Börse ThyssenKrupp begeistert Händler

Ein Kurssprung bei ThyssenKrupp stützt den Dax am Freitag. Börsianer begrüßen die angekündigte massive Umstrukturierung des Stahlkonzerns, die Aktie steigt um bis zu 7 Prozent. Die Papiere der Commerzbank profitieren von der Vorlage der endgültigen Quartalszahlen.
ThyssenKrupp: Vorstandschef Heinrich Hiesinger will sich von zahlreichen Geschäftsbereichen trennen, Börsianer begrüßen die Umbaupläne

ThyssenKrupp: Vorstandschef Heinrich Hiesinger will sich von zahlreichen Geschäftsbereichen trennen, Börsianer begrüßen die Umbaupläne

Foto: ddp

Frankfurt am Main - Der Dax  stieg zuletzt um 0,55 Prozent auf 7417,66 Punkte. Der MDax  mittelgroßer Werte gewann 0,45 Prozent auf 10.588,43 Punkte. Der TecDax  rückte um 0,24 Prozent auf 917,09 Punkte vor.

"Gestern schon hat der Dax einiges von den schlechten Vorgaben der Überseebörsen vorweggenommen", sagte Chefhändler Oliver Roth von der Investmentbank Close Brothers Seydler. "Zudem zieht ThyssenKrupp den Markt mit nach oben." Insgesamt aber sei es noch recht ruhig, denn es werde auf den US-Arbeitsmarktbericht vom April gewartet, der am Nachmittag veröffentlicht wird. "Der dürfte großen Einfluss haben und letztlich die Richtung im Dax heute bestimmen."

Kurssprung bei ThyssenKrupp

Um kräftige 6,82 Prozent auf 31,88 Euro legte die ThyssenKrupp -Aktie  zu, nachdem der neue Chef des hochverschuldeten deutschen Stahlherstellers massive Restrukturierungsschritte angekündigt hat. Heinrich Hiesinger will sich von zahlreichen Geschäftsbereichen. Ein entscheidender Schritt dabei sei die Trennung von BA Stainless Global, meinte Commerzbank-Analyst Analyst Ingo-Martin Schachel und beließ die Aktie auf "Buy" mit einem Kursziel von 45 Euro. Das Lufthansa -Papier  profitierte von positiven Quartalszahlen der Konkurrenz und stieg um etwas mehr als 4 Prozent.

Die BASF -Titel  dagegen konnten nach Vorlage des Geschäftsberichts ihre frühen Gewinne nicht halten und gaben um 0,59 Prozent auf 65,61 Euro nach. Zwar fielen die Zahlen zum ersten Quartal auf den ersten Blick besser als prognostiziert aus, doch wurden Aussagen zur Ergebnisprognose 2011 unterschiedlich interpretiert. Die Aktien der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen) fielen nach mit Enttäuschung aufgenommenen Zahlen um 0,22 Prozent auf 11,140 Euro.

Commerzbank mit positivem Geschäftsbericht

Um 1,48 Prozent auf 4,247 Euro hingegen stiegen die Anteilsscheine der teilverstaatlichten Commerzbank  nach endgültigen Quartalszahlen. Zudem hieß es, dass die Sonderzahlung an den Bankenrettungsfonds Soffin den Gewinn der Commerzbank voraussichtlich nicht schmälern werde. Auf der laufenden Hauptversammlung nun sollen die Aktionäre außerdem über die 11 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung abstimmen.

Im MDax nahmen die Titel von Klöckner & Co. (Kurswerte anzeigen) (KlöCo) nach der Ankündigung eines Zukaufs in Brasilien den Spitzenplatz ein und stiegen um 3,02 Prozent auf 24,75 Euro. "Akquisitionen haben letztlich bisher nie gegen die Aktien von KlöCo gearbeitet", sagte ein Börsianer. Der Duisburger Stahlhändler hatte am Morgen bekannt gegeben, die Mehrheit an der Frefer Group zu übernehmen.

Am Index-Ende notierten die Aktien der Gea Group  mit minus 3,84 Prozent auf 22,905 Euro nach schwächer als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen. Der Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall  steigerte zwar dank der anziehenden Autokonjunktur im ersten Quartal den Gewinn kräftig, doch auch diese Aktie zählte zu den Verlierern und sank zuletzt um 0,60 Prozent auf 59,190 Euro.

Euro und Öl leicht erholt

Der Euro  hat sich am Freitag nach den kräftigen Vortagsverlusten leicht erholt und deutlich von der Marke von 1,45 Dollar abgesetzt. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,4567. Ein Dollar war zuletzt 0,6862 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,4814 (Mittwoch: 1,4882) Dollar festgesetzt. Anschließend war der Euro nach der EZB-Pressekonferenz zur Zinsentscheidung kräftig abgerutscht und wäre im US-Handel fast unter 1,45 Dollar gefallen.

Der Markt warte nun auf den US-Arbeitsmarktbericht, sagten Händler. Sollte dieser enttäuschen, könnte der Dollar weiter zulegen, da sich die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt der Federal Reserve dann weiter nach hinten verlagern dürfte. Auch ein weiterer Preisverfall an den Rohstoffmärkten, die am Vortag einbrachen, sollte die US-Währung stützen.

Die Ölpreise haben am Freitag nach den kräftigen Vortagsverlusten leicht zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Juni kostete zuletzt 111,32 Dollar. Das waren 75 Cent mehr als am Donnerstag. Ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 40 Cent auf 100,20 Dollar.

Händler machten die verhaltene Erholung des Euro zum Dollar für die Bewegungen verantwortlich. Am Donnerstag hatte die kräftig anziehende US-Währung Rohöl für nicht aus dem Dollar-Rraum stammende Anleger teurer gemacht und damit die Nachfrage gedämpft. Markteilnehmer wollten weitere Preisrückgänge beim Öl nicht ausschließen. Der jüngste Anstieg sei lediglich eine Reaktion auf die deutlichen Verluste am Vortag, hieß es. Weitere negative Konjunkturdaten, zum Beispiel vom US-Arbeitsmarkt im Tagesverlauf, könnten die Ölpreise erneut unter Druck setzen.

mg/dpa-afx