Aktien, Euro, Öl Kurze Atempause für den Dax

Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch eine Verschnaufpause eingelegt. Die erfolgreiche Vertrauensfrage der griechischen Regierung beruhigte die Anleger nach den Turbulenzen der vergangenen Tage. Der Frankfurter Aktienleitindex Dax stabilisierte sich bei 7278 Punkten.
Börse Frankfurt: Erleichterte Reaktion auf Griechenland-Entwicklung

Börse Frankfurt: Erleichterte Reaktion auf Griechenland-Entwicklung

Foto: DDP

Frankfurt am Main - Die Rückendeckung des griechischen Parlaments für die Reformpolitik des Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou hat Aktieninvestoren am Mittwoch nur kurz durchatmen lassen. Der Dax  schloss 0,1 Prozent im Minus bei 7285 Zählern, nachdem er zuvor Aufschläge von bis zu 0,3 Prozent verzeichnet hatte. Der MDax  schloss mit einem Plus von 0,09 Prozent bei 10 661,52 Punkten. Der TecDax  fiel um 0,16 Prozent auf 875,07 Punkte.

Am Dienstag hatte die Hoffnung auf ein positives Votum den deutschen Leitindex bereits um fast 2 Prozent steigen lassen. "Es war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, die nächsten Hürden liegen nun vor uns", erklärte Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg die zurückhaltende Marktreaktion. "Die politische Unsicherheit bleibt erhalten, und deshalb startet der Markt auch nicht durch."

Marktstratege Jörg Rahn von Marcard Stein & Co sieht eine griechische Pleite zunächst in den Hintergrund gerückt. Auszuschließen sei sie aber noch nicht. "Es ist zu früh, um grundsätzlich Entwarnung zu geben", sagte Rahn. Als nächstes muss Ministerpräsident Giorgos Papandreou sein Sparprogramm durchs Parlament bringen, dann sind die europäischen Geldgeber-Länder wieder am Zug und müssen unter anderem die Beteiligung privater Gläubiger an neuen Hilfen regeln. Klude warnte davor, dass ein Zahlungsausfall Griechenlands angesichts einer sich global abschwächenden Konjunktur nicht so leicht abgefedert werden und fatale Folgen haben könnte. Der EuroStoxx 50  schloss 0,2 Prozent im Minus. Der griechische Leitindex gab seine Gewinne ebenfalls ab und beendete den Tag 0,3 Prozent schwächer. Die US-Börsen notierten etwas fester.

Zu den größten Gewinnern im Dax gehörten Daimler-Titel  mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 48,91 Euro. Händlern zufolge kamen die Pläne für den Lkw-Markt gut an. Im Vergleich zu anderen Autoherstellern hätten die Daimler-Titel zudem erhebliches Aufholpotenzial, sagte ein Börsianer.

Merck-Titel führen Verliererliste an

Aktien der Deutschen Post legten zu, nachdem der US-Rivalen FedEx  Zuversicht verbreitet hatte: Der US-Konzern traut sich für das Geschäftsjahr 2011/2012 höhere Gewinne zu. Die FedEx-Papiere notierten in New York 2,8 Prozent fester, die Anteilsscheine der Deutschen Post beendeten den Tag mit einem Plus von 0,6 Prozent.

Auf der Verliererseite stand dagegen die Anteilsscheine von Merck  ganz oben. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern muss die Zulassungspläne für seinen Hoffnungsträger, das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, begraben. Die Aktien fielen 2,8 Prozent auf 73 Euro. Die Anteilsscheine von Siemens  gaben im Schlepptau eines enttäuschenden Marktausblicks des Konkurrenten Philips  um 0,8 Prozent auf 92,75 Euro nach. Der niederländische Elektronikkonzern rechnet in zwei von drei Geschäftsfeldern mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Dessen Aktien sackten um 8,8 Prozent ab.

Am Devisenmarkt blieb das große Durchatmen trotz der kurzfristigen Entspannung in Athen aus. Der Euro-Kurs  pendelte am Mittwoch nach dem Vertrauensvotum des griechischen Parlamentes für Ministerpräsident Giorgos Papandreou um seinem Vortagesschluss von 1,44 Dollar.

Wie groß die Verunsicherung über den Ausgang der europäischen Schuldenkrise ist, zeigen auch die Reaktionen am Rentenmarkt. Die Anleger steuerten vor allem die als sicher geltenden deutschen Papiere an. Der Bund-Future stieg um bis zu 45 Ticks auf ein Tageshoch von 126,34 Zählern. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Papiere fiel auf 2,948 nach 2,985 Prozent im Vortagesgeschäft zurück. Die griechischen Pendants zogen leicht an und warfen weiterhin über 17 Prozent ab. Die Kosten für die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Staatsanleihen lagen nach Angaben des Datenanbieters Markit bei 1,9 Millionen Euro und kosteten damit 67.000 Euro mehr als noch am Vortag.

Der deutliche Rückgang der US-Lagerbestände hat derweil dem Ölpreis am Mittwoch Auftrieb gegeben. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um gut ein Prozent auf 95,09 Dollar je Barrel. Der Preis für das Nordsee-Öl Brent zog um 2,3 Prozent auf 113,21 Dollar an.

kst/dpa/dpa-afxp/rtr
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