Börse Kapitalhunger der Banken drückt Dax

Nach der Erholung vom Vortag schließt der Dax am Donnerstag wieder im Minus. Volkswagen-Titel profitieren von einem Bericht des manager magazins über den Einstieg bei Isuzu. Dagegen schließen Deutsche Bank und  Commerzbank mit deutlichen Verlusten: Der Kapitalhunger in der Branche belastet.
Auf und Ab: Aktien der Commerzbank werden am Donnerstag rege gehandelt

Auf und Ab: Aktien der Commerzbank werden am Donnerstag rege gehandelt

Foto: dpa

Frankfurt am Main - Der Dax  sank am Donnerstag bis zum Handelsschluss auf Xetra um 0,4 Prozent auf 7146 Punkte, nachdem er zur Wochenmitte noch um 1,1 Prozent zugelegt hatte.

Für den MDax  der mittelgroßen Werte ging es am Donnerstag um 0,3 Prozent auf 10317 Punkte nach unten, der Technologieindex TecDax gab um 0,8 Prozent auf 914 Punkte nach. An der Wall Street tendierten Dow Jones und Nasdaq Composite am späten Nachmittag jeweils 0,4 Prozent im Minus.

Der große Kapitalhunger der Banken hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt in Atem gehalten. Nach der vorgezogenen Aktienplatzierung der Commerzbank  , mit der Deutschlands zweitgrößte Bank innerhalb einer Woche 4,3 Milliarden Euro eingesammelt hat, fragte auch die Aareal Bank  bei den Investoren nach Nachschub. "Die Banken brauchen viel Geld, das drückt auf die Märkte", erklärte ein Börsianer in Frankfurt.

Wall Street: Arbeitsmarktdaten enttäuschen, Warten auf Zahlen von Google

"Der Markt befindet sich in einer Konsolidierungsphase", sagte Fondsmanager Thorsten Winkler von Veritas Investment Trust. "Die Anleger warten nach der extremen Erholung nach dem Japan-Schock auf weitere Impulse".

Anleger warten unter anderem auf die Zahlen von Google , die für heute nach Börsenschluss in den USA erwartet werden.

In der kommenden Woche erreicht die US-Bilanzsaison unter anderem mit Zahlen von Goldman Sachs, Intel und Apple  ihren Höhepunkt.

US-Jobdaten enttäuschen

An der Wall Street wurden die US-Indizes von enttäuschenden Konjunkturdaten gebremst. In der abgelaufenen Woche war die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe wieder über 400.000 gestiegen. Auch Sorgen über die Inflationsentwicklung in China sollten Händlern zufolge auf die Stimmung drücken.

Zudem legt am morgigen Freitag mit der Bank of America das nächste Branchen-Schwergewicht Quartalszahlen vor. JPMorgan hatte mit seinen Ergebnissen am Mittwoch positiv überrascht und damit die Messlatte für die Konkurrenz recht hoch gelegt.

Commerzbank-Aktien weiter unter Druck

Commerzbank-Aktien blieben nach dem kräftigen Kursrutsch vom Vortag sehr schwankungsfreudig und pendelten zwischen dem Dax-Ende und der Dax-Spitze. Zuletzt sanken sie trotz eines erfolgreichen ersten Schritts bei der Kapitalerhöhung um knapp 2 Prozent. Die Bank sammelte mit der am Vorabend platzierten Pflichtumtauschanleihe (Comen) mehr ein als ursprünglich geplant. Comen werden erst ab Montag auf dem elektronischen Xetra-System gehandelt. Experten reagierten gemischt, bis zur Aktienplatzierung Ende Mai blieben noch viele Fragen offen.

VW-Aktien profitieren von Spekulationen über Isuzu

Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) verbesserten sich um knapp 1 Prozent auf 112,30 Euro. Einem Bericht des manager magazins zufolge prüft Europas größter Autobauer einen Einstieg oder eine Übernahme bei dem japanischen Nutzfahrzeughersteller Isuzu.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Daniel Schwarz würde Isuzu zwar zu VW passen, der Konzern konzentriere sich aber wohl auf die Integration von Scania  /MAN  und Porsche . Schwarz rechnet kurzfristig nicht mit einer Transaktion.

Wirecard nach Zahlen gefragt

Eine Kaufempfehlung der UBS gab indes den Aktien von Hugo Boss  Auftrieb - sie gewannen 2,07 Prozent auf 61,75 Euro. UBS-Analystin Valentina Romitelli hatte zuvor die Bewertung der Aktie mit einem "Buy"-Votum und Kursziel 68 Euro aufgenommen. Die Marke habe deutliches Potenzial und das Gewinnwachstum sollte weiter solide bleiben. Die Margen dürften sich ebenfalls weiter verbessern.

Wirecard stiegen nach Zahlen um 2,56 Prozent auf 12,43 Euro. Der Zahlungsabwickler steigerte seinen Überschuss im vergangenen Jahr kräftig. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 0,10 (VJ: 0,09) Euro je Aktie erhalten. Commerzbank-Analystin Heike Pauls hob vor allem den starken Free Cashflow positiv hervor. Die weiteren Zahlen seien größtenteils seit Ende Januar bekannt und lieferten keine neuen Nachrichten.

Euro-Kurs sinkt wieder unter 1,45 Dollar

Fallende Rohstoffpreise und charttechnische Faktoren haben laut Händlern den Euro am Donnerstagmittag unter Druck gesetzt. Die Gemeinschaftswährung fiel auf bis zu 1,4385 Dollar und lag damit mehr als einen Cent unter ihrem Tageshoch von 1,4515 Dollar. Zur japanischen Währung fiel der Euro auf 119,80 Yen zurück. "Der Euro ist zuletzt dreimal bei rund 1,4520 Dollar abgeprallt, deshalb fällt er wieder zurück", sagte ein Händler.

Zudem veranlassten fallende Rohstoffpreise Anleger dazu in den Dollar umzuschichten, sagte ein weiterer Händler. "Momentan geht es mit dem Euro schnell hoch und runter, aber der Kurs dürfte eher nach oben ausbrechen", sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. "Während die EZB die Zinsen erhöht hat, misstraut man der Fed noch immer. Viele fürchten, dass sie zu spät aus der lockeren Geldpolitik aussteigt." Wenn die US-Notenbank jedoch erst einmal die Zinsen erhöhe, werde man auch wieder auf die Probleme in der Euro-Zone schauen, sagte Karpowitz. Der Bund-Future weitete seine Gewinne aus und lag 50 Ticks höher bei 120,97 Zählern.

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag im asiatischen Handel kaum bewegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im Mai fiel auf 122,50 Dollar. Das waren 38 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate stieg um elf Cent auf 107,22 Dollar.

Die am Mittwochnachmittag veröffentlichen US-Öllagerbestände bewegten den Markt nicht nachhaltig. Während die Rohöllagerbestände zulegten, gingen die Benzinlagerbestände deutlich zurück. Am Markt werde zunehmend erwartet, dass die hohen Preise die Nachfrage nach Öl bremsen werden, sagten Händler.

mg/dpa-afx
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