Freitag, 21. Februar 2020

Börsengang Rohstoff-Preisrutsch verpasst Glencore einen Dämpfer

Glencore-Zentrale im schweizerischen Baar: Verschwiegener Herrenbund meets Börse

Es ist ein Börsengang inmitten starker Preisturbulenzen: Die Aktien des Rohstoffhändlers Glencore starteten heute in London unter Ausgabepreis, doch dürfte am Ende des ersten Handelstags trotzdem der Aufstieg in den Leitindex FTSE 100 gelingen. Ob die verschwiegenen Glencore-Manager darauf vorbereitet sind, ist fraglich.

Hamburg - Die Erwartungen waren hoch: Nach einer zweiwöchigen Roadshow hatte der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore in der vergangenen Woche bereits einen Tag früher als geplant seine Bücher geschlossen. So hatten die beteiligten Banken etwas länger Zeit, um den heutigen Megabörsengang in London bis ins kleinste Detail vorzubereiten.

Seit vergangener Woche wurde die Aktie bereits am inoffiziellen Graumarkt gehandelt, heute (24. Mai) hat der offizielle Handel an der Londoner Börse begonnen. Es ist der größte Börsengang seit dem IPO von General Motors im vergangenen November.

Hoffnungen auf einen Kurssprung der Glencore-Aktie wurden zu Beginn des offiziellen Handels jedoch enttäuscht. Die Aktie wurde am Vormittag in London bei 524 Pence gehandelt und befand sich damit rund 2 Prozent im Plus gegenüber der Graumarkt-Notierung vom Vortag. Der offizielle Ausgabepreis der Aktie lag jedoch bei 530 Pence. In Hongkong werden die Papiere ab Mittwoch gehandelt.

Preisrutsch an den Rohstoffmärkten verhagelt das Börsendebüt

Die Preise an den Rohstoffmärkten waren in den vergangenen Tagen nach unten gerauscht - dies hatte auch die Glencore-Aktie im Graumarkt belastet. Zudem hatte Glencore-Chef Ivan Glasenberg noch die Preisspanne für den Börsengang kurz vor Ende des Bookbuildings deutlich angehoben. Vielen Investoren wurde in den vergangenen Tagen vorgeführt, welch starken Schwankungen ihr Rohstoff-Investment ausgesetzt ist.

Glencores Schritt aufs Parkett wird aller Voraussicht nach der größte Börsengang, den die Londoner City je erlebt hat. Dabei bringt der Rohstoffhändler nur rund 20 Prozent seiner Anteile an die Börse und will damit rund sieben Milliarden Euro erlösen. Die übrigen Anteile bleiben weiterhin in Händen von 500 Glencore-Managern, denen der Rohstoffhändler bisher vollständig gehörte.

Marktwert von knapp 40 Milliarden Euro - Durchmarsch in den FTSE

Ab heute wird sich für die verschworene Gemeinschaft der Glencore-Eigentümer im Steuerparadies Zug in der Schweiz einiges ändern. Mit einem voraussichtlichen Marktwert von knapp 40 Milliarden Euro wird der Schweizer Rohstoffhändler wohl gleich nach dem ersten Handelstag in den Londoner FTSE-Index aufgenommen werden. Nicht schlecht für eine Handelsfirma, die vor 37 Jahren mit fünf Partnern in einer Zuger Anwaltskanzlei begann.

Bisher haben nur Großinvestoren umfassenden Einblick in die wie ein Staatsgeheimnis gehüteten Glencore-Bücher bekommen. Der Fonds Aabar Investments aus Abu Dhabi soll mit 850 Millionen Dollar größter Einzelinvestor sein. Der saudische Milliardär Prince Alwaleed bin Talal und seine Investmentgesellschaft haben offenbar 400 Millionen Dollar in Glencor gesteckt und damit 3,6 Prozent der Aktien erworben. Außerdem sind verschiedene Staatsfonds, bekannte Namen wie Blackrock und große Banken wie die Credit Suisse als Ankerinvestoren im Gespräch.

Großinvestoren werden insgesamt fast ein Drittel der angebotenen Aktien kaufen. "Wir freuen uns über das große Interesse der Investoren an unserem Geschäftsmodell", sagte Glencore-Chef Glasenberg, der mit rund 15 Prozent der Aktien selbst der größte Einzelaktionär bleibt.

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