Umschuldung Athen ringt verzweifelt mit den Märkten

Die griechische Regierung hat erneut Gerüchte über die angeblich bevorstehende Umschuldung des Staats dementiert. Spekulative Anleger jedoch ziehen ihre eigenen Schlüsse: Die Rendite zweijähriger griechischer Anleihen steigt erstmals seit Gründung der Währungsunion über 20 Prozent.
Griechischer Ringkampf: Im Wettstreit mit den Märkten

Griechischer Ringkampf: Im Wettstreit mit den Märkten

Foto: dapd

Athen - Griechenland hat einem Medienbericht zufolge Europäische Union (EU) und Internationalen Währungsfonds (IWF) um eine Umschuldung gebeten. Die Gespräche dürften im Juni beginnen, schreibt die griechische Zeitung "Eleftherotypia" am Montag unter Berufung auf einen hochrangigen IWF-Vertreter. Die Anfrage der Regierung sei von Finanzminister Georgos Papakonstantinou beim informellen Ecofin-Treffen in Ungarn im April übermittelt worden, heißt es in dem Bericht.

Das griechische Finanzministerium dementierte den Bericht am Montag umgehend. Gerüchte über eine bevorstehende Umschuldung Griechenlands waren auch auf dem Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Washington auf heftigen Widerspruch gestoßen.

Gleichwohl gerieten die Kurse griechischer Staatsanleihen zu Wochenbeginn stark unter Druck. Umgekehrt legten die Renditen vor allem in den kurzen Laufzeiten stark zu. Auch in Irland, das im Winter 2010 als zweites Euro-Land gerettet werden musste, stiegen die Renditen stark an. Als Grund nannten Händler eben besagten griechischen Zeitungsbericht.

Rendite zweijähriger griechischer Anleihen erstmals über 20 Prozent

Am Montag stieg die Rendite zweijähriger griechischer Staatstitel erstmals seit Gründung der Währungsunion über die Marke von 20 Prozent. Im Nachmittagshandel notierte die Rendite im Hoch bei rund 20,1 Prozent. Damit liegt der Risikoaufschlag zu deutschen Titeln bei deutlich über 18 Prozentpunkten: In Deutschland rentieren zweijährige Staatsanleihen derzeit mit 1,753 Prozent. Die Rendite beträgt damit einen Bruchteil des griechischen Effektivzinses.

Die inverse Zinsstruktur mit höheren Renditen im kürzeren Laufzeitbereich gilt unter Experten als Indiz dafür, dass am Markt stark mit einer Umschuldung Griechenlands gerechnet wird. Die Risikoaufschläge zu deutschen Staatsanleihen liegen derzeit so hoch wie noch nie seit Gründung der Währungsunion. Derzeit erhalten Anleger für deutsche Staatstitel mit Laufzeiten zwischen zwei und zehn Jahren gerade mal zwischen 1,86 und 3,37 Prozent Zinsen. Grund ist die erstklassige Kreditwürdigkeit Deutschlands.

rei/reuters/dpa-afx
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