Börse Dax taumelt Richtung 7000 Punkte

Die trüben Konjunkturaussichten der USA sorgen dafür, dass der Dax seine Talfahrt fortsetzt. Auch die Aussicht auf neue Hilfen für Griechenland kann die Stimmung nicht erhellen. Finanztitel und Versorger notieren sehr schwach.
Unsichere Lage: Börsianer nehmen erst einmal Gewinne mit

Unsichere Lage: Börsianer nehmen erst einmal Gewinne mit

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Der Dax  schloss am Montag 0,3 Prozent im Minus bei 7084 Punkten. Der EuroStoxx50 beendete den Tag mit einem Abschlag von 0,8 Prozent. An den US-Börsen notierten die Indizes ebenfalls schwächer.

Die nach Darstellung Griechenlands erreichte Einigung von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) über ein Rettungspaket bewerteten Börsianer kritisch. "Die gleichzeitige Ankündigung weiterer Sparmaßnahmen macht eine Rezession wahrscheinlicher", sagte Arnaud Poutier, Co-Chef von IG Markets in Frankreich. "Wir kaufen uns hier womöglich nur etwas mehr Zeit."

Bankentitel europaweit sehr schwach

Zu den größten Verlierern an den europäischen Börsen zählten deshalb Bankentitel. Titel der Deutschen Bank  gaben 1,9 Prozent nach, Credit Agricole verloren 2,8 Prozent, Lloyds schlossen sogar 3,8 Prozent im Minus.

Am Freitag hatten zudem überraschend schwache Daten vom Arbeitsmarkt neue Ängste geschürt, der US-Wirtschaft könnte schon wieder die Puste ausgehen. "Die trüben Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung in den USA sorgen an allen europäischen Märkten für Unbehagen", konstatierte Manoj Ladwa von ETX Capital.

Atomausstieg beschlossen: Aktien der Versorger bröckeln weiter

Auf der Verliererseite fanden sich erneut die Versorger wieder. Das Bundeskabinett hat am Montag den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. "Viel schlechter hätte der Nachrichtenfluss für die Versorger ja bislang gar nicht laufen können. Man hört auch nichts Konkretes, wie sie sich jetzt umorientieren und für die schwierige Zukunft aufstellen wollen", sagte ein Händler. Er sehe derzeit einfach keinen Grund, die Aktien zu kaufen.

Eon (Kurswerte anzeigen) und RWE (Kurswerte anzeigen) verloren 2,2 beziehungsweise 0,8 Prozent. Seit Jahresbeginn haben die Papiere gut 18 beziehungsweise knapp 24 Prozent an Wert eingebüßt.

Areva in Frankreich schwächer

Auch in Frankreich hat die Diskussion um die Atomenergie mittlerweile die Börse erreicht: Die Forderung der französischen Grünen nach einem Ausstieg aus der Kernkraft ließ Areva um 2,7 Prozent auf 28,50 Euro ins Minus rutschen. Die Grünen hatten eine Beteiligung an einer möglichen Regierungskoalition mit den Sozialisten an die Bedingung geknüpft, dass die 58 Atomkraftwerke im Land abgeschaltet werden.

Das sei zwar an sich nichts Neues, sagte ein Händler in Paris. "Die Frage ist nur: Sehen wir bei den Wahlen im kommenden Jahr eine ähnliche grüne Welle wie derzeit in Deutschland? Ich bezweifle das, aber Börsianer bleiben bei dem Sektor auf der Hut."

Bayer gegen den Trend gefragt

Zugegriffen haben Anleger am deutschen Aktienmarkt dagegen vor allem bei Bayer  , die sich um 1,5 Prozent auf 56,25 Euro verteuerten. Die Investoren honorierten, dass der Pharmakonzern mit der Entwicklung eines neuen Medikaments gegen Prostatakrebs unerwartet rasch voran kommt. Abgestraft wurden die europäischen Fluglinien.

Die Halbierung der Gewinnprognose für die Luftfahrt-Branche durch den Verband IATA belastete die Aktien. In Frankfurt büßten Lufthansa ein Prozent ein, in Paris gaben Air France-KLM 1,4 Prozent nach. Die Aktien der aus der Fusion von British Airways und Iberia hervorgegangene ICAG gaben drei Prozent nach.

Die deutliche Senkung der Gewinnprognose sei zwar sehr negativ, komme aber nicht völlig überraschend, sagte Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet. Lufthansa sei wegen des starken konjunkturellen Aufschwungs in Deutschland absehbar wohl weniger betroffen als andere Fluglinien.

la/reuters
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