Börse Dax springt am Super Thursday auf Dreijahreshoch

Das Festhalten der US-Notenbank an der expansiven Geldpolitik hat den Dax auf ein Dreijahreshoch getrieben. Beflügelt wird der Aktienmarkt zudem vom Super Thursday: Fünf Dax-Konzerne legen heute ihre Geschäftsberichte vor, besonders die Deutsche Bank beeindruckt die Anleger. SAP enttäuscht dagegen.
Der Bulle regiert: Die Gewinne der Dax-Konzerne sprudeln, der Dax legt deutlich zu

Der Bulle regiert: Die Gewinne der Dax-Konzerne sprudeln, der Dax legt deutlich zu

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Der Dax  stieg zuletzt um 0,62 Prozent auf 7451,10 Punkte. Damit ließ er das bisherige Jahreshoch von 7441,82 Punkten aus dem Februar hinter sich und stand so hoch wie seit Januar 2008 nicht mehr. Der MDax  der mittelgroßen Werte rückte um 0,44 Prozent auf 10.731,27 Punkte vor. Für den TecDax  ging es um 0,30 Prozent auf 924,44 Punkte hoch.

Nachdem die US-Notenbank Fed am Vorabend ihren Leitzins wie erwartet nicht verändert und eine Fortsetzung ihrer expansiven Geldpolitik signalisiert hatte, war auch der Dow Jones  auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen. Der Future auf den US-Leitindex legte seit dem Xetra-Schluss um 0,90 Prozent zu.

In Deutschland bestimmt ähnlich wie in Europa insgesamt sowie in den USA eine Flut von Unternehmenszahlen das Bild: Mit allein fünf Unternehmen aus dem Dax nimmt die hiesige Berichtssaison ordentlich Fahrt auf. Am Nachmittag könnten US-Konjunkturdaten dem Markt weitere Impulse geben.

Deutsche-Bank-Titel setzen sich an die Dax-Spitze

Die Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) ist zum Jahresauftakt auf dem Weg zu ihren ehrgeizigen Zielen einen großen Schritt vorangekommen. Dies honorierten die Anleger: Mit einem Plus von 3,64 Prozent auf 43,32 Euro sprangen die Titel des deutsche Branchenprimus an die Dax-Spitze. Die Gewinne des Instituts im ersten Quartal übertrafen alle Erwartungen und stellten auch die Ergebnisse von großen Teilen der internationalen Konkurrenz in den Schatten. Börsianer sahen die Zahlen über den Erwartungen. Einer zielte vor allem auf das Privatkundengeschäft ab, das dank der Postbank-Übernahme positiv überrascht habe.

Auch Bayer (Kurswerte anzeigen) konnte mit guten Nachrichten aufwarten, welche für Kursgewinne von 1,81 Prozent auf 58,58 Euro sorgten: Der Pharma- und Chemiekonzern hatte nach einem überraschend robusten ersten Quartal die Prognosen für 2011 erhöht. Das Unternehmen profitierte vom anhaltenden Chemie-Boom und einem kräftig anziehenden Agrochemiegeschäft. Von Händlern hieß es, der Nettogewinn sei zwar schwächer als erwartet ausgefallen, doch der höhere Ausblick sollte die Kursentwicklung dominieren.

Beim Bayer-Konkurrenten Merck (Kurswerte anzeigen) ließ die Zahlenvorlage die Aktien um 1,20 Prozent auf 69,93 Euro steigen. Die Darmstädter verbuchten dank der Milliardenübernahme des Laborausrüsters Millipore und des anhaltenden Chemiebooms einen kräftigen Gewinn- und Umsatzanstieg. Ein Händler sprach von einem "soliden Jahresstart".

"Durch die Bank enttäuschende Zahlen" monierten Börsianer indes bei SAP (Kurswerte anzeigen). Europas größter Softwareanbieter ist dank der Sybase-Übernahme und der Erholung der Weltmärkte solide ins Jahr gestartet und hatte Umsatz wie Gewinn gesteigert. Beides blieb allerdings leicht hinter den Erwartungen der Experten zurück. Entsprechend büßten die Aktien am Dax-Ende 4,89 Prozent auf 43,45 Euro ein.

Continental im Minus trotz Umsatz- und Gewinnplus

Am MDax-Ende büßten die Papiere von Continental  1,70 Prozent auf 66,53 Euro ein, obwohl der Automobilzulieferer und Reifenhersteller mit einem Umsatz- und Gewinnplus einen gelungenen Jahresstart hingelegt hatte. Allerdings waren die Titel zuletzt sehr stark gelaufen und hatten so hoch notiert wie zuletzt im September 2008, was nun Gewinnmitnahmen begünstigte. Ein Händler hob vor allem den Umsatz positiv hervor und betonte die Attraktivität der Aktie, die im späteren Jahresverlauf wahrscheinlich in den Dax aufsteigen werde. SGL Group gaben nach Zahlen derweil um 0,54 Prozent auf 37,55 Euro nach.

Dagegen konnten die Titel des Modekonzerns Hugo Boss  nach einem Umsatz- und Eregbnissprung um 2,78 Prozent auf 66,19 Euro zulegen. Commerzbank-Analyst Andreas Riemann sah die Zahlen über den Erwartungen. Er lobte die überraschend gut ausgefallene Gewinne und die niedriger als erwartete Nettoverschuldung.

Bei der Optikerkette Fielmann  sorgte ein erwartungsgemäß kräftiges Gewinnplus für Kursaufschläge von 0,77 Prozent auf 70,53 Euro. Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinkum  war dank deutlich gestiegener Patientenzahlen mit einem Gewinnanstieg ins neue Geschäftsjahr gestartet. Händler sprachen von erwartungsgemäß ausgefallenen Zahlen. Die Aktien gewannen 0,82 Prozent auf 15,33 Euro.

Bei den Technologiewerten stachen Aixtron  mit einem Plus von 1,17 Prozent auf 29,34 Euro etwas hervor, obwohl der auf Leuchtdiodenanlagen spezialisierte Maschinenbauer trotz kräftig gestiegener Umsätze und Gewinne die Erwartungen der Analysten nicht ganz gatte erfüllen können.

Die Wirecard -Titel  verteuerten sich nach laut Händlern gemischten Zahlen des Zahlungsabwicklers um 0,44 Prozent auf 12,46 Euro. Ähnliches galt für das Biotech-Unternehmen Qiagen  , dessen Aktien um moderate 0,25 Prozent auf 14,175 Euro vorrückten.

Euro bei knapp 1,49 Dollar, Ölpreise weiter hoch

Der Euro  hat am Donnerstag weiter zugelegt und ist in Richtung 1,49 Dollar gestiegen. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,4881 Dollar und damit soviel wie seit Dezember 2009 nicht mehr. Ein Dollar war zuletzt 0,6720 Euro wert. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwochmittag noch auf 1,4668 (Dienstag: 1,4617) Dollar festgesetzt.

Allein in der laufenden Woche hat der Euro fast vier Cent zugelegt, seit Jahresbeginn fast zwanzig Cent. Ausschlaggebend ist in erster Linie die US-Geldpolitik, die trotz konjunktureller Erholung sehr expansiv bleibt. Niedrige Zinsen lassen Währungen in den Augen von Anlegern unattraktiver erscheinen und lasten damit auf dem Wechselkurs.

Die Ölpreise haben am am Donnerstag weiter zugelegt. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juni 125,60 Dollar. Das waren 47 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate stieg um 65 Cent auf 113,41 Dollar. Derzeit kostet Rohöl soviel wie seit rund zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Auch hier ist der schwache Dollar Schuld. Seit Wochen gibt der Dollar zu vielen wichtigen Währungen nach. Ein schwacher Dollar stützt die Rohölnachfrage aus vielen Ländern außerhalb des Dollar-Raums.

mg/dpa-afx