Börse S&P lässt Dax und Dow stürzen

Die Ratingagentur S&P hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA gesenkt und damit für Wirbel an den Weltmärkten gesorgt. Aktienkurse knicken ein, während der Goldpreis anzieht. Der Dax taucht kurzzeitig unter die Marke von 7000 Punkten und schließt mit einem Verlust von mehr als 2 Prozent.
Börse in Frankfurt: S&P beurteilt die Bonität der USA skeptisch - und löst damit eine Flucht aus Aktien aus

Börse in Frankfurt: S&P beurteilt die Bonität der USA skeptisch - und löst damit eine Flucht aus Aktien aus

Foto: dpa

New York/Frankfurt am Main - Die Senkung des Ausblicks der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur S&P hat am Montag an den Märkten für erhebliche Unruhe gesorgt. Der Dax  baute im späten Handel seine Verluste deutlich aus und fiel kurzzeitig sogar unter die Marke von 7000 Punkten. Kurz vor Xetra-Schluss erholte er sich jedoch etwas und schloss auf Xetra bei 7028 Zählern, ein Minus von 2,1 Prozent.

Auch an der Wall Street herrscht enorme Unruhe. Der Dow Jones  gab zunächst um knapp 2 Prozent nach und notierte am frühen Abend um 1.8 Prozent schwächer.

Zugleich flüchteten viele Anleger in den sicheren Hafen der deutschen Staatsanleihen, was den Bund-Future um 87 Ticks auf 122,07 Punkte in die Höhe trieb. Am US-Rentenmarkt fielen die Kurse der Staatsanleihen etwa ein halbes Prozent, so dass die Renditen deutlich anstiegen. Die zehnjährigen US-Staatsanleihen rentierten daraufhin mit 3,44 Prozent, während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 3,3 Prozent lag.

Der Euro notierte mit 1,4340 Dollar wieder deutlich höher, nachdem zuvor die Diskussion um eine Umschuldung Griechenlands die Gemeinschaftswährung noch unter 1,43 Dollar gedrückt hatte.

Gold verteuerte sich auf einen Rekordkurs von 1496 Dollar je Feinunze; ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber Freitag.

"Ich bin erstaunt, dass es bislang noch zu keinen weiteren Maßnahmen durch die großen Ratingagenturen gekommen ist. Schließlich wurde das im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft weniger stark verschuldete Spanien bereits heruntergestuft", erklärte Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank.

Sorgen um Griechenland belasten Bankenwerte im Dax

Sorgen um den Euro-Stabilitätspakt haben außerdem deutsche Bankenwerte weiter abrutschen lassen. Die Aktien der Deutschen Bank rutschten bis 15.40 Uhr um 2,98 Prozent auf 39,850 Euro ab, die der Commerzbank lagen gar mit einem Minus von 5,58 Prozent auf 4,164 Euro am Ende des Dax.

Europaweit zeigte sich das gleiche Bild bei Bankenwerten, der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks verlor 2,60 Prozent.

"Es kursieren derzeit viele Gerüchte über einen möglichen Hair Cut in Griechenland", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. "Man hat das Gefühl, dass sich der Markt darauf einstellt, dass da irgendetwas passiert. Diese Spekulationen belasten die Banken." Im Falle eines Schuldenschnitt würden auf die Banken Abschreibungen zukommen. Zudem bestünde die Gefahr, dass die Liquidität austrocknet. "Keiner weiß, wie viele griechische Staatsanleihen der jeweils andere in den Büchern hat. Und das würde es für Banken, die auf eine kurzfristige Refinanzierung angewiesen sind, schwierig machen", sagte Becker. "Außerdem könnte es zu einem Zinsanstieg kommen."

Deutsche Bank: Verkauf der BHF-Bank gescheitert

Im Falle der Deutschen Bank wiederum war zudem der gescheiterte Verkauf der BHF-Bank an die Liechtensteiner LGT-Bank im Fokus. Ein Analyst bezeichnete dies als eine Überraschung. Immerhin habe es schon eine entsprechende Vereinbarung der Deutschen Bank und der Liechtensteiner LGT-Bank gegeben. Er gehe nun davon aus, dass die BHF-Bank umstrukturiert werde. Kepler-Experte Dirk Becker sagte, dass wohl der Preis der Knackpunkt für den Abbruch der Verkaufsverhandlungen gewesen sei. Eine mögliche Veräußerung der BHF-Bank zu einem späteren Zeitpunkt sei aber nicht notwendigerweise negativ für die Deutsche Bank. Er beließ die Titel auf "Buy" mit einem Kursziel von 55,00 Euro.

Analyst Becker von Merck Finck betonte: "Die BHF-Bank ist im Vergleich mit dem Volumen der Deutschen Bank nicht die Riesennummer." Ohnehin habe man zuletzt nichts mehr zu dem Thema gehört, so dass Zweifel aufgekommen seien, ob der Verkauf zustande komme. "In gewisser Weise ist der gescheiterte Verkauf aber trotzdem ein Problem, weil sich nun die Frage stellt, was die Deutsche Bank mit der BHF-Bank macht", sagte Becker. "Die BHF-Bank ist zwar kein Verlustbringer, sie passt jedoch strategisch nicht zur Deutschen Bank, weil die Deutsche alles das schon selber hat, was die BHF-Bank anbietet." Wenn die Deutsche Bank nun die BHF-Bank behalte, werde sie die finanziellen Konsequenzen einer Restrukturierung selber tragen müssen und erst einmal "keine Reduzierung der risikogewichteten Aktiva erreichen".

mg/dpa-afx