Dax-Geflüster Frühling im Depot

Die Schwankungen und Risiken am Aktienmarkt sind gestiegen - umso mehr können sich viele Anleger in diesem Frühjahr über ihre Dividenden freuen. Die Ausschüttungen der Dax-Konzerne liegen beinahe wieder auf Vorkrisenniveau. Einige Branchen sind bei der jährlichen Zahlung besonders verlässlich.    
Frühlingsgefühle: Anleger können sich über satte Dividenden für 2010 freuen

Frühlingsgefühle: Anleger können sich über satte Dividenden für 2010 freuen

Foto: Corbis

Hamburg - Der Frühling ist immer eine geschäftige Zeit für Thomas Schüßler. Denn dann ist Dividendensaison an der Börse, die Aktiengesellschaften überweisen ihre Gewinnausschüttungen - als Manager des weltweit investierenden DWS-Fonds "Top Dividende" ist Schüßler in solchen Tagen ein gefragter Mann.

So auch in diesem Jahr. Angesichts der mäßigen Performance der Börse in den vergangenen Wochen rücken die jährlichen Ausschüttungen der Unternehmen besonders stark in den Fokus. Und was die Dax-Konzerne von Adidas  bis Volkswagen  zu bieten haben, kann sich sehen lassen: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young liegen die Dividenden der 30 größten deutschen Unternehmen hierzulande für 2010 wieder beinahe auf dem Niveau, das vor der Wirtschaftskrise erreicht wurde.

Insgesamt 25,6 Milliarden Euro zahlen die Konzerne an ihre Aktionäre. Das sind 28 Prozent mehr als im Jahr zuvor, so Ernst & Young. Und beinahe so viel wie 2007, als die Dax-Firmen auf 27,2 Milliarden Euro kamen. Allein 23 Gesellschaften steigern in diesem Frühjahr die Ausschüttung gegenüber dem vergangenen. Der Aufschwung, der 2010 die Gewinne vieler Firmen nach oben trieb, lässt jetzt also auch die Kassen der Anleger klingeln.

Zum Beispiel im Fonds von Thomas Schüßler. Das Portfolio wird zwar durch internationale Konzerne wie den japanischen Mobilfunkriesen NTT DoCoMo  oder den niederländischen Verbrauchsgüterproduzenten Unilever  dominiert. Deutsche Aktien befinden sich jedoch auch darin. "Eine starke Dividende zahlen vor allem Firmen mit stabilem, nicht zyklischem Geschäftsmodell und stetigem Cash Flow", sagt Schüßler. "Dazu zählen vor allem Unternehmen der Telekommunikationsbranche, Konsumgüterhersteller, Versorgertitel und gegenwärtig auch die Ölfirmen."

Deutsche Telekom ist stärkster Dividendenzahler

Vor allem die Telekom-Branche hat es dem Fondsmanager angetan. Denn dort werden mit 8 Prozent und mehr die höchsten Dividendenrenditen erreicht. Im Schnitt, so Schüßler, liegt die Dividendenrendite in seinem Fonds derzeit bei 4 bis 4,5 Prozent.

Auch die Studie von Ernst & Young bestätigt den Ruf der Telekom-Firmen als Dividendenbringer Nummer eins: Die Deutsche Telekom  ist zwar unter allen Dax-Konzernen die einzige, die ihre Ausschüttung für 2010 gegenüber dem Vorjahr gekürzt hat. In absoluten Zahlen ist das Unternehmen jedoch noch immer Spitze: Drei Milliarden Euro erhalten die T-Aktionäre diesmal aus der Kasse des Magenta-Konzerns. So viel gibt es bei keiner anderen Dax-Firma.

Hinzu kommt: Der Blick ausschließlich auf die Dividende des Telekom-Papiers, die von 78 Cent auf 70 Cent je Aktie zurückging, führt in die Irre. Denn Anfang 2010 verkündete das Unternehmen eine neue Dividendenpolitik. Angekündigt wurden - ein Unikum in Deutschlands erster Börsenliga - nicht weniger als stabile Ausschüttungen für die Geschäftsjahre 2010, 2011 und 2012 in Höhe von jeweils 3,4 Milliarden Euro pro Jahr. Dabei sollen die Gewinnauszahlungen nur zum Teil in Form von Dividenden an die Aktionäre fließen. Zusätzlich sind während der drei Jahre Aktienrückkäufe geplant.

Zum Hintergrund: Der Rückkauf eigener Aktien erfreut sich vor allem bei Unternehmen in den USA zunehmender Beliebtheit. Aber auch in Europa kommt dieses Mittel zur Kurspflege mehr und mehr in Mode. Das Prinzip: Eine Gesellschaft erwirbt die eigenen Papiere und vernichtet sie. "Dadurch steigt der Gewinn je Aktie, selbst wenn der Gesamtgewinn unverändert bleibt", erläutert Bernd Hartmann, Anlagestratege bei der Liechtensteinischen VP Bank. "Bei konstanter Bewertung des Unternehmens müsste der Aktienkurs steigen."

Größter Teil des Ertrags kommt bei Aktien aus der Dividende

Ob dies bei der Telekom auf Dauer gelingt, bleibt abzuwarten. Zuletzt sorgte der Konzern auf andere Weise für Kurssprünge: Vor wenigen Tagen, als die spektakulären Verkaufspläne für die Tochter T-Mobile USA an den US-Konkurrenten AT&T bekanntgegeben wurden, goutierten die Anleger das unübersehbar. Der Kurs der Aktie stieg binnen Stunden um bis zu 15 Prozent. Die Tatsache, dass von den rund 27,5 Milliarden Euro Verkaufserlös etwa fünf Milliarden für Aktienrückkäufe verwendet werden sollen, dürfte nur einen Teil dieses Kursanstiegs erklären.

Bleibt die Frage, ob am Aktienmarkt auch künftig steigende Dividenden zu erwarten sind. "Das hängt von der Gewinnentwicklung ab", sagt Fondsmanager Schüßler. "Steigen die Gewinne der Unternehmen weiter, dann geht es auch mit den Dividenden weiter aufwärts."

Viele Investoren sind indes offenbar noch skeptisch, ob es dazu kommen wird. Ein Indiz dafür sind wiederum die im Langzeitvergleich vielerorts hohen Dividendenrenditen. Sie zeigen an: Gemessen an den großzügigen Ausschüttungen stehen viele Investoren der Börse nach wie vor sehr zurückhaltend gegenüber. Die Risikoaversion als Nachwirkung der großen Finanzkrise ist offenbar noch immer hoch, die Kurse haben nach Einschätzung vieler Finanzprofis noch Steigerungspotenzial.

Die gute Nachricht lautet jedoch: Es spricht einiges dafür, dass sie dieses Potenzial bald ausschöpfen werden. Die Unternehmen stehen gesünder da als viele Staaten, denen die Anleger auf dem Bondmarkt zuletzt in großem Umfang ihr Geld anvertrauten, schreibt etwa die VP Bank in einer Studie. "Die Gewinne der Unternehmen werden weiter wachsen", sagt VP-Bank-Experte Hartmann. Nun sei es Zeit für eine Kehrtwende: Angesichts der Stabilisierung der Weltwirtschaft dürften bei Anlageentscheidungen wieder vermehrt Renditeüberlegungen eine Rolle spielen, so die VP Bank.

Im Klartext heißt das: Nach Ansicht der Bank werden Investoren künftig wieder verstärkt zur Aktie greifen. Und die Bedeutung der Dividenden sollte dabei nicht unterschützt werden. Nach Angaben des Geldinstituts machen sie langfristig 80 Prozent des Anlageertrags bei Aktieninvestments aus.

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