Feindliche Übernahme Demag-Aktien auf Höhenflug

Ein Übernahmeangebot aus den USA hat die Aktien von Demag Cranes um mehr als 22 Prozent nach oben katapultiert. Der deutsche Kranbauer hat sich bislang gegen Aktionärsforderungen nach einer Fusion gestemmt und muss sich nun mit einer feindlichen Offerte auseinandersetzen.
Kranbauer Demag Cranes: US-Konkurrent Terex will das deutsche Unternehmen für 884 Millionen Euro übernehmen

Kranbauer Demag Cranes: US-Konkurrent Terex will das deutsche Unternehmen für 884 Millionen Euro übernehmen

Foto: DPA

Düsseldorf - Der US-Kranbauer Terex bietet den Demag-Aktionären im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebots 41,75 Euro je Aktie. Das ist ein Aufschlag von 15 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Insgesamt hat das Angebot einen Umfang von 884 Millionen Euro.

Die Aktien des Kranbauers kletterten um knapp 23 Prozent auf 44,65 Euro. Im Juli 2007 hatten sie bei 53 Euro einen deutlich höheren Rekordkurs markiert. Mit gut 73 Prozent ist der Großteil der Demag-Cranes-Aktien im Streubesitz. Der größte Einzelaktionär ist der Finanzinvestor Cevian, der gut 10 Prozent der Papiere hält und auch einen Sitz im Aufsichtsrat von Demag Cranes  hat. Ein weiterer größerer Anteilseigner ist die Allianz .

Nach Einschätzung von Analysten reicht das Angebot nicht aus. Um erfolgreich zu sein, müsste Terex seine Offerte aufstocken, hieß es bei der DZ Bank. "Ich glaube, Terex muss 50 Euro (je Aktie) auf den Tisch legen, um mit seinem Angebot erfolgreich zu sein", erklärte WestLB-Experte Achim Henke. Er bewerte allein das operative Geschäft von Demag - unabhängig von Fusionsspekulationen - mit 45 Euro je Aktie.

Händler spekulieren daher nun auf einen Übernahmekampf mit dem finnischen Konkurrenten Konecranes. Ein Börsianer sagte: "Konecranes hat mit einer Marktkapitalisierung von mehr als zwei Milliarden Euro auf jeden Fall die Kraft die Offerte zu kontern." Zuletzt hatte es immer wieder Spekulationen um ein Angebot für Demag gegeben und die beiden Unternehmen wurden als Interessenten genannt.

Terex will Marke Demag erhalten

"Durch eine Verbindung beider Unternehmen würden wir unser Portfolio durch Industriekräne sowie Seil- und Kettenzüge ergänzen und gleichzeitig das weltweit führende Unternehmen für Hafenausrüstung schaffen", sagte Terex-Vorstandschef Ronald DeFeo. Sein Unternehmen wolle nach einer Übernahme weiter auf die Marke und das Servicenetzwerk von Demag Cranes setzen. "Bei dieser Transaktion geht es eindeutig um Wachstum und nicht um Kosteneinsparungen."

Die Geschäftsbereiche ergänzten sich ausgezeichnet, hieß es in der Mitteilung weiter. Während Terex Hubarbeitsbühnen, Baumaschinen und Kräne herstellt, ist Demag Cranes der weltgrößte Hersteller von Hafenmobilkränen, die Container an Land bewegen. Den meisten Umsatz machen die Düsseldorfer mit Industriekränen. Das Angebot wollen die US-Amerikaner aus vorhandenen Barmitteln und bereits zugesagtem Fremdkapital finanzieren. Dabei hat sich Terex die Schwelle von 51 Prozent der Demag-Aktien als Ziel gesetzt.

Terex kam im vergangenen Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 4,4 Milliarden Dollar. Von den 16.300 Mitarbeitern sind mehr als ein Fünftel in Deutschland beschäftigt. Demag Cranes erzielte im Geschäftsjahr 2009/2010 (Ende September) Erlöse von 931 Millionen Euro und hat 5711 Mitarbeiter. Deutschland ist für Terex der zweitgrößte Markt und zweitgrößter Produktionsstandort. Bereits in der Vergangenheit ist Terex hierzulande mit Übernahmen gewachsen. 2002 etwa durch die Übernahme der ehemaligen Demag-Schwester Demag Mobile Cranes.

Demag Cranes wollte sich selbst nach Übernahmezielen umschauen

Das Angebot kommt nicht unerwartet, wohl aber der Zeitpunkt. Terex, ebenso wie der finnische Wettbewerber Konecranes, hatten in den vergangenen Monaten immer wieder Interesse an den Düsseldorfern signalisiert, waren dabei aber auf Widerstand bei der Demag-Cranes-Führung gestoßen. Die Deutschen hatten die Avancen stets zurückgewiesen und die Chancen als eigenständiges Unternehmen in den Vordergrund gestellt. Nach dem Aufkommen der ersten Spekulationen im vergangenen Herbst war der Kurs der Demag-Aktie stark gestiegen. Zuletzt war es wieder ruhiger in der Sache geworden.

Nun ist Terex den Düsseldorfern zuvorgekommen. Denn eigentlich wollte Demag Cranes selbst in Sachen Übernahme aktiv werden. Eine Konsolidierung in der Branche sei nötig, hatte Finanzchef Beaujean kürzlich gesagt. Daran wolle sich Demag beteiligen. "Entsprechend fokussieren wir uns auf größere Zielunternehmen, welche uns in Wachstumsmärkten nach vorne bringen", hatte Beaujean mit Blick auf mögliche Übernahmen gesagt. Zuletzt hatte sich Demag Cranes mit einem Minderheitsanteil ins Krangeschäft der chinesischen Weihua-Gruppe eingekauft und will dort mittelfristig die Mehrheit und die industrielle Führung übernehmen.

mg/dpa-afx/rtr
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