Börse Finanztitel ziehen Dax ins Plus

Die europäischen Aktienmärkte sind den US-Börsen am Mittwoch ins Plus gefolgt. Die Kursaufschläge auf beiden Seiten des Atlantiks begründeten Börsianer mit einer technischen Gegenreaktion, nachdem die großen Indizes auf Wochensicht bisher Federn lassen mussten.
Händler in Frankfurt: Kursgewinne zum Handelsschluss

Händler in Frankfurt: Kursgewinne zum Handelsschluss

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax schloss 0,3 Prozent fester bei 7170 Punkten. Der MDax (Kurswerte anzeigen) verlor dagegen 0,1 Prozent auf 10.633 Zähler. Der TecDax (Kurswerte anzeigen) notierte mit 898 Punkten knapp über dem Vortagsstand. Der EuroStoxx50  legte um 0,6 Prozent auf 2817 Zähler zu. Die wichtigsten Börsenbarometer an der Wall Street verzeichneten ebenfalls leichte Aufschläge. "Rosig sieht es deshalb noch lange nicht aus", schränkte ein Börsianer in Frankfurt ein. David Thebault, Chefhändler bei Global Equities in Paris sagte: "Es wird am Markt so lange keine großen Käufer geben, bis es in der Schuldenfrage Griechenlands keine endgültige Lösung gibt."

Die sozialistische Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou wirbt derzeit mit Nachdruck um die Unterstützung der Griechen für einen härteren Sparkurs. Seit Anfang Mai hat der Dax gut 5 Prozent verloren. Der EuroStoxx50 büßte in dieser Woche bisher mehr als ein Prozent ein.

Auf Erholungskurs gingen in Europa vor allem Bankaktien. Der Stoxx-Branchenindex gewann 2,2 Prozent, liegt auf Drei-Monats-Sicht aber noch immer 16 Prozent im Minus. Größter Gewinner sowohl in dem Stoxx-Index als auch im Dax waren die Titel der Commerzbank (Kurswerte anzeigen), die um 6,1 Prozent auf 3,20 Euro zulegten. Die Analysten von Macquarie stuften die Commerzbank um zwei Stufen hoch auf "Outperform" von "Underperform" und nahmen die Aktien von der "Conviction Sell List". Eine attraktive Bewertung, gute Perspektiven für das operative Geschäft und die brummende deutsche Konjunktur hätten den wesentlichen Ausschlag für die Entscheidung gegeben, begründete Macquarie.

Ein Händler verwies zudem darauf, dass einige Käufer erst die Kapitalerhöhung abgewartet hätten und andere sich zunächst auf noch höhere Abschläge bei den Papieren eingestellt hätten und nun umschwenken müssten. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank  verteuerten sich um 1,6 Prozent.

Zu den Dax-Gewinnern zählten auch die Versorger: Eon- (Kurswerte anzeigen) und RWE- Titel  legten um 2,3 beziehungsweise 1,9 Prozent zu. In der Bundesregierung gibt es Überlegungen, die Brennelementesteuer im Zuge der geplanten Energiewende wieder zu streichen. Eine Entscheidung darüber solle am 6. Juni im Bundeskabinett fallen, hieß es in Regierungskreisen. Das wäre für die Unternehmen eine positive Überraschung, schrieb LBBW-Analyst Bernhard Jeggle.

Lufthansa- Papiere  legten nach den heftigen Verlusten wegen der Aschewolke aus Island wieder 1,1 Prozent auf 14,97 Euro zu. "Der Vulkan in Island spuckt ja offensichtlich keine Asche mehr, und im Vergleich zum vergangenen Jahr waren die Probleme diesmal wirklich klein", sagte ein Händler. Seit dem Ausbruch des Vulkans Ende vergangener Woche waren Lufthansa-Aktien um insgesamt sechseinhalb Prozent gefallen. Bei anderen europäischen Fluggesellschaften zeichnete sich der gleiche Trend ab: Ryanair -Anteilsscheine  gewannen 1,7 Prozent, der Aktienkurs von Air France-KLM (Kurswerte anzeigen) stieg um 1,6 Prozent. Die Aktien der aus der Fusion von British Airways und Iberia hervorgegangenen IAG stiegen um 1,5 Prozent.

Weit oben auf der Verliererseite standen dagegen Bayer-Aktien  mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 55,75 Euro. Der Pharmakonzern vermeldete zwar Fortschritte bei der Entwicklung des Thrombosemittels Xarelto, ähnliche Ergebnisse seien aber bereits in der Bewertung des Aktienkurses eingeflossen, zitierten Händler aus einer Kurzstudie der WestLB. Größter Dax-Verlierer waren die Titel von Fresenius Medical Care (Kurswerte anzeigen) mit einem Abschlag von 1,2 Prozent auf 49,35 Euro. Getrennt haben sich die Anleger zudem von Siemens -Aktien , die sich um 0,9 Prozent verbilligten. Die US-Regierung hat Kunden des Münchener Konzerns vor möglichen Sicherheitsmängeln in Siemens-Software gewarnt. Siemens wies die Vorwürfe zwar zurück, die offizielle Warnung der US-Regierung mache aber nicht gerade Lust auf die Aktien, sagte ein Händler.

Öl etwas schwächer

Hin- und hergerissen zwischen Schuldenkrise und positiven Wachstumsprognosen der OECD hat der Euro am Mittwoch keine klare Richtung gefunden. In einem nervösen Handel pendelte die Gemeinschaftswährung die meiste Zeit in einer Spanne zwischen 1,40 und 1,41 Dollar. Zuletzt kostete sie 1,4076 US-Dollar und damit etwas weniger als im frühen asiatischen Handel. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank (EZB) am Nachmittag auf 1,4069 (Dienstag: 1,4089) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7108 (0,7098) Euro.

Die Ölpreise haben am Mittwoch einen Teil ihrer Vortagsgewinne abgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Juli kostete im frühen Handel 111,59 Dollar. Das waren 94 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 96 Cent auf 98,63 Dollar. Am Dienstag hatten die Ölpreise noch um mehr als zwei Dollar zugelegt.

Ausschlaggebend für die zuletzt schwächere Tendenz am Ölmarkt sei der wieder stärkere Dollar, hieß es am Markt. Seit Monaten wird der Ölpreis stark vom Kurs der US-Währung bewegt. Hintergrund ist, dass der Dollarkurs die Ölnachfrage aus Ländern außerhalb des Dollar-Raums beeinflusst. Eine starke US-Währung drückt in aller Regel die Nachfrage aus diesen Ländern.

Trotz relativ niedriger Renditen von nur rund drei Prozent stehen die deutschen Bundesanleihen bei den Anlegern weiter hoch im Kurs. Die Bundesfinanzagentur versteigerte am Mittwoch zehnjährige Bundesanleihen im Volumen von 4,2 Milliarden Euro. Die Überzeichnungsquote lag mit 1,7 höher als beim letzten Verkauf im April mit 1,4. Dabei war die durchschnittliche Rendite mit 3,04 (April 3,28) Prozent deutlich niedriger.

Die Favorisierung der Bundesanleihen spiegelte sich auch im Tagesgewinn des Bund-Future wider, der zeitweise 50 Ticks auf 125,23 Punkte zulegte. Die Rendite der ihm zugrundeliegende zehnjährige Bundesanleihe näherte sich derweil mit 3,05 Prozent immer mehr der Drei-Prozent-Marke an. Unter drei Prozent lag die Rendite zuletzt im Januar. Zum Vergleich: Griechenland muss den Anlegern bei zehnjährigen Anleihe rund 17 Prozent zahlen, Portugal von 10 Prozent und Irland mehr als 11 Prozent. Auslöser des neuerlichen Runs auf die deutschen Papiere waren Meldungen aus Athen, wonach die Regierung ein Referendum über das unpopuläre Sparprogramm plant. Ministerpräsident Giorgos Papandreou wies die Berichte zurück. Auch beteuerte er, seine Regierung wolle auch nicht über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone abstimmen lassen.

mg/dpa-afx
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