Börse Anleger wetten auf Hilfen für Hellas

Gerüchte über neue Hilfen für Griechenland heben die Stimmung am Aktienmarkt. Der Dax legt deutlich zu. BASF vollzieht nach einer Empfehlung durch Goldman Sachs einen Kurssprung. Auch Siemens und Solartitel klettern - die Unternehmen profitieren vom geplanten Atomausstieg.
Proteste in Griechenland gegen die Sparmaßnahmen: Die Hoffnungen auf neue Kredite steigen

Proteste in Griechenland gegen die Sparmaßnahmen: Die Hoffnungen auf neue Kredite steigen

Foto: JOHN KOLESIDIS/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die Hoffnung auf eine Lösung für die griechische Schuldenkrise hat am Dienstag an den internationalen Finanzmärkten für Erleichterung gesorgt. Schlechter als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten sorgten am Nachmittag allerdings für einen leichten Dämpfer.

Der Dax (Kurswerte anzeigen) legte um knapp 2 Prozent auf 7293,69 beziehungsweise 2859 Punkte zu. Der Euro verteuerte sich auf 1,4376 Dollar, nach 1,4272 Dollar zum EZB-Fixing des Vortages.

An der Wall Street gewann der US-Standardwerteindex Dow Jones bis zum Handelsschluss in Deutschland 0,5 Prozent. Dem "Wall Street Journal" zufolge will die Bundesregierung Griechenland entgegenkommen, indem sie zusätzliche Kredite nicht mehr von der kurzfristigen Beteiligung privater Gläubiger abhängig macht.

"Dass Griechenland nicht zu einer umfassenden Restrukturierung gezwungen wird, kommt gut an", sagte Aktienmarkt-Experte Ian King vom britischen Versicherer Legal & General. Die Aussicht auf einen Kompromiss dämpfe zwar die Verunsicherung der Märkte. "Wir sind aber noch nicht über den Berg", betonte er.

Nokia schockt Anleger mit Gewinnwarnung

Unterdessen schockierte Nokia seine Eigner mit einer Gewinnwarnung. Die Aktien des finnischen Handy-Herstellers brachen daraufhin um bis zu 18 Prozent auf 4,72 Euro ein und waren damit so billig wie seit Anfang 1998 nicht mehr. Börsianer sprachen von einer "Katastrophe". "Jetzt kommt die ganze Wahrheit über die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit von Nokia ans Licht", betonte Analyst Jari Honko von der Swedbank.

BASF profitiert von Goldman-Analyse

Bei ruhiger Nachrichtenlage aus den Unternehmen kletterten die Papiere des Chemiekonzerns BASF (Kurswerte anzeigen) mit plus 3,78 Prozent auf 64,26 Euro an die Dax-Spitze. Die Chemietitel hatten seit Anfang Mai bis zu 15 Prozent verloren und Händler sehen entsprechend Erholungspotenzial. Zusätzlichen Auftrieb gab ein positiver Kommentar von Goldman Sachs-Analyst Richard Logan, der das Kursziel anhob und die Papiere auf seiner Empfehlungsliste beließ.

Windkraft: Chancen für Siemens

Aktien von Siemens (Kurswerte anzeigen) zählten mit plus 2,89 Prozent auf 93,00 Euro ebenfalls zu den Favoriten. Unicredit-Analyst James Stettler zufolge ist der Konzern mit seinen Gas- und Windturbinen sowie zahlreichen energieeffizienten Lösungen gut positioniert für den Atomausstieg Deutschlands.

Volkswagen legte wie erwartet das offizielle Übernahmeangebot für den Münchner Lastwagenbauer MAN vor. Die Aktie von MAN schloss mit plus 0,28 Prozent auf 96,80 Euro als drittschwächster Wert im Leitindex, VW waren mit minus 0,28 Prozent bei 123,40 Euro einzige Verlierer und schwächster Wert im Dax.

Entspannung an den Anleihemärkten

"Endlich tut sich wieder was in der scheinbar unendlichen Schulden-Debatte", fasste ein deutscher Börsianer die Stimmung zusammen. Aber auch er warnte vor Euphorie: "Wer weiß, ob sich hier wirklich eine Ausweg anbahnt, oder es doch nur wieder ein Zwischenschritt in Richtung Ende des Tunnels ist."

Die Aussicht auf einen Kompromiss sorgte auch am Anleihemarkt für Entspannung. Die Risikoaufschläge (Spreads) für zehnjährige griechische Papiere im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren gingen zwar deutlich zurück, lagen aber immer noch bei mehr als 13 Prozent. Gleichzeitig verbilligten sich die Kosten zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Kredites mittels Credit Default Swaps (CDS) um 43.000 auf 1,4 Millionen Euro.

Dank der Euro-Aufwertung verbilligte sich Gold für Investoren aus dem Währungsraum um 0,7 Prozent auf 1068,54 Euro je Feinunze (31,1 Gramm). Der Dollar-Preis blieb dagegen fast unverändert. Die Abwertung der US-Valuta machte auch Rohöl attraktiver. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich 1,7 Prozent auf 116,65 Dollar je Barrel (159 Liter).

US-Hauspreise enttäuschen

Die schlechter als erwartet ausgefallenen US-Hauspreise sowie die Stimmungsbarometer der Chicagoer Einkaufsmanager und der US-Verbraucher deuteten auf einen möglichen Rückfall der US-Konjunktur in die Rezession hin, sagte Finanzmarkt-Experte Tomas di Galoma vom Vermögensberater Oppenheimer & Co. "Vor allem, wenn die Ausgaben staatlichen Ausgaben in den kommenden sechs Monaten zurückgefahren werden.

Banken europaweit gefragt

Von den Kompromiss-Signalen aus Berlin profitierten die Banken besonders stark, da sie die größten privaten Gläubiger Griechenlands sind. Der europäische Branchenindex legte ein Prozent zu. Die darin gelisteten griechischen Institute EFG Eurobank, National Bank und Alpha Bank gewannen zwischen 8,5 und elf Prozent. Deutsche Bank notierten zwei Prozent fester bei 41,41 Euro. Unicredit und Societe Generale gewannen jeweils rund 2,5 Prozent, Banco Santander sogar gut vier Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere deutlich auf 2,79 (Vortag: 2,74) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,26 Prozent auf 123,54 Punkte. Der Bund Future gab 0,28 Prozent auf 125,34 Punkte ab. Der Euro legte zu: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4385 (1,4272) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6952 (0,7007) Euro.

Rei/mg/dpa-afx/reuters
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