Montag, 23. September 2019

Kapitalerhöhung Geduldsprobe für Commerzbank-Kleinaktionäre

Abenddämmerung für die Staatsbeteiligung: Mit der Kapitalerhöhung über elf Milliarden Euro sinkt der Anteil des Bankenrettungsfonds Soffin an der Commerzbank deutlich

Die Commerzbank lässt ihre Aktionäre morgen über die größte Kapitalerhöhung abstimmen, die es in Deutschland je gab. Dank Großinvestoren kann dabei nichts mehr schiefgehen. Doch die 500.000 Kleinanleger brauchen einen langen Atem, wenn sie bei der Kapitalerhöhung mitziehen.

Frankfurt am Main - Commerzbank-Chef Martin Blessing hat einen passenden Ort gewählt, um sich seine Riesen-Kapitalerhöhung über elf Milliarden Euro von seinen Aktionären genehmigen zu lassen. Zur jährlichen Hauptversammlung bittet Deutschlands zweitgrößte Bank ihre Aktionäre morgen Freitag an einen Ort, der Großes bereits im Namen trägt: in die Frankfurter Jahrhunderthalle.

Doch ein Jahrhundertspektakel mit aufgebrachten Altaktionären muss die Commerzbank-Führung nicht fürchten. Zwar ist die Riesen-Kapitalerhöhung, die sich Blessing absegnen lassen will, auf den ersten Blick gewagt: Als die Commerzbank Börsen-Chart zeigen Anfang April ihre geplante Kapitalerhöhung über elf Milliarden Euro bekanntgab, hatte sie einen Börsenwert von rund 7,5 Milliarden Euro; das Emissionsvolumen liegt also deutlich über der Marktkapitalisierung.

Doch ein Nein der Aktionäre ist quasi ausgeschlossen. Denn Blessing hat die wichtigsten Anteilseigner dank eines komplizierten zweistufigen Verfahrens bereits auf seiner Seite. Für die laut Commerzbank-Angaben bis zu 500.000 Kleinaktionäre ist die Kapitalaufstockung dagegen mit Kosten verbunden. Sie müssen zusätzliches Geld investieren, wenn ihr Anteil nicht schrumpfen soll. Und wenn sich ihr Investment lohnen soll, müssen sie Geduld mitbringen.

Seit Mitte April steht der Erfolg der Kapitalerhöhung so gut wie fest. Denn da konnte Blessing vermelden, dass die Commerzbank den ersten Schritt der zweistufigen Kapitalerhöhung erfolgreich hinter sich gebracht hat. Institutionellen Investoren hat die Bank etwas mehr als eine Milliarde Pflichtumtauschanleihen zu je 4,25 Euro erfolgreich angedient. Zudem tauschte der Bankenrettungsfonds Soffin stille Einlagen im Wert von 1,4 Milliarden Euro in Aktien um, um seine Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie nicht zu verwässern. Somit hat die Bank insgesamt 5,7 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte des geplanten Emissionserlöses im ersten Schritt eingesammelt.

Überraschend hoher Quartalsgewinn stabilisiert Aktienkurs

Wenige Tage vor der Hauptversammlung hatte die Commerzbank zudem gute Nachrichten für ihre Aktionäre: Im ersten Quartal hat die Bank einen operativen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet, deutlich mehr als von Analysten vorausgesagt. Der Aktienkurs stieg nach Bekanntgabe des verbesserten Geschäftsergebnisses am Montag um 3 Prozent. In den vergangenen Wochen war dieser wegen der Ankündigung der Kapitalerhöhung gesunken. Experten meinen nun, dass die guten Zahlen den Aktienkurs in den nächsten Wochen stabil halten werden. Damit steigen die Chancen für die Commerzbank, ihre neuen Aktien Ende Mai zu einem höheren Kurs loszuwerden als geplant.

In dieser zweiten Runde, die ab Ende Mai startet, muss die Commerzbank nun die noch fehlenden 5,3 Milliarden Euro einwerben. Da der Soffin hier weitere 1,35 Milliarden Euro seiner stillen Einlage in Aktien tauschen wird, bleiben noch knapp vier Milliarden Euro übrig, die vom Markt kommen sollen.

Dennoch: Die Zustimmung für die Riesen-Rekapitalisierung, die auf der Hauptversammlung beschlossen werden soll, hat die Commerzbank bereits in der Tasche. Der Soffin, der seit Anfang Januar 2009 bis heute 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank hält, ist damit ebenso einverstanden wie die Commerzbank-Großaktionäre Allianz Börsen-Chart zeigen und Generali Börsen-Chart zeigen. Zusammen kommen der Bund und die beiden Versicherer auf 40 Prozent der Commerzbank-Anteile. Sogar die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat erklärt, dass sie die Beschlüsse mittragen wird - wenn auch "mit erheblichen Bauchschmerzen", wie die Kleinaktionärsvereinigung vor kurzem mitteilte.

Die Bedenken der DSW sind nachvollziehbar. Noch ist unklar, wie hoch der Preis für die neuen Aktien ausfallen wird. Seit Anfang April ist der Kurs der Commerzbank-Aktie von 5,5 Euro auf nun 4,4 Euro gesunken, weil die Märkte auf die angekündigte Kapitalerhöhung reagiert haben. Zudem wird die Commerzbank ihren Altaktionären noch einen Nachlass gewähren müssen. "Es wird einen Abschlag geben, der bis zu 40 Prozent betragen wird", meint Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg. "Damit werden die Altaktionäre weniger als drei Euro pro neuer Aktie bezahlen."

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