Aktien-Verkäufe US-Regierung droht beim AIG-Ausstieg Verlustgeschäft

Die teuerste Rettungsaktion während der Finanzkrise könnte den USA herbe Verluste bescheren: Um die Staatsschulden in den Griff zu kriegen, will die Obama-Regierung Anteile an dem verstaatlichen Versicherer AIG verkaufen - doch der schwache Aktienkurs drückt den erhofften Gewinn.
AIG-Zentrale in New York: Aktien haben seit März 34 Prozent an Wert verloren

AIG-Zentrale in New York: Aktien haben seit März 34 Prozent an Wert verloren

Foto: MARIO TAMA/ AFP

New York - Die USA ziehen sich aus dem staatlich gestützten Versicherungsriesen American International Group (AIG ) zurück: Die Regierung will zunächst allerdings nur einen kleinen Teil ihrer Aktien auf den Markt werfen. Am Mittwoch kündigte AIG an, dass der Staat 200 Millionen Aktien und das Unternehmen selbst 100 Millionen Aktien verkaufen wolle. Sollte die Nachfrage nach den Papieren stark genug sein, könnten von Staatsseite weitere 45 Millionen Aktien folgen. Den Termin für den Verkauf ließ der Versicherungskonzern offen.

Noch ist unklar, ob der Staat dabei wie erhofft einen Gewinn einstreichen kann. Beim derzeitigen Kurs von knapp 30 Dollar würde der Verkauf über die Börse ein Volumen von rund 9 Milliarden Dollar haben. Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf eingeweihte Personen bereits über eine derartige Größenordnung berichtet und angemerkt, dass sich die Regierung ursprünglich Einnahmen von bis zu 25 Milliarden Dollar erhofft hatte. Der Kurs der wenigen momentan frei gehandelten Anteilsscheine ist so niedrig, dass dem Steuerzahler im schlimmsten Falle sogar ein Verlust droht.

Seit Mitte Mai haben die Papiere 34 Prozent an Wert verloren. Und der einst weltgrößte Versicherer und Allianz-Rivale AIG schreibt immer wieder Verluste: Vorbörslich gab das Papier weiter nach und bewegte sich auf 28,70 Dollar zu - das ist jener Preis, den der Steuerzahler mindestens einnehmen muss, damit er ohne Verluste aus der Rettungsaktion herauskommt. Das "Wall Street Journal" hat bereits spekuliert, dass der Aktienverkauf am Ende ganz abgeblasen werden könnte, wenn der Kurs weiter sinkt.

Die US-Regierung steht wegen des staatlichen Schuldenrekords unter Druck, sich aus Firmen zurückzuziehen, die sie in der Krise gestützt hat. Sie muss derzeit so viel Geld wie möglich flüssig machen, um die Verhandlungen über eine Ausweitung der gesetzlichen Schuldenobergrenze zu erleichtern. Der einst weltgrößte Versicherer war nach riskanten Wertpapiergeschäften in der Finanzkrise kollabiert und wurde mit Staatshilfen über 182 Milliarden Dollar gerettet - es war die teuerste Rettungsaktion in der Finanzkrise.

Durch den Verkauf von Tochtergesellschaften hat AIG einen Teil seiner Schulden bereits abbezahlt. Noch hält der Staat 92,1 Prozent der Aktien. Kommt ein großer Schwung dieser Anteile auf den freien Markt, droht der Kurs weiter abzurutschen. AIG ist eine der letzten großen Baustellen, die aus der Wirtschafts- und Finanzkrise übrig geblieben sind.

lg/rtr/dpa