Nach Übernahmeangebot Kurssprung bei Roth & Rau

Der auf die Solarbranche spezialisierte Anlagenbauer Roth & Rau lässt sich von seinem Konkurrenten Meyer Burger kaufen. Die Schweizer bieten eine Aufschlag von rund 41 Prozent je Papier, die seit dem Beginn der Atomdiskussion beliebte Aktie verzeichnete einen deutlichen Kursprung.
Solaranlage: Das neue Unternehmen soll zu einem umfassenden Systemanbieter in der Photovoltaikbranche werden

Solaranlage: Das neue Unternehmen soll zu einem umfassenden Systemanbieter in der Photovoltaikbranche werden

Foto: AP

Hohenstein-Ernsttthal/Frankfurt am Main - Ein Vertrag zum Zusammenschluss sei bereits unterzeichnet, teilten Roth & Rau und Meyer Burger mit. Das Gesamtgebot liegt bei gut 350 Millionen Euro. Die Gründer haben den Angaben zufolge ihren Anteil von 11,3 Prozent bereits verkauft, auch der Vorstand begrüßt die Übernahme. Der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal geplant.

Das im Kanton Zug ansässige Unternehmen Meyer Burger bietet den Roth & Rau-Aktionären 22 Euro je Anteilsschein. Dies entspricht den Angaben zufolge einem Aufschlag von rund 41 Prozent zum Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

Nach Ankündigung der Übernahme kletterten die Papiere in der Spitze um 13,5 Prozent auf 22,43 Euro. Sie lagen damit sogar knapp über dem Gebot der Schweizer. Der Wert der Roth & Rau-Papiere hatte sich seit Dezember nahezu verdoppelt. Vor allem in den vergangenen Wochen legte die Aktie angesichts der Diskussion um einen schnelleren Atomausstieg kräftig zu.

Meyer Burger will durch den Zukauf des sächsischen Konkurrenten zu einem umfassenden Systemanbieter in der Photovoltaikbranche werden. Zusammen könnten die beiden Unternehmen Maschinen für alle Schritte der Wertschöpfungskette vom Solarsilizium bis zur fertigen Solaranlage anbieten. "Wir sind die einzigen, die so aufgestellt sind", sagte Meyer-Burger-Chef Peter Pauli.

Angriff auf Centrotherm

Mit der Übernahme greift er unter anderem den schwäbischen Maschinenbauer Centrotherm  an, der ebenfalls auf die Solarbranche spezialisiert ist. Die Schwaben setzen bei ihrer Expansion aber eher auf organisches Wachstum als auch Zukäufe.

Der Markenname Roth & Rau soll ebenso wie der Hauptstandort Hohenstein-Ernstthal erhalten bleiben. Vorrangiges Ziel der Übernahme sei es, mit der Bündelung die Solartechnologien schneller weiterzuentwickeln und damit die Wettbewerbsfähigkeit von Solarenergie zu verbessern, erklärte Pauli. "Zusammen haben wir eine ganz neue Kraft."

Kostenvorteile sieht er auch bei den Serviceangeboten. Keinesfalls gehe es darum, nun radikal Arbeitsplätze zu streichen. "Wir sind keine Metzger." Das Management werde aber genau schauen, wenn etwas nicht mehr passt. Das von Roth & Rau bereits eingeleitete Sparprogramm soll "in Grobzügen" weiterlaufen.

Finanzieren will Meyer Burger die Übernahme aus den bestehenden liquiden Mitteln von rund 400 Millionen Schweizer Franken. Zudem stehe eine weitere Kreditlinie zur Verfügung, sagte Finanzchef Michel Hirschi.

Ostdeutsche Erfolgsgeschichte

Roth & Rau galt lange als ostdeutsche Erfolgsgeschichte, war aber im vergangenen Jahr erstmals in die Verlustzone gerutscht. 1990 hatte der heutige Vorstandschef Dietmar Roth gemeinsam mit seiner Frau Silvia und Bernd Rau die Firma mit einem Startkapital von damals noch 20.000 Ost-Mark gegründet. Die drei Physiker kannten sich vom Studium an der Technischen Universität Chemnitz. Die ersten Produkte waren Teile für die Erzeugung von Plasma.

Den Durchbruch schaffte das Unternehmen Ende der 1990er Jahre mit ihrer Beschichtungsanlage für Solarzellen. 2006 ging Roth & Rau an die Börse und war seitdem kräftig gewachsen, hatte zuletzt aber große Probleme.

Nach einem krisenbedingten Einbruch 2009 hatte das Unternehmen seinen Umsatz im vergangenen Jahr zwar wieder deutlich auf 285 Millionen Euro gesteigert. Wegen Abschreibungen auf Altaufträge mussten die Sachsen aber erstmals einen Verlust von knapp 26 Millionen Euro hinnehmen.

Roth & Rau wurde in der Vergangenheit immer mal wieder als Übernahmekandidat gehandelt, zumal das Ruhestandsalter der Gründer immer näher rückte. Auf Investorenkonferenzen soll das Management sein Unternehmen sogar offen zum Verkauf angeboten haben. Lange galt der schwäbische Konkurrent Manz als idealer Partner. Doch die enge Kooperation brach zuletzt zusammen. Mit Meyer Burger gab es ebenfalls seit langem Kontakte, wie die Schweizer bestätigen. Konkret hätten beide Seiten seit einigen Monaten verhandelt.

Offerte laut Händlern attraktiv

WestLB-Analyst Sebastian Zank reagierte mit einer Anhebung seiner Einschätzung der Roth & Rau-Aktien von "Sell" auf "Neutral". Einige Anteilseigner könnten mehr als die gebotenen 22 Euro verlangen, vermutet er. Vor allem dürften sich die Aktionäre nicht mit dem Gebot begnügen, die im April 2010 an einer Kapitalerhöhung zu 26 Euro je neuer Aktie teilgenommen haben. Gleiches gelte für die Gründer der OTB Group, die ihr Unternehmen gegen Roth & Rau-Aktien zu durchschnittlich 28 Euro getauscht hatten. Der Kurs könne daher über den Gebotspreis steigen. In der Bewertung nach der Summe aller Teile kommt Zank jedoch auf einen fairen Wert von nur 14 Euro.

Erkan Aycicek von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) stockte zwar das Kursziel von 12 auf 22 Euro auf, blieb aber auf "Sell". Er hält die Offerte für attraktiv und rät sie zu akzeptieren. Auch Commerzbank-Analyst Ben Lynch sah im Gebotspreis auf Basis der Gewinnschätzungen für 2011 eine deutliche Prämie im Vergleich zur Branchenbewertung. Die Einstufung der Commerzbank-Experten lautet "Hold".

mg/dpa-afx
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.