geschäftszahlen veröffentlichen. Die weltweite Verlangsamung des Wirtschaftswachstums könnte nach Einschätzung von Experten Schatten auf die Bilanzsaison werfen.

Spannend könnte es zudem am Donnerstag werden, wenn in New York eine außerordentliche Hauptversammlung der Nyse Euronext stattfindet, auf der die Aktionäre über die Fusionspläne mit der Deutschen Börse abstimmen sollen. Mehr als 50 Prozent der Stimmen sind notwendig - sonst platzt der Deal. Allerdings ist dies nur die erste Hürde, danach müssen noch die Aktionäre der Deutschen Börse und der Regulierungsbehörden zustimmen. Die beiden Marktbetreiber wollen die Transaktion bis Ende des Jahres in trockene Tücher haben.

EZB dürfte Zinsen erhöhen

Am Donnerstag ist auch wieder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt Showdown: Analysten rechnen damit, dass die Notenbanker den Leitzins in der Euro-Zone auf 1,5 von bisher 1,25 Prozent anheben werden. EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte jedenfalls in dieser Woche die Signalworte "hohe Wachsamkeit" hinsichtlich der Inflationsentwicklung gleich zwei Mal bei öffentlichen Veranstaltungen in den Mund genommen. Für die Marktteilnehmer war das ein klares Signal, dass die Währungshüter die Zinsen erhöhen werden. Denn für die EZB ist die Entwicklung in der gesamten Euro-Zone wichtiger als in einem relativ kleinen Land der Peripherie.

Trotzdem steht an den Märkten weiter Griechenland im Fokus. Denn obwohl die EU-Finanzminister am Wochenende die Zahlung von Geldern an die Griechen in die Wege geleitet haben, steht die längerfristige Lösung der Schuldenkrise weiter aus.

cr/rtr
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