Wochenausblick Wall Street gibt den Takt vor

Die Krisenherde Japan, arabischer Raum und schwache Euro-Staaten bremsen derzeit die Kauflust der Investoren. In der verkürzten Handelswoche vor Ostern dürften daher vor allem Nachrichten von der Wall Street den Dax beeinflussen. Texas Instruments, IBM und Intel berichten ebenso über den Geschäftsverlauf wie US-Großbanken.
Während hierzulande die Dax-Konzerne ihre Bücher erst nach Oster öffnen, läuft in den USA die Berichtssaison auf Hochtouren

Während hierzulande die Dax-Konzerne ihre Bücher erst nach Oster öffnen, läuft in den USA die Berichtssaison auf Hochtouren

Foto: Chip East/ REUTERS

Frankfurt am Main/New York - Die Zeit der großen Sprünge am Aktienmarkt scheint vorerst vorbei, viele Unsicherheitsfaktoren dämpfen derzeit die Lust auf Aktien. Aktuell sei ein Ende der unruhigen Börsenphase erst einmal nicht in Sicht, schreiben die Experten der Landesbank Berlin (LBB) in einer aktuellen Studie: "Die schwelenden Krisenherde in Japan, dem arabischen Raum und der Euro-Peripherie halten weiterhin großes Unsicherheitspotenzial bereit."

Zumindest etwas Schwung erhoffen sich Experten von der in Fahrt kommenden Bilanzsaison. In der kommenden Woche berichten unter anderem weitere US-Großbanken, US-Technologie-Konzern und zunehmend auch europäische Unternehmen über den Geschäftsverlauf. "Hauptthema bleibt das globale Wachstum", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB.

Von den in der Karwoche anstehenden Konjunkturdaten erhofft er sich vor allem vom Philadelphia Fed Index wichtige Hinweise. "Dieser Frühindikator vermittelt einen Eindruck darüber, inwieweit die Unternehmen in der Lage sind, ihre gestiegenen Einkaufspreise an die Verbraucher weiterzugeben, und das ist ja im Moment die entscheidende Frage", so Basse.

Schon in der zu Ende gehenden Woche ist dem Dax spürbar die Puste ausgegangen. Auf Wochensicht hat der Leitindex rund ein halbes Prozent verloren. Zuvor war er drei Wochen in Folge gestiegen und liegt auch aktuell noch etwa 10 Prozent über dem Tief von Mitte März. Am Freitag hatte der Dax den Handel 0,4 Prozent im Plus bei 7178 Punkten beendet.

Kurzfristig dürfte der Dax laut Commerzbank-Aktienstratege Andreas Hürkamp erst einmal seitwärts tendieren. Die Unternehmen spürten aus verschiedenen Richtungen Gegenwind: Stärkerer Euro, schwaches Wachstum in der Euro-Peripherie, steigende Rohstoffpreise und Störungen in der Wertschöpfungskette nach dem Erdbeben in Japan. Dennoch ist er optimistisch, dass der Leitindex in diesem Jahr ein Rekordhoch markieren wird. Die deutschen Exporte und die Gewinnerwartungen der Dax-Unternehmen lägen derzeit so hoch wie nie zuvor.

Ob jedoch die deutschen Unternehmen im ersten Quartal tatsächlich ordentlich verdient haben, wird sich erst einige Tage nach dem Osterfest erweisen. Dann werden die ersten Firmen aus dem Dax ihre Bücher öffnen. In der kommenden Woche noch ist zumindest in Deutschland die Agenda sehr übersichtlich. So legt das Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar  am Montag sein endgültiges Zahlenwerk für 2010 vor. Am Mittwoch dann folgt der Glasfaserkabelspezialist Adva  Optical Networking mit seinen Quartalszahlen.

US-Technologiekonzerne und US-Banken berichten

Dagegen läuft die Berichtssaison in den USA schon auf vollen Touren. In der nächsten Woche rücken vor allem die Technologie-Unternehmen mit ihren Quartalsberichten in den Blick.

Am Montag präsentiert der bedeutende US-Chiphersteller Texas Instruments  seine Zahlen. Die Amerikaner hatten jüngst mit einem Übernahmeangebot für den Wettbewerber National Semiconductor für Furore gesorgt. Am Dienstag dann folgen IBM  und Intel  . Insofern sollten die Anleger am deutschen Aktienmarkt vor allem zu Wochenbeginn die hiesigen Branchenwerte wie etwa Infineon  im Auge behalten, die auf die Zahlen der US-Firmen reagieren könnten. Daneben dürften auch die Zahlen von Yahoo  oder Microsoft interessieren.

Am Montag berichtet zudem die drittgrößte US-Bank Citigroup , am Dienstag folgt Goldman Sachs . Die Rivalen JP Morgan und Bank of America  hatten Anleger in den vergangenen Tagen mit ihren Zahlen nicht hundertprozentig überzeugt. In Europa werden unter anderem die Quartalszahlen des niederländischen Elektronikkonzerns Philips , des Schweizer Pharmakonzerns Novartis  und der finnischen Nokia  erwartet.

Hierzulande ist noch Hauptversammlungs-Saison: Für Mittwoch haben Münchener Rück  und RWE  und für Donnerstag Beiersdorf  ihre Aktionäre geladen.

Fällt der Ifo-Index weiter ab?

Neben den Entwicklungen rund um Fukushima und im arabischen Raum werden auch die Verhandlungen mit den hoch verschuldeten europäischen Staaten weiter genau verfolgt werden. Am Donnerstag wird der Ifo-Geschäftsklimaindex Aufschluss darüber geben, wie sehr die Stimmung der hiesigen Unternehmen unter der japanischen Katastrophe und dem kräftigen Ölpreisanstieg gelitten hat. Von Reuters befragte Analysten sagen einen Rückgang des Index voraus. Nach einem fast einjährigen Höhenflug wäre das der zweite in Folge.

Auch zur Lage am US-Immobilienmarkt wird es neue Erkenntnisse geben; wichtige Datenreihen zu Häuserverkäufen im März stehen an. Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank geht davon aus, dass die Zahlen eine anhaltende Flaute belegen werden.

Vor allem an den Devisenmärkten dürften am Montag zudem die Ergebnisse der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF analysiert werden, die am Wochenende ihre Beratungen in Washington abschließen. Am Karfreitag sind in Europa wie auch in den USA die Börsen geschlossen.

rei/reuters/dpa-afx
Verwandte Artikel