Rohstoffhändler Glencore plant größten Börsengang Europas

Der Rohstoffhändler Glencore will wie bereits vermutet im Mai an die Börse gehen. Der Schweizer Konzern rechnet mit Einnahmen von bis zu zwölf Milliarden Dollar. Damit wäre der Börsengang einer der größten Europas - vergleichbar mit dem der Deutschen Telekom.
Glencore: Die Schweizer wollen für zwölf Milliarden Dollar bis zu 20 Prozent der Anteile an der Börse platzieren, wodurch das Unternehmen mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet wird

Glencore: Die Schweizer wollen für zwölf Milliarden Dollar bis zu 20 Prozent der Anteile an der Börse platzieren, wodurch das Unternehmen mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet wird

Foto: ? Christian Hartmann / Reuters/ REUTERS

Hongkong/London - Im Mai sollen 15 bis 20 Prozent der Anteile an die Börse gebracht werden, teilte Glencore mit. Der Schweizer Handelsgigant mit Sitz im steuerbegünstigten Kanton Zug will den seit langem mit Spannung erwarteten Sprung aufs Parkett gleichzeitig in London und Hongkong wagen.

Der Börsengang wird viele Glencore-Manager mit einem Schlag in Millionäre verwandeln. Die Einnahmen sollen es Glencore ermöglichen, noch stärker vom aktuellen Rohstoff-Boom zu profitieren - hierzu muss er jedoch nach vier Jahrzehnten seine legendäre Verschwiegenheit brechen.

Die IPO-Pläne haben an den Märkten für ähnlich viel Aufmerksamkeit gesorgt wie 1999 der Börsengang der US-Bank Goldman Sachs. Der Glencore-Börsengang in London soll bis zu 8,8 Milliarden Dollar erbringen, wie aus den Unterlagen hervorgeht. In der britischen Hauptstadt könnte der Börsengang damit alle vorhergehenden in den Schatten stellen.

In Hongkong könnte Glencore bis zu 2,2 Milliarden Dollar einsammeln. Bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption würden für die rund 20 Prozent insgesamt 12,1 Milliarden Dollar zusammenkommen. Damit würde das Unternehmen insgesamt mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet.

Einen Börsengang in dieser Größenordnung hat es in Europa lange nicht gegeben. 1999 hatte der italienische Versorger Enel 17,4 Milliarden Dollar erzielt. Danach folgt die Deutsche Telekom, die 1996 bei ihrem Börsengang umgerechnet 13 Milliarden Dollar einsammelte.

Die Preisspanne soll am 4. Mai bekanntgegeben und der Handel am 19. Mai aufgenommen werden. Voraussetzung für den Börsengang ist aber noch die Ernennung eines nicht-exekutiven Chairman, die Glencore am Donnerstag schuldig blieb. "Wir sind kurz vor Abschluss dieser wichtigen Entscheidung", sagte Glencore-Chef Ivan Glasenberg. "Wir haben jemanden ausgewählt und werden ihn in Kürze vorstellen."

Der von dem legendären Rohstoffhändler Marc Rich gegründete Konzern wird von 500 Partnern kontrolliert. Den Topmanagern ist der Verkauf von Aktien für fünf Jahre untersagt. Firmengründer Rich selbst war vor Jahren im Streit mit seinem Management ausgeschieden.

Glencore steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Jahr um 36 Prozent auf 145 Milliarden Dollar. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) stieg um 61 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar und der Nettogewinn legte um 41 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar zu. Das Unternehmen hat 55.000 Mitarbeiter in 40 Ländern.

Die Aktien der Firma dürften an der Börse gut aufgenommen werden. Rohstoffe sind derzeit sehr gefragt und Glencore dominiert einen großen Teil des Handels mit Kohle, Kupfer, Mais und anderen Rohstoffen.

mg/rtr/dpa-afx/dapd
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