Mittwoch, 23. Oktober 2019

Kapitalerhöhung Geduldsprobe für Commerzbank-Kleinaktionäre

Abenddämmerung für die Staatsbeteiligung: Mit der Kapitalerhöhung über elf Milliarden Euro sinkt der Anteil des Bankenrettungsfonds Soffin an der Commerzbank deutlich

2. Teil: Hohe Aktienzahl wird Dividende verwässern

Mit der Kapitalerhöhung steigt die Anzahl der Aktien deutlich an: In der ersten Tranche hat die Commerzbank ihre Aktienanzahl von 1,3 Milliarden auf knapp 2,7 Milliarden Stück verdoppelt. Kayser schätzt, dass die Bank nochmals rund zwei Milliarden Aktien platzieren wird, um die benötigten 5,3 Milliarden Euro einzusammeln. Damit wird das Commerzbank-Eigenkapital laut Kaysers Prognose aus rund 4,7 Milliarden Aktien bestehen.

Die Dividenden, die die Commerzbank laut den Worten von Blessing ab 2012 wieder zahlen will, werden sich auf die dreifache Aktienanzahl als bisher verteilen. "Unter dem Strich wird das eine Ausschüttung von vielleicht 10 Cent ergeben", prophezeit Kayser. Zudem wird die Dividende für das Geschäftsjahr 2012 erst 2013 ausgezahlt.

"Wenn man jetzt zukauft, muss man vermutlich einen langen Atem haben", sagt Christoph Schalast, Professor für Unternehmensübernahmen an der Frankfurt School of Finance and Management. Denn der Kurs der Commerzbank-Aktie wird wohl erst nach dem nach Abschluss der Rekapitalisierung Mitte Juni wieder deutlich steigen.

Trotzdem sieht er die Kapitalerhöhung als den richtigen Schritt. Mit dem komplizierten Kapitalerhöhungs-Konstrukt reduziert die Commerzbank die stille Einlage des Bundes, die ursprünglich 16,4 Milliarden Euro betrug, auf einen Rest von 1,9 Milliarden Euro. Damit kann sie die künftigen Gewinne wieder für Ausschüttungen an die Aktionäre oder für das eigene Geschäft verwenden. Viel wichtiger ist aber noch, dass sich die Commerzbank so mit einem Schlag von einer künftigen Milliardenlast befreit. "Die Commerzbank musste das tun, da die Zinsuhr tickt," sagt Schalast.

Befreit von hoher Zinslast

Denn die stille Einlage des Bundes war an harte Bedingungen geknüpft. Fachleuten zufolge verlangte der Soffin 9 Prozent Verzinsung für die stille Einlage. Der Zinssatz fiel so hoch aus, um keine Probleme mit der EU wegen unerlaubter Beihilfen zu bekommen, meinen Experten.

Pro Jahr wären bei der Commerzbank zur Bedienung der Schulden also rund 1,5 Milliarden Euro Zinsen angefallen - wenn man sich nicht von vorne herein mit dem Bund auf einen Sonderpassus geeinigt hätte. Denn zahlen muss die Commerzbank diese Zinsen nur, wenn sie Gewinne schreibt. Das war aber in den vergangenen beiden Jahren nicht der Fall. In diesem Jahr wird die Bank voraussichtlich wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Dank der Kapitalaufstockung muss die Commerzbank für den Einlagenrest von 1,9 Milliarden Euro nur mehr 171 Millionen Euro Zinsen zahlen - ein Bruchteil des ursprünglichen Betrags.

Bis 2014 wird der Bund seine verbliebene stille Einlage auflösen. Das lässt sich leicht über Thesaurierungen bewerkstelligen, meint Analyst Kayser. Und auch sein Aktienpaket wird der Bund verkaufen - hoffentlich ohne Eile. "Die Sache muss für den Steuerzahler so ausgehen, dass er mit einem halblachenden Auge rauskommt", meint Übernahmespezialist Schalast. Dabei muss auch der Bund Zeit mitbringen: Als der Bund 25 Prozent der Commerzbank-Anteile im Januar 2009 übernahm, lag der Kurs der Aktie bei 5,5 Euro. Die Pflichtumtauschanleihen wurden zu einem Kurs von 4,25 Euro gezeichnet, durch die Umwandlung stiller Einlagen hat der Soffin also seine Anteile zu einem günstigeren Kurs aufgestockt.

Somit kann der Bund künftig seine Anteile auch zu einem Kurs verkaufen, der unterhalb von 5,5 Euro liegt, ohne damit einen Verlust zu machen. Der aktuelle Kurs der Commerzbank-Aktie liegt aber bei 4,3 Euro. Sollte der Bund seine Aktien in großem Stil an der Börse verkaufen, würde das den Kurs noch mal belasten. Schalast geht davon aus, dass sich der Soffin professionell beraten lässt. Gut für den Commerzbank-Aktienkurs wäre es laut ihm, wenn der Bund seine Commerzbank-Aktien in kleineren Paketen verkauft. Dabei wäre es auch denkbar, dass der Bund zum Beispiel einen Leitinvestor findet, der aus China kommt.

Für Kleinanleger birgt das aber noch einiges an Ungewissheit für die nächsten Monate.

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