Rohstoffe Gold, Silber und Öl im freien Fall

Der steigende Dollar-Kurs hat einen Kursrutsch an den Rohstoffmärkten ausgelöst. Allein der Preis für Silber brach um 11 Prozent ein, aber auch Gold und Öl gerieten kräftig unter Druck. Verantwortlich für den starken Dollar soll EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sein.
Gold und Silber: Der Euro brach nach der EZB-Ratssitzung auf 1,45 Dollar ein, die Rohstoffpreise gaben ebenfalls nach

Gold und Silber: Der Euro brach nach der EZB-Ratssitzung auf 1,45 Dollar ein, die Rohstoffpreise gaben ebenfalls nach

Foto: Corbis

New York/London/Frankfurt am Main - Der Preis für eine Feinunze Gold  (etwa 31 Gramm) fiel am Donnerstagabend um 37,85 Dollar auf 1481,06 Dollar. Am Freitag konnte er sich wieder etwas stabilisieren und stieg auf 1484 Dollar je Feinunze.

In den vorangegangenen vier Tagen war der Preis für das Edelmetall durchgängig gefallen und hatte insgesamt fast 100 Dollar eingebüßt. Der stark gestiegene Dollarkurs bringe die Edelmetallpreise unter Druck, sagten Händler. Ein höherer Kurs der US-Währung macht Edelmetalle für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer.

Verantwortlich für den zum Dollar stark gefallenen Euro-Kurs war laut Händlern die Europäische Zentralbank (EZB). Sie signalisierte entgegen den Erwartungen von einigen Beobachter keine Leitzinserhöhung bereits für den Juni. Der Euro  sank daraufhin um mehr als drei Cent fast unter 1,45 Dollar.

Der Markt warte nun auf den US-Arbeitsmarktbericht, sagten Händler. Sollte dieser enttäuschen, könnte der Dollar weiter zulegen, da sich die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt der Federal Reserve dann weiter nach hinten verlagern dürfte. Auch ein weiterer Preisverfall an den Rohstoffmärkten sollte die US-Währung stützen.

Zudem verunsichert die Börsianer die Sorge vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur. Schwache US-Arbeitsmarktdaten hatten die Märkte kalt erwischt. Außerdem kursierten Gerüchte über eine bevorstehende Zinserhöhung in China.

Silberpreis sank diese Woche um 30 Prozent

Noch deutlicher als der Goldpreis geriet Silber  unter Druck. Der Kurs brach am Donnerstagabend um 11 Prozent auf 34,58 Dollar je Feinunze ein. Am Freitag notierte das Edelmetall nahezu unverändert um 34,65 Dollar. Nachdem Silber erst vor einer Woche einen Rekordstand von 49,51 Dollar erreicht hatte, hat das Edelmetall seither stark an Wert verloren. Allein in dieser Woche sank der Silberpreis um fast 30 Prozent.

Experten führen die jüngste Korrektur auch darauf zurück, dass wichtige Börsen ihre Sicherheitsleistungen für Terminkontrakte zuletzt mehrfach und spürbar erhöht haben. Diese Zahlungen müssen Anleger als Sicherheit hinterlegen, wenn sie Silber auf Termin kaufen wollen.

So hatte die New Yorker Warenterminbörse Comex erst am Mittwoch abermals eine Anhebung der sogenannten Marginanforderung für Silberkontrakte angekündigt. "Damit wird die zu hinterlegende Sicherheitsleistung in rund zwei Wochen um 84 Prozent erhöht", schreibt die Commerzbank in einer Studie. Auch die chinesische Handelsplattform "Shanghai Gold Exchange" hat die Anforderungen unlängst erhöht. Die Erhöhungen führen dazu, dass sich viele Anleger vom Silbermarkt zurückziehen.

Ölpreise fallen ebenfalls deutlich

Auch die Ölpreise sind am Donnerstag wegen des stark steigenden Dollar-Kurses eingebrochen. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Juni kostete am Donnerstagabend 114,40 Dollar. In der Spitze rutschte der Preis um die Rekordsumme von zwölf Dollar ab. Der Preis für die US-Referenzsorte West Texas Intermediate gab ebenfalls deutlich nach. Er sank um 6,02 Dollar auf 103,22 Dollar. Allein seit Wochenbeginn sind die Rohölpreise um rund zehn Dollar gesunken.

Am Freitag setzte sich die Talfahrt der Ölpreise fort. Die Notierung für ein Fass europäisches Brent-Öl gab um mehr als drei Dollar auf 107,60 Dollar nach. Amerikanisches WTI-Öl verbilligte sich weiter auf 96,80 Dollar.

Ein Auslöser für die drastischen Preisstürze waren Händlern zufolge neue Zweifel an der Erholung der US-Wirtschaft. Eine wichtige Rolle am Markt spielten aber auch spekulativ orientierte Investoren, die nach der Rohstoffmarktrally der vergangenen Wochen nun Kasse machten.

Im ersten Quartal hatte sich das Produktivitätswachstum verlangsamt, die Geschäfte der US-Dienstleister haben sich zuletzt deutlich schleppender entwickelt, und auch vom US-Arbeitsmarkt kamen eher skeptisch stimmende Zahlen. "Die Leute fangen wirklich an, sich zu fragen, wo die Erholung der US-Konjunktur eigentlich bleibt, und ob die hohen Bewertungen an den Finanzmärkten wirklich gerechtfertigt sind", sagte Analyst Jonoathan Barratt von Commodity Broking Services in Sydney.

mg/dpa-afx/rtr
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