Abschwächung des Wachstums Siemens-Vorstand erschreckt Investoren

Siemens berichtet von steigenden Umsätzen im laufenden dritten Quartal. Der Vorstand blickt aber skeptischer in die Zukunft und verschreckt damit die Anleger. Die Siemens-Aktie verliert in der Spitze rund 4 Prozent.
"Rückenwind wohl vorbei": Eine einzige Äußerung des Siemens-Finanzvorstandes Jo Kaeser schreckt am Dienstag die Investoren auf. Dabei hatte Kaeser auch von guten Umsätzen und Auftragseingängen im laufenden Quartal gesprochen

"Rückenwind wohl vorbei": Eine einzige Äußerung des Siemens-Finanzvorstandes Jo Kaeser schreckt am Dienstag die Investoren auf. Dabei hatte Kaeser auch von guten Umsätzen und Auftragseingängen im laufenden Quartal gesprochen

Foto: DPA

Shanghai/Frankfurt am Main - Der Elektrokonzern Siemens muss sich stärker anstrengen, um seine Wachstumsziele zu erreichen. "Der Rückenwind der Krisenerholung ist nun wohl vorbei", sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser am Dienstag vor Analysten in Schanghai.

Im dritten laufenden Quartal werde Siemens seinen Umsatz und Auftragseingang zwar deutlich steigern. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft aber - also bereinigt um die Zahlung von rund 650 Millionen Euro an den Atomkonzern Areva - werde nur leicht über den 1,4 Milliarden Euro aus dem Vorjahr liegen.

An der Börse kamen die Aussagen nicht gut an. Aktien von Siemens verloren gegen Mittag knapp 4 Prozent auf 89,26 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax. Die Verluste des Dax-Schwergewichtes belasteten den Leitindex, der rund 0,2 Prozent leichter bei 7096 Zählern notierte.

"Sollte der Finanzchef Recht behalten, ist das natürlich ein ziemlicher Dämpfer für die Anleger", sagte ein Börsianer. "Die Aussichten sind damit nicht besonders rosig und das verschreckt Investoren."

Gesundheitssparte lahmt weiter

Konzernchef Peter Löscher hatte bereits im Mai gesagt, dass mit einer Abschwächung des Wachstums zu rechnen sei. Für das Geschäftsjahr 2010/2011 (Ende September) hatte Löscher die Gewinnprognose auf "mindestens 7,5 Milliarden Euro" angehoben. Es wäre ein Sprung von 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz soll organisch im mittleren, einstelligen Prozentbereich zulegen.

"Unsere Wachstumsvorstellungen haben sich auch im dritten Quartal bestätigt", sagte Kaeser nun. Gerade der Auftragseingang dürfte durch den Großauftrag der Bahn für den neuen Fernzug ICx höher ausfallen als ein Jahr zuvor. Auch im Vergleich zu den 20,7 Milliarden Euro aus dem starken zweiten Quartal will Siemens noch einmal übertreffen. Der Umsatz soll über den 17,4 Milliarden Euro aus dem Vorjahr, aber auf dem Niveau des Vorquartals in Höhe von rund 17,7 Milliarden Euro herauskommen.

Für das Volumen und den Ertrag dürften die überwiegend guten Geschäfte im Industrie- und Energiesektor sorgen, während die Gesundheitssparte in Teilen weiter unter dem Wettbewerb leidet. Bei den Prognosen klammert Siemens die Siemens IT-Sparte und die Lichtsparte Osram aus, die als nicht fortgeführte Geschäfte erfasst werden. Osram soll im Herbst an die Börse gehen.

rei/dpa-afx/reuters
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