Börsenausblick Gute Zahlen, große Sorgen

In der kommenden Woche dürften sich Investoren über glänzende Quartalszahlen von deutschen und amerikanischen Firmen freuen. Doch die Sorge vor Staatspleiten bleibt. US-Notenbankchef Ben Bernanke wirbt am Mittwoch daher auf ungewohnte Weise um Vertrauen in die Geldpolitik.
Stellt sich der Öffentlichkeit: US-Notenbankchef Bernanke tritt nach der Sitzung des Offenmarktausschusses erstmals vor die Presse

Stellt sich der Öffentlichkeit: US-Notenbankchef Bernanke tritt nach der Sitzung des Offenmarktausschusses erstmals vor die Presse

Foto: Michael Reynolds/ dpa

Frankfurt am Main - Anleger am deutschen Aktienmarkt müssen nach den Osterfeiertagen ihre Konzentration der an Fahrt gewinnenden Bilanzsaison widmen. Falls die zahlreichen Quartalsergebnisse auf beiden Seiten des Atlantiks die hohen Erwartungen übertreffen können, rechnen Analysten mit einem anhaltenden Aufwärtstrend an den Börsen.

Allerdings dürfte es den Märkten schwer fallen, ohne diese positiven Signale das aktuelle Niveau zu durchbrechen, warnte die Weberbank. Belastend auf die Firmenbilanzen könnten sich die gestiegenen Rohstoffpreise und die jüngste Euro-Rally auswirken. Auch die Landesbank Berlin mahnt angesichts der weiter schwelenden Schuldenkrise in den USA und Europa, der Unruhen in der arabischen Welt und der noch nicht ausgestandenen Atomkatastrophe in Japan vor übertriebenem Optimismus.

Die solide Konjunktur, die günstige Ertragssituation der Unternehmen und die wieder aufgelebte Übernahmetätigkeit dürften die Anlegerstimmung aber insgesamt heben, resümierten die Analysten. Schwankungen seien dabei auf mittlere Sicht nicht ausgeschlossen.

In der neuen Woche müssen sich Anleger vor allem am Donnerstag auf eine wahre Flut an Quartalszahlen einstellen. So berichten allein aus der ersten deutschen Börsenliga die Deutsche Bank , die Deutsche Börse , Bayer , Merck  und SAP  über ihre Geschäftsentwicklung. Auch die Ergebnisse von Procter & Gamble , Dow Chemical , Unilever , Santander  und Sanofi-Aventis  Aventis dürften am deutschen Aktienmarkt sehr aufmerksam verfolgt werden, da hierzulande direkte Rivalen dieser Konzerne ansässig sind.

Daimler-Gewinn soll deutlich steigen

Eingeläutet wird die neue Runde der Berichtssaison am Dienstag mit den Zahlen von 3M, UPS , UBS , Renault  und Amazon  sowie vom im MDax  gelisteten Sportartikelhersteller Puma. Am Mittwoch folgen neben der Credit Suisse , Boeing , Scania  und Barclays  auch Volkswagen . Den Absatz hatten die Wolfsburger im ersten Quartal um 13,7 Prozent steigern können.

Daimler  wird am Freitag nach Einschätzung von Analysten einen um 67 Prozent höheren Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von fast zwei Milliarden Euro vorlegen.

Auf der Konjunkturseite stehen aus den USA eine Reihe von Daten an, die Aufschluss über die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft geben könnten. Unter anderem stehen das Verbrauchervertrauen für April am Dienstag, die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das erste Quartal und der Einkaufsmanagerindex für Chicago auf den Terminlisten. Zudem wird am Mittwoch die Federal Reserve über die Geldpolitik entscheiden.

Alle Augen auf Bernanke

"Das einzig Neue bei der Sitzung des Offenmarktausschusses (...) dürfte die anschließende Pressekonferenz von Ben Bernanke sein. Ansonsten dürfte sich nichts Grundlegendes ändern", erklärten die Analysten der Commerzbank. Bislang hatte die Fed stets lediglich einen schriftlichen Kommentar zur Zinsentscheidung veröffentlicht.

Die Börsianer treibt vor allem die Frage um, wann die Phase extrem lockerer Geldpolitik zu Ende sein wird: Was kommt, wenn Ende Juni das konjunkturstimulierende Programm zum Ankauf von Staatsleihen über 600 Milliarden Dollar wie geplant ausläuft?

Viele Anleger fürchten, dass die Fed dem Markt dann wieder etwas Liquidität entziehen wird. Offen ist, wie sich das dann auf die Wirtschaftserholung auswirken wird. "Wie viel davon ist nur künstlich, durch Schuldenmachen und Gelddrucken angeheizt? Und wie viel davon ist beständig?", fragt sich Hedgefondsmanager Whitney Tilson von T2 Partners. "Die Antworten kenne ich nicht, aber ich mache mir Sorgen."

In den USA geben 180 der 500 im S&P-Index enthaltenen Unternehmen Einblick in ihre Geschäftsentwicklung. Darunter sind Branchenriesen wie Microsoft , Pepsico und Coca-Cola . Diese Blue Chips stehen zwar für zugkräftige Marken, waren an der Börse zuletzt aber nicht besonders beliebt. Sollten sie nun allerdings die Anleger überzeugen, könnte ihre Stunde schlagen.

Langweilige Titel als schlafende Riesen?

Die Kurserholung seit der Rezession hing stärker an Aktien von Industrie- und Energieunternehmen, die von einer starken Nachfrage aus den Schwellenländern profitieren. "Wenn aber die Pepsis, Colas und andere internationale, allgemein bekannte Marken gute Ergebnisse verbuchen, wird das die Erkenntnis bringen, dass der Aktienmarkt auch viele der heimischen Probleme überwinden kann", sagt Analyst Nick Kalivas von MF Global.

Die relativ niedrigen Kurse dieser Blue-Chip-Werte machen sie zu günstigen Kaufgelegenheiten: "Während jeder von wachstumsstarken Anlegerlieblingen und Rohstofftiteln schwärmt, ist das für uns genau die Zeit, in die Defensive zu gehen und langweilige Unternehmen zu halten", sagt Tilson.

Doch die Erfolgslatte liegt vergleichsweise hoch. Drei Viertel der Unternehmen, die ihre Quartalsberichte bereits vorgelegt haben, übertrafen mit ihren Zahlen nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters die Erwartungen von Experten.

In der vergangenen Woche war dies vor allem das Technologie-Flaggschiff Apple. Der Dow-Jones-Index  sowie der S&P-500-Index legten jeweils 1,3 Prozent zu, die Nasdaq  um 2 Prozent.

nis/rtr
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